Kanzlerkandidat Armin Laschet holt Ex-Bild-Chefin Tanit Koch

09.06.2021
 

Der CDU-Vorsitzende und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat die Journalistin Tanit Koch als Beraterin im Bundestagswahlkampf engagiert. Das erfuhr die dpa aus CDU-Kreisen. Warum Koch für Laschet jetzt so wichtig ist und warum sie eine lange Tradition fortsetzt - mehr über die Top-Personalie.

Wie dpa berichtet, soll die frühere Chefredakteurin der Bild-Zeitung von der Berliner CDU-Zentrale aus Armin Laschets Wahlkampfkommunikation leiten und seine Pressearbeit koordinieren. Auch soll Koch Laschets Präsenz in den sozialen Medien ausbauen. Auf dpa-Nachfrage bestätigte Laschet die Personalie: "Wir gewinnen mit Tanit Koch eine erfahrene Journalistin und Kommunikationsexpertin - sie ist jetzt in meinem Team. Ich freue mich sehr."

Laschet reagiert damit dpa zufolge auf schwache persönliche Umfragewerte und Kritik an seinem bisherigen Wahlkampf. So sei ein TV-Auftritt in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" Ende März unionsintern wie in den Medien als unglücklich bewertet worden. In Teilen der CDU vermisse man zudem eine Strategie für die Präsentation des Kanzlerkandidaten in sozialen Netzwerken.

Klare Botschaften, ein geplantes Vorgehen in den Medien, auf Pressekonferenzen und vor allem in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder bei Twitter - das soll Koch strukturieren helfen, ohne Laschets Qualitäten wie Volksnähe und Standvermögen dahinter unsichtbar werden zu lassen, will dpa aus der CDU-Spitze gehört haben. Gerade im Netz sei die politische Konkurrenz zum Leidwesen der Unionsstrategen präsenter, allen voran die AfD.

Der neuen Kommunikationsstrategin komme dabei zupass, dass Laschet seit dem unerwartet klaren CDU-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag Rückenwind habe. Gleichzeitig stolpere Laschets wahrscheinlich gefährlichste Konkurrentin im Ringen um die Kanzlerschaft, Grünen-Chefin Annalena Baerbock, über Unklarheiten in ihrem Lebenslauf und bei der Verbuchung von Zusatzeinnahmen und - ausgerechnet - den dilettantischen kommunikativen Umgang damit, heißt es bei dpa. Auch Koch werde mit solchen Themen zu tun haben.

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Dass frühere Journalisten aus dem Springer-Konzern Politiker beraten, ist nicht neu: Einer von Kochs Vorgängern an der Bild-Spitze, Peter Boenisch, diente Bundeskanzler Helmut Kohl als Regierungssprecher, Ex-Bild-Politikchef Béla Anda war in dieser Funktion für SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder tätig. Von Schröder stammt auch das Bonmot, zum Regieren brauche er nur Bild, Bams und Glotze. Bild-Redakteur Georg Streiter brachte gar das Kunststück fertig, erst von der FDP und dann von der CSU Horst Seehofers als stellvertretender Regierungssprecher nominiert zu werden. Der Ex-Chef der Bild am Sonntag, Michael Spreng, wiederum beriet CSU-Chef Edmund Stoiber bei dessen erfolgloser Kanzlerkandidatur 2002.

Zur Person: Die 43 Jahre alte Tanit Koch stand von 2016 bis 2018 als erste Frau an der Spitze der Bild-Zeitung. Im März 2019 wurde sie Geschäftsführerin des Nachrichtensenders n-tv und Chefredakteurin der RTL-Zentralredaktion. Im November 2020 wurde dann bekannt, dass Koch RTL wieder verlässt. Als Grund wurden von Senderseite "unterschiedliche Auffassungen über die künftige Struktur und den weiteren Weg" genannt. Der Vertrag der nach eigenen Angaben parteilosen Journalistin bei dem Kölner TV-Sender läuft Ende Juni aus.

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