Der Neue bei Funke hat große Pläne: Exklusiv-Interview mit Christoph Rüth

 

Oft scheuen es Führungskräfte in Interviews, ihre Ziele messbar zu machen. Sie wollen nicht, dass man ihnen die Aussagen Jahre später unter die Nase reibt. Funke-Zeitungschef Christoph Rüth dagegen macht im Interview mit kress pro mutige Ansagen und hat für Deutschlands größtes regionales Zeitungshaus ehrgeizige Ziele im Vertrieb, wie kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand in seinem Editorial analysiert.

Wenn Journalisten Menschen das erste Mal in einer neuen Funktion interviewen dürfen, kommt Freude auf. Das weckt irgendwie einen journalistischen Urinstinkt: es winken Nachrichten und Exklusivität. Daher waren wir natürlich froh, dass uns Christoph Rüth, der seit 1. Oktober das Zeitungsgeschäft der Funke Mediengruppe führt, für ein kress pro-Strategiegespräch empfing. Er ist jetzt einer der wichtigsten Zeitungsmanager im Geschäft und viele in der Branche fragen sich, was der Neue bei Funke nach den personellen Querelen der vergangenen Jahre eigentlich vorhat.

Unterschätzt wird in solchen Fällen, dass die Freude bei den Interviewten meistens nicht ganz so groß ist. Wenn jemand sich in neuer Funktion zum ersten Mal zu seinen Plänen äußert, muss er über einen schmalen Grat wandern. Tritt er mit markigen Ansagen zu forsch auf, dann rückt das die Vorgänger in ein schlechtes Licht. Motto: Ich bringe den Saftladen hier endlich mal auf Vordermann. So was kommt auch im Kreis der Gesellschafter meist schlecht an, die speziell im Fall von Funke in der Vergangenheit nicht durch einen übertriebenen Hang zur Harmonie aufgefallen sind.

Andererseits muss ein Top-Manager wie Christoph Rüth auch deutlich machen, dass er einen Plan hat und die trägen Konzernstrukturen in Wallung versetzen will. Wenn der Eindruck entsteht, dass alles prima war, alles prima ist und alles immer prima sein wird, dann wirkt das auf die eigene Mannschaft nicht sonderlich motivierend. Es sollte sich also auch nicht die Frage stellen: Was will der Neue hier eigentlich? Läuft doch alles.

Wenn Sie wissen wollen, wie Christoph Rüth sich in diesem Spannungsverhältnis geschlagen hat, lesen Sie das kress pro-Titelinterview ab Seite 16. (Und wenn Sie mögen: Schreiben Sie mir Ihre Meinung an markus.wiegand@kresspro.de.)

Mich haben drei Dinge überrascht:

1. Mutige Ansagen

Oft scheuen es Führungskräfte in Interviews, ihre Ziele messbar zu machen. Sie wollen nicht, dass man ihnen die Aussagen Jahre später unter die Nase reibt. Christoph Rüth dagegen kündigt in unserem Gespräch klar an, woran er sich messen lässt: Er möchte die Erlöse im Vertrieb steigern und den Umsatz in der Vermarktung halten. Das allein ist in Zeiten, in denen sich alle gerne übervorsichtig verhalten, durchaus ungewöhnlich.

2. Ehrgeizige Ziele im Vertrieb

Besonders bei der Zahl der Abonnenten hat Christoph Rüth zudem sehr präzise gesagt, was er in den nächsten Jahren erreichen will. Heute haben die Funke-Zeitungen 850.000 Bezahlkunden. Daraus soll in fünf Jahren eine Million werden. Das Ganze klingt ein wenig abstrakt, brechen wir es also runter: Netto will der Konzern 150.000 Neukunden in knapp fünf Jahren (bis 2025) gewinnen. Macht so über den Daumen gepeilt 80 bis 90 Neukunden am Tag. Das wirkt in Märkten mit einem Potenzial von 15 Millionen Menschen vielleicht auf den ersten Blick nicht sehr ambitioniert, ist es aber. Zum Vergleich: Die FAZ peilt derzeit an, 90 Digitalabonnenten pro Tag zu gewinnen (siehe Case 2 ab Seite 30 dieser Ausgabe), der "Tagesspiegel" schafft an guten Tagen 150 Neuabonnenten (siehe kress pro 3/21). Man darf aber nicht vergessen: Von den neuen Digitalkunden geht im Schnitt vermutlich rund die Hälfte im ersten Jahr wieder verloren. Die Zahl, wie viele Plus-Abos Funke heute schon im Bestand hat, wollte Rüth nicht freigeben. Vermutlich liegt sie bei etwas über 30.000. Die Ausgangsbasis ist also noch eher klein.

3. Gespenstische Atmosphäre

Das Interview mit dem Funke-Zeitungschef war das erste, das wir seit Monaten persönlich geführt haben. Natürlich ganz coronakonform. Der Sitzungssaal am Stammsitz in Essen hat in etwa die Größe einer Schul-Turnhalle. Und die Sofas hätten die Kunden jedes gehobenen Einrichtungshauses neidisch gemacht. Wir mussten leider am Konferenztisch sitzen. Eine Erfahrung dabei, die keine Überraschung ist: Auch mit Abstand kommt in einem persönlichen Gespräch mehr Nähe auf als in jedem Videogespräch. Irgendwie gespenstisch war dagegen die Atmosphäre im Gebäude. All die leeren Gänge und Büros. Der Newsroom, in dem es sonst brummt, arbeitete nur in schmaler Notbesetzung. Es ist beeindruckend, dass das alles so gut klappt. Aber Firmen ganz ohne Menschen? Das ist absolut kein Zukunftskonzep

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Top-Themen in kress pro 4/2021:

Der Neue hat große Pläne für Funke: Christoph Rüth, Geschäftsführer der Zeitungen, will bei digitalen Abos radikal wachsen, in der Vermarktung nichts verlieren und weg von der Konzerndenke.

Ranking: Die größten Fachverlage. Wer ist wie gut durch die Krise gekommen?

Vorbild: Wie die FAZ ihr Ziel von 300.000 Digitalabos erreichen will.

Case: Unternehmen wie Funke, Springer und NOZ Medien/mh:n Medien setzen in ihrer Audiostrategie nicht nur auf Podcasts, sondern investieren in Text-toSpeech-Technologie.

Case: Wie künstliche Intelligenz der "Rheinischen Post" hilft, Hasskommentare schneller und effizienter auszusortieren.

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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