Hubert Burda: So sieht's bei der Nachfolge aus

 

Viele Unternehmen in der Branche stehen vor einem Generationswechsel oder sind schon mittendrin, berichtet kress pro. Bei Burda sind Elisabeth Furtwängler und Jacob Burda für die Nachfolge vorgesehen. Sind die Erben schon so weit?

Schon vor rund vier Jahren hat Verleger Hubert Burda die Kapitalmehrheit seines Unternehmens an die Kinder Elisabeth Furtwängler (29) und Jacob Burda (31) überschrieben. Seither halten beide zusammen rund 74,9 Prozent der Anteile an Hubert Burda Media, das für das Jahr 2019 einen Umsatz von 2,79 Mrd. Euro meldete. Zudem sitzen die Kinder von Hubert Burda und Schauspielerin Maria Furtwängler im Verwaltungsrat.

Im Unternehmen selbst sind beide bisher kaum in Erscheinung getreten. Es ist noch offen, ob sie operativ ins Unternehmen einsteigen. Offenbar war zuletzt geplant, dass sich beide das Unternehmen genauer ansehen und dabei in die verschiedenen Bereiche des Medienkonzerns hineinschnuppern, ehe Corona die Planungen durchkreuzte. Burdaintern wird erwartet, dass vor allem Jacob Burda künftig eine größere Rolle spielen könnte. So soll der als zurückhaltend und sympathisch beschriebene Firmenerbe ein Händchen fürs Digitalgeschäft haben. Er ist in der Digitalszene des Silicon Valley vernetzt und investierte offenbar schon früh in Spotify. Über Erfahrung im klassischen Verlagsgeschäft verfügt er bisher aber nicht. Jacob Burda promovierte in Oxford in Philosophie und unterrichtete an der Universität von Kalifornien in Los Angeles Deutsche Literatur. Öffentlich ist er bisher kaum in Erscheinung getreten.

Ein sichtbares Indiz spricht dafür, dass Jacob Burda seine Zukunft womöglich im Familienunternehmen sehen könnte: Er legte seinen Geburtsnamen Furtwängler ab und benannte sich in Burda um.

Seine Schwester Elisabeth trägt dagegen weiter den Namen der Mutter. Sie ist Musikerin und wirkt deutlich extrovertierter als ihr Bruder. Nicht nur wegen ihres Auftritts auf Instagram. Ende Januar hat sie dem "Spiegel" ein erstes großes Interview gegeben. Darin sagt sie zur Nachfolgefrage: "Ich wurde in diese Dynastie hineingeboren. Mir war stets klar, dass damit eine enorme Verantwortung verbunden ist. Ich habe mich damit nicht immer wohlgefühlt. Heute kann ich besser damit umgehen, ich tue es auch meinem Vater zuliebe."

Das klingt nicht so, als wenn die in Los Angeles lebende Erbin eine Rolle anstrebt, die über die als Anteilseignerin hinausgeht. Allerdings hat sie dies bisher auch nicht ausgeschlossen. "Mein Vater hat immer gesagt: Das Unternehmen gehört dir nicht, wir haben es nur geliehen bekommen. Wir wachen darüber, vermehren es und geben es weiter an die nächste Generation. In welcher Form ich mich dieser Verantwortung stellen werde, habe ich noch nicht entschieden."

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Möglich ist auch, dass Burda weiter von einem externen Manager geführt wird. Hubert Burda (81) ist mit der Arbeit von Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen (64) mehr als zufrieden. Dessen Aufgabe sollte es eigentlich sein, das Unternehmen so lange zu führen, bis die Kinder einsteigen. Kallen war der erste Burda-Chef, der nicht aus der Familie stammt. Möglicherweise geht das erfolgreiche Modell ja in die Verlängerung.

In einem "Spiegel"-Interview vor zehn Jahren deutet Hubert Burda schon an, dass der Einstieg der Kinder kein Selbstläufer ist. "Man kann nicht 7.500 Mitarbeitern seine Kinder vorsetzen, wenn sie nicht ausreichend befähigt sind", sagte er damals.

Anders als bei seinem eigenen Einstieg gilt das Verhältnis von Burda zu den Kindern aber als warmherzig und intakt. Alle drei eint die Leidenschaft für Kunst und Literatur. Und auch die beiden Kinder selbst haben etwas, das sie verbindet. Eine Leidenschaft, die so gar nicht zum Klischee reicher Verlegerzöglinge passt: Fußball. Jacob ging schon beim FC Real Kreuth-Enterbach als Stürmer in der Kreisliga auf Torjagd. Und Lisa, so der Rufname seiner Schwester, ist in Los Angeles für das Team Silverlake Valkyries aktiv. Wenn Elisabeth Furtwängler ins Unternehmen einsteigen würde, wäre für Spannung gesorgt. Denn sie ist Feministin "aus vollem Herzen" und mit dem Frauenbild nur bedingt einverstanden, dass in den eigenen Medien wie der "Bunten" so transportiert wird. "Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es mit einem macht, wenn man von Medien ständig mit Diät-Tipps und normschönen Körpern konfrontiert wird. Da muss und wird einiges anders werden."

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