Was bei der Bild-Mitarbeiterbefragung herauskam - und warum Alexandra Würzbach sorry sagt

02.06.2021
 

Axel Springer hat bei Bild "das größte und ausführlichste Gespräch darüber gestartet, wie es uns miteinander geht". Dem Spiegel liegen die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung vor. Wo es gute Noten gibt und wie angeknackst das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Führungskräften bei Bild wirklich ist.

Wie der Spiegel berichtet, sind die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung an diesem Montag vorgestellt worden. Hunderte Mitarbeiter von Bild, BamS und BZ hätten sich in einen Gruppen-Videochat eingewählt, um ihren Führungskräften zu lauschen. Laut Spiegel haben rund 900 Personen an der Befragung teilgenommen, der Großteil stamme aus den Redaktionen.

Axel Springer-Chef Mathias Döpfner hatte Ende März zum Abschluss des Compliance-Verfahrens bei Bild erklärt, dass Änderungsbedarf bei der Führungskultur in der Bild-Redaktion bestehe. "Der Vorstand ist überzeugt, dass ein moderner unangepasster Boulevardjournalismus und eine zeitgemäße Führungskultur kein Widerspruch sind", sagte Döpfner.  Die Bild-Redaktionsleitung wurde damals als Doppelspitze neu aufgestellt: mit Alexandra Würzbach, gleichberechtigt neben Julian Reichelt.

Würzbach sagte jetzt laut Spiegel zu den Bild-Mitarbeitern, dass sie die Ergebnisse der Befragung teilweise auch traurig gemacht hätten. Ganz viele hätten offenbar "was in sich hineingefressen" und sich jetzt anonym "zum ersten Mal Luft gemacht". Und Würzbach hat sich dem Spiegel zufolge auch bei Mitarbeitern entschuldigt, "die sich respektlos behandelt gefühlt haben in letzter Zeit, in der Vergangenheit und die auch von Angst gesprochen haben".

Der Spiegel zitiert aus den Resultaten:

  • "Ich weiß, welche Erwartungen an mich und meine Arbeit gestellt werden": Durchschnittswert auf einer Skala von 1-10: 8,2

  • "Den Umgang zwischen mir und meinen Kollegen erlebe ich als respektvoll" Durchschnittswert: 7,8

  • "In meinem Team schätzen wir unterschiedliche Meinungen und können diese offen diskutieren": Durchschnittswert: 7,2

  • "Ich weiß, an wen ich mich im Falle von Diskriminierung / Belästigung wenden kann": Durchschnittswert: 7,0

Andere Ergebnisse der Befragung hätten tiefe Gräben offenbart und ein Gefühl des Misstrauens, gerade wenn es um das Verhältnis zu ihren Chefs gehe. 142 der 894 Befragten bewerteten laut Spiegel die Aussage "Ich kann meinen direkten Führungskräften vertrauen" lediglich mit einem Wert von 0 bis 3.

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Auch Julian Reichelt wird im Bericht der Spiegel-Autoren Alexander Kühn und Anton Rainer erwähnt: Es brauche jetzt ein Comeback des Miteinanders, soll Reichelt laut Spiegel während der Vorstellung der Mitarbeiterbefragung gesagt haben. Wer eine Meinung zu Bild habe, soll demnach künftig stärker Gehör finden, angstfrei, in einer offenen Diskussion - und ohne Konsequenzen zu fürchten.

Im Statement von Axel Springer zur Mitarbeiterbefragung, das kress.de vorliegt, heißt es:

"Die Bild-Kultur war und ist einzigartig, hat viele Stärken und das soll auch so bleiben. Uns ist aber auch bewusst geworden, dass es Handlungsbedarf gibt. Ein moderner unangepasster Boulevardjournalismus und eine zeitgemäße Führungskultur dürfen kein Widerspruch sein. Wir haben bei Bild das größte und ausführlichste Gespräch darüber gestartet, wie es uns miteinander geht. Eine Mitarbeiterumfrage in Redaktion und Verlag war hierzu ein entscheidender erster Schritt. Die Ergebnisse der Umfrage sowie die hohe Beteiligung bestätigen die Wichtigkeit des Themas und zeigen das leidenschaftliche Engagement für die Marke Bild und die gemeinsam begonnene Veränderung. Deutlich geworden ist: Die Bild-Kultur hat klare Stärken wie etwa die kollegiale Zusammenarbeit, aber es gibt auch Felder, bei denen wir besser werden wollen und müssen. Dazu zählt beispielsweise die Offenheit für Feedback und Impulse, der Umgang mit Konflikten sowie die Vermittlung dessen, wo wir strategisch hinwollen. Die wesentlichen Erkenntnisse haben wir in einem Bild All Hands transparent geteilt und besprochen. Sie liefern uns wichtigen Input für die Entwicklung eines kulturellen Leitbildes und konkreter Veränderungsmaßnahmen. Zu diesem Zweck finden kurzfristig unter anderem Workshops mit Teilnehmern aus Vorstand, Chefredaktion, Geschäftsführung und Projektteam statt."

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