Wie sich der Tagesspiegel für Fehler in der #allesdichtmachen-Debatte entschuldigt

 

Die höchst fragwürdige Video-Aktion #allesdichtmachen namhafter deutscher Künstler gegen die Corona-Maßnahmen schlug hohe Wellen. Zur ebenfalls nicht umstrittenen kritischen Berichterstattung des Tagesspiegel hat sich die Chefredaktion des Hauptstadtblatts zu Wort gemeldet.

Auslöser für den Streit, der die Debatte um die #allesdichtmachen-Filme auch zu einer Diskussion über Medien-Methoden macht, war die weitreichende, kritische Recherchearbeit des Tagesspiegel bei der es um ein vermeintliches "antidemokratisches Netzwerk" im Hintergrund sowie Spuren in die sogenannte Querdenker-Szene geht. Beide Artikel wurden vom Tagesspiegel unter den Chefredakteuren Lorenz Maroldt und Christian Tretbar mittlerweile aktualisiert sowie um Hinweise zu Korrekturen ergänzt.

Noch weiter geht eine Artikel der Chefredaktion, den der Tagesspiegel "in eigener Sache" unter der Überschrift "Unsere Berichterstattung zu #allesdichtmachen" veröffentlicht. Darin gesteht das Blatt "handwerkliche Fehler" bei der journalistischen Arbeit ein.

"Diese Recherchen haben zahlreiche neue Hintergründe aufgezeigt, wurden vielfältig zitiert und wir führen sie weiter", heißt es zu den ursprünglichen #allesdichtmachen-Artikel. "Allerdings sind uns dabei auch handwerkliche Fehler unterlaufen, für die wir um Entschuldigung bitten." Konkret geht es um die Rolle von Paul Brandenburg, den der Tagesspiegel ursprünglich mit der Organisation der konzertierten Schauspieler-Aktion, bei der viele Hinweise zum "Tatort"-Regisseur Dietrich Brüggemann führen, in Verbindung gebracht hatte.

"Paul Brandenburg ist mehrfach in alternativen Medien aufgetreten, die auch Verbindungen zur Querdenker-Szene haben", heißt es nun in der Erklärung der Chefredakteure. "Wir haben ihn mit Äußerungen aus diesen Auftritten zitiert und diese als 'antidemokratisch' bezeichnet. Dieser Begriff ist durch Brandenburgs Äußerungen nicht gedeckt. Online haben wir das korrigiert. Zudem haben wir Paul Brandenburg vor der Publikation nicht um eine Stellungnahme gebeten – eigentlich ein journalistisches Muss.

Zudem hatte sich der Tagesspiegel dadurch angreifbar gemacht, dass ein sogenanntes "Recherchenetzwerk Antischwurbler" angeführt wurde, ohne zu erklären, wer sich konkret dahinter verbirgt.

Nun heißt es in der Meldung in eigener Sache: "Das Netzwerk ist eine Gruppe von derzeit acht Personen. Darunter befinden sich mehrere, die im vergangenen Jahr zunächst selbst Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen besucht haben, dort nach eigener Aussage über die Zusammensetzung der Teilnehmer erschraken. Zunehmend seien Symbole von Verschwörungsgläubigen und antisemitische Codes aufgetaucht, dazu Holocaustleugner, AfD-Politiker und Rechtsextreme."

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Zu den acht Personen, die gemeinsam Informationen sammeln gehören offenbar zwei Journalisten sowie auch eine Ärztin und ein Lehrer, wie die Zeitung nun schreibt. "Nachdem der Tagesspiegel eine erste Recherche zur Entstehung der Aktion '#allesdichtmachen' veröffentlicht hatte, wandte sich das Netzwerk an uns und bot eine Zusammenarbeit an. Aus Angst vor Racheakten aus der Szene möchten alle Mitglieder anonym bleiben, die Identitäten mehrerer Initiatoren sind der Redaktion aber bekannt."

Hintergrund: Der Tagesspiegel gehört - wie die Zeit, das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche - zur DvH Medien GmbH von Dieter von Holtzbrinck. Seit dem Weggang von Mathias Müller von Blumencron (kress.de berichtete) ist neben Lorenz Maroldt auch Christian Tretbar Chefredakteur.

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