Welt-Herausgeber Stefan Aust: Ich begebe mich nicht in AfD-Nähe

26.05.2021
 

Medienkritiker Stefan Niggemeier hat einst Zitate von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland und Welt-Herausgeber Stefan Aust zur Klimadebatte gegenübergestellt, die sehr ähnlich klangen. Doch Aust will sich keine geistige Nähe zur AfD oder zu Querdenkern unterstellen lassen, wie er jetzt im Zeit-Interview klarstellt. Der frühere Spiegel-Chef möchte sich zugleich von niemandem diktieren lassen, was er zu denken hat.

Cathrin Gilbert und Stefan Schirmer fragen Stefan Aust im aktuellen Zeit-Interview: "Sind Sie sich bewusst, dass man in Ihren Kommentaren eine Nähe zu 'Querdenkern' erkennen kann? Die Partei im Bundestag, die beim Klimawandel so weit geht wie Sie, ist die AfD." Der Herausgeber der Axel-Springer-Zeitung Welt antwortet: "Ich begebe mich nicht in deren Nähe. Aber wenn Herr Gauland sagt, es regnet, dann scheint deswegen noch lange nicht die Sonne. Und ich lasse mir von diesen Herrschaften nicht diktieren, was ich zu denken habe. Es kann doch nicht sein, dass wir der AfD die Freiheit geben, sich irgendein Thema auszusuchen, und dann darf niemand anderes mehr diese Position vertreten. Das finde ich eine hochbedenkliche Entwicklung, die auch aus Ihrer Frage deutlich wird."

Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier hatte 2019 auf Twitter geschrieben: "Triff @Welt-Herausgeber Stefan Aust und @AfD-Chef Alexander Gauland im Wartezimmer" und zwei Zitate von Aust und Gauland gegenübergestellt. "Wir müssen abwarten, bis sicher der Klima-Hype gelegt hat", erklärte Gauland demnach. Von Aust hieß es in einem Meinungsbeitrag in der Welt: "Warten wir doch, bis der Klimahype abgeklungen ist." 

Im Zeit-Interview wollen Gilbert und Schirmer von Aust auch wissen, ob er noch Kontakt zu Matthias Matussek habe, dem früheren Spiegel-Autor, der zuletzt auf AfD-Veranstaltungen und mit Kontakten zu Identitären auf sich aufmerksam gemacht habe. Aust, der frühere Spiegel-Chef, hat mit Matussek sowohl beim Spiegel als auch bei der Welt zusammengearbeitet bzw. ihn "beschützt", wie es die Zeit-Autoren nennen.

"Muss ich mich jetzt dafür rechtfertigen, dass ich Matussek kenne?", erwidert Stefan Aust. Er habe Matussek weder beim Spiegel noch bei der Welt eingestellt. Und beschützt habe er ihn auch nicht. "Kritisieren Sie ihn, aber nicht mich dafür. Wir sind hier doch nicht bei der Kripo", wehrt sich der 74-Jährige.

Matussek ist bei Twitter aktiver als Aust. Für Aust hat das folgenden Grund: Früher hätten sich Leute in Kneipengesprächen gegenseitig angefetzt und Unsinn verbreitet. Aber wenn sie nach Hause gegangen seien, sei es zu Ende gewesen. Heute führten zu viele Leute ein endloses Kneipengespräch über Facebook und Twitter. Daraus entstehe eine Menge Elend. 

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Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur und heutige Welt-Herausgeber Stefan Aust beklagt in der Zeit zugleich eine "deutsche Belehrungskultur". Viele Debatten seien ihm zu moralisch und vor allen Dingen politisch aufgeladen. Als Beispiel nennt Aust die Klimadebatte: "Es geht doch um die simple Frage: Wie wichtig ist CO2 für den Klimawandel? Da gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Und es muss doch noch möglich sein, auf diese anderen Erklärungen hinzuweisen, ohne in die rechte Ecke gedrängt zu werden." Er leugne nicht den Klimawandel, "sondern hinterfrage die Erklärung dafür kritisch", so Aust.

Aust ist vor sieben Jahren zu Axel Springer gewechselt. Zuvor arbeitete er eher für linke Medien wie Panorama und Spiegel. "Ich kann mich heute mit dem Meinungsspektrum bei der Welt viel stärker identifizieren als mit dem anderer Publikationen, weil es bei der Welt offener ist. Da steht auch mal Quatsch drin, gar keine Frage", sagt Aust im Zeit-Gespräch. Als er bei der Welt angefangen habe, habe er "zu denen" gesagt: "Ich muss ja nie so rechts werden, wie ihr es seid, weil ich nie so links war, wie ihr es wart." Der Mitläufer-Effekt in diesem Land sei sehr stark. Und dem habe er sich immer entgegengestellt, betont Aust.

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