8 Milliarden Dollar-Deal: Warum Amazon die MGM Filmstudios kauft

27.05.2021
 

"Eine Lizenz zum Streamen" - Superagent James Bond steht künftig auch in den Diensten von Amazon. Der weltgrößte Online-Händler übernimmt die Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Filmstudios. Der Kaufpreis beträgt 8,45 Mrd Euro. Warum für Amazon und MGM der Mega-Deal zur richtigen Zeit kommt.

Für Amazon ist der Kauf der MGM Filmstudios die bedeutendste Übernahme nach der Supermarktkette Whole Foods, für die der Online-Konzern vor vier Jahren 13,7 Milliarden Dollar in die Hand genommen hat.

Mit der Übernahme bekommt Amazon die James-Bond-Filmreihe sowie eine Bibliothek aus mehr als 4000 Streifen wie "Ben Hur", "Rocky" und "Robocop". MGM produziert auch TV-Serien wie "Fargo" und "The Handmaid's Tale". Von dem Spionage-Franchise rund um James Bond wird Amazon allerdings künftig nur die Hälfte besitzen, wie Michael Schilling und Christoph Dernbach von dpa unter Verweis auf die New York Times berichten. Der Rest wird von der Produzentin der Filmreihe, Barbara Broccoli und ihrem Bruder Michael G. Wilson gehalten. Die Geschwister entscheiden bislang, wann ein neuer Bond-Film gedreht wird und wer die Titelrolle spielen soll.

Amazon ist einer der großen Player beim Videostreaming - auch weil sein Angebot im Abo-Dienst Prime mit mehr als 200 Millionen Kunden integriert ist. Aktuell sind auch Netflix und Disney besonders stark in dem Geschäft. Außerdem versucht Apple mit seinem Angebot TV+ sein Produktportfolio zu erweitern und hat mit Eigenproduktionen wie "Ted Lasso" zumindest einen Achtungserfolg erzielt.

Die FAZ ordnet den Mega-Deal so ein: "Verglichen mit den großen Rivalen wie Netflix gilt das Angebot an Inhalten auf Prime Video bislang noch als schwach, aber der Konzern versucht in jüngster Zeit zunehmend, dies zu ändern. Er hat zuletzt viel Geld für die Rechte an zugkräftigen Filmen wie 'Der Prinz aus Zamunda 2' oder "Borat Anschluss Moviefilm" gekauft, und er lasse derzeit eine Fernsehserie auf Basis der 'Herr der Ringe'-Romane produzieren, die 465 Millionen Dollar für eine einzige Staffel kosten soll." Die FAZ verweist auch darauf, dass Amazon auch Milliardenbeträge für Sportrechte ausgegeben und damit ein bislang von Netflix nicht besetztes Gebiet erschlossen habe. Der Milliardenzukauf von MGM sei nun ein weiterer Weg für Amazon, um das Angebot auszuweiten.

MGM war bisher eines der wenigen Hollywood-Studios, das unabhängig agierte und nicht Teil eines Großkonzerns ist. Die Konkurrenz von Warner Bros. gehört noch zu AT&T, Fox zum Unterhaltungsriesen Disney, Universal zum Kabelkonzern Comcast und Paramount zum Medienriesen ViacomCBS. Größter Anteilseigner von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte und nun Kasse machen kann.

Wie der Rest der Branche hatte auch MGM in der Corona-Pandemie dpa zufolge unter geschlossenen Kinos zu leiden, der Start der Blockbuster-Hoffnung "No Time to Die" aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden. In Deutschland soll der Streifen unter dem Titel "Keine Zeit zu sterben" nun am 30. September in die Kinos kommen.

Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Video-Streaming zu Hause. Die Streamingkonzerne investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen, um das Angebot auszuweiten. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Inhalte vergangenes Jahr von 7,8 auf 11 Milliarden Dollar hoch.

Insgesamt konsolidiert die Branche seit einiger Zeit. So will US-Telekomriese AT&T seine Mediensparte Warner Media (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Angebot des Rivalen Discovery zusammenlegen, um das Streamingangebot zu stärken. In Europa wollen die französischen Fernsehfirmen M6 und TF1 zusammengehen, große Aktionäre sind der französische Mischkonzern Boygues und die luxemburgische Mediengruppe RTL.

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