Ausgerechnet Paid-Pionier Axel Springer bietet Bild und Welt gratis an

 

Axel Springer vertreibt seine wichtigsten Marken inzwischen bei den Onlinekiosken Readly und Read-it. Dort können die Bezahlprodukte deutlich günstiger oder gar gratis gelesen werden. Ein kress pro-Bericht von Markus Wiegand.

Wenn man sich bei Axel Springer in einem bislang sicher sein konnte, dann war es die Tatsache, dass Axel Springer stramm im Lager der Paid-Content-Anhänger steht. Das galt auch schon vor Jahren, als mancher in der Branche noch dachte, die Werbevermarktung der rasant steigenden Reichweite könnte künftig Journalismus finanzieren.

Umso überraschender ist es, dass Axel Springer in den vergangenen Monaten seine strikte Bezahlstrategie gelockert hat. So sind die E-Paper der Zeitungen ("Bild", "Bild am Sonntag", "Welt" und "Welt am Sonntag") in der App Myreadit verfügbar. Auch die Zeitschriften "Autobild", "Sportbild" und "Computerbild" stehen gratis zum Download bereit. Die Nutzer müssen lediglich bereit sein, vor und während des Lesens Videowerbung über sich ergehen zu lassen. Axel Springer verweist auf Anfrage darauf, dass Read-it auf ein Fremium-Modell setzt: "Die überwiegende Mehrheit unserer Titel wird auch hier im bezahlten Premiumabo gelesen", heißt es. Ohne die Videowerbung kostet das Read-it-Monatsabo für derzeit rund 720 Zeitungen und Magazine 9,99 Euro im Monat. Wer allerdings nicht bezahlen will, hat ebenfalls Zugriff auf alle Titel. Und genau damit wirbt die App auch: "Die größte Auswahl an Magazinen und Zeitungen für dich immer kostenlos in einer App", heißt es auf der Homepage.

Auch beim Wettbewerber Readly, der ebenfalls eine Flatrate für mehr als 5.000 Magazine (und Zeitungen) anbietet, ist Axel Springer seit Januar 2021 wieder präsent. Bereits im Januar 2019 hatte Springer seine Titel testweise dort aufgeschaltet, sich dann aber wieder zurückgezogen. Im Gegensatz zu Read-it gibt es bei Readly keine Möglichkeit, die Inhalte gratis gegen Werbeunterbrechungen abzurufen.

Die Verlage, die bei den Onlinekiosk-Angeboten dabei sind, bekommen einen Anteil an den Erlösen. Kleinere Titel können bei Readly relevante Zusätzerlöse erwirtschaften. Die Wirtschaftstitel "Euro" und "Euro am Sonntag" aus dem Finanzen Verlag nahmen durch Readly 2020 nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Euro an Vertriebserlösen ein.

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Kannibalisieren die Flatrate-Angebote nicht den eigenen Digitalvertrieb? Wie Axel Springer die Partnerschaften mit den Online-Kiosken rechtfertigt, lesen Sie im aktuellen kress pro. Bestellen Sie das Heft in unserem Shop.

Titelthemen in kress pro 3/2021:

Viele Unternehmen in der Branche stehen vor einem Generationswechsel oder sind schon mittendrin. Wie gelingt der Übergang?

Ranking: Die Marktführer der Redaktionssysteme.

Reichweiten-Schub: Wie der "Tagesspiegel" digital stärker wächst als die Konkurrenz.

Strategie-Gespräch: Wie ProSiebenSat.1 sich unter Vorstand Wolfgang Link auf alte Stärken besinnt.

Case: Die Lehren aus dem Hackerangriff auf Funke

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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