Genau in die Verträge schauen: Was der Springer-Facebook-Deal für die Verlage bedeutet

19.05.2021
 

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat die Kooperation mit Facebook als strategischen Meilenstein für das eigene Haus und die ganze Branche bezeichnet. Michael Hanfeld rät in der FAZ Verlagen, die am neuen Angebot "Facebook News" beteiligt sind, jetzt genau in die Verträge zu schauen. Auch eine Grünen-Politikerin meldet sich in der Debatte zu Wort.

"Wenn stimmt, was der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner sagt, nämlich, dass diese 'globale' Kooperation mit Facebook 'ein strategischer Meilenstein für unser Haus und die ganze Branche' ist, sollten alle anderen Verlage, die für das heute auch in Deutschland startende Programm von 'Facebook News' Verträge geschlossen haben, ins Kleingedruckte schauen und prüfen, ob ihre Konditionen dem entsprechen, was Springer herausgeholt hat", schreibt Michael Hanfeld, verantwortlicher Redakteur für Medien und Feuilleton Online, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Hanfeld, dessen Arbeitgeber auch einer der Partner-Verlage bei "Facebook News" ist, hebt hervor, dass Facebook als marktbeherrschender Konzern verpflichtet sei, seine einzelnen Geschäftspartner bei gleichartigen Vereinbarungen nicht nach Lust und Laune besser- oder schlechterzustellen.

Er rät, "Rechte über deren Verwertung man mit Facebook abschließt, einzeln aufzurufen und - sie scharf vom Urheberrecht und Leistungsschutzrecht abzugrenzen". Auf diese Weise ließe sich der Kardinalfehler der Verlage, ihre Inhalte im Netz gratis abzugeben, auf dass sich die Digital-Oligopolisten an ihnen mästen, ein wenig lindern.

Dass Facebook überhaupt bereit ist, Deals zu schließen, zeigt für Hanfeld, wie wichtig es ist, wachsame Kartellwächter zu haben und eine Gesetzgebung voranzutreiben, die Digitalkonzerne zwingt, sich in einen Rechtsrahmen zu fügen. Australien habe es vorgemacht, die Bundesregierung tue sich damit bei der Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie denkbar schwer.

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Margit Stumpp, Sprecherin für Medienpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärte in der Debatte um Facebook News:

"Die Zusammenarbeit der Medienverlage und Facebook könnte ein Schritt sein, von dem beide Seiten profitieren könnten. Eine Bezahlung für die Verwertung von journalistischen Inhalten ist aber nichts Besonderes, sondern muss selbstverständlich sein. Die Verlage sollten sich im Sinne ihrer Zukunftsfähigkeit nicht zu sehr auf diesen Deal verlassen. Denn ohne eigenen tragfähigen Online-Vertrieb machen sie sich auf Dauer noch abhängiger von Facebook und Google, als sie ohnehin schon sind."

Auffällig ist für Stumpp der Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Zusammenarbeit. Denn der neue Deal berge das Potenzial, etwas Druck aus dem Streit um die Durchsetzung des Urheberrechts im Internet zu nehmen. "Gerade deswegen werden wir sehr genau beobachten, ob die Kooperation mit Facebook News am Ende wieder zu Lasten der Journalistinnen und Journalisten geht", so die Politikerin. Die kooperierenden Verlage seien nun dringend gehalten, sich der strukturellen Stärkung ihrer Redaktionen zu widmen. Eine Stärkung journalistischer Qualität besonders im Lokalen und Regionalen sei auch von einer Mehrheit im Bundestag dringend erwünscht.

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