Fünf Beiträge beim Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet - Bundespräsident Steinmeier hat an Journalisten einen Wunsch

10.06.2021
 

Der Theodor-Wolff-Preis geht an Hatice Akyün, Wolfgang Bauer, Anna Petersen, Elisa Schwarz und das Digital-Team der Münchner Abendzeitung. In seinem Grußwort schlägt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Journalisten vor: "Erst Berichterstattung, dann Meinung"

"Guter Journalismus gibt Orientierung", erklärt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort anlässlich der Verleihung des Journalistenpreises der Digitalpublisher und Zeitungsverleger - Theodor-Wolff-Preis in Berlin. Er schaffe Voraussetzungen dafür, dass der einzelne und die Gesellschaft sich orientieren könnten. "Dazu braucht es nicht in erster Linie entschiedene Meinungen", die bildeten sich die Menschen gerne selbst, führte der Bundespräsident weiter aus. Vielmehr wünsche sich das Publikum meistens "kritisch geprüfte, verständlich dargestellte Tatsachen: Transparenz im Unübersichtlichen".

Steinmeier erinnert in diesem Zusammenhang an die Debatte um #Allesdichtmachen. Nach seinem Eindruck seien "die Wellen aus Empörung und Gegenempörung" sehr viel schneller und lautstärker durch die Republik geschwappt, als dass eine nüchterne Antwort auf die Frage gesucht worden sei: Wer hat da eigentlich was und warum gesagt? Sein Vorschlag: "Erst Berichterstattung, dann Meinung, dafür wäre ich nicht nur als Präsident, sondern als Leser gelegentlich sehr dankbar."

Bei der Frage nach größtmöglicher Transparenz, so der Bundespräsident weiter, trügen auch die digitalen Plattformen eine entscheidend große Verantwortung. Dieser würden sie bis jetzt noch nicht gerecht. "Doch auch jede Kontrolle, Filterung, Regulierung funktioniert nicht ohne das einzig wirkliche Gegenmittel: die kritisch geprüfte Darstellung der Wirklichkeit und von Informationen, von denen die Menschen wissen, dass sie ihnen vertrauen können."

Transparenz und Vertrauen - das sind die Dreh- und Angelpunkte der Gedanken Steinmeiers über guten und an diesem Abend preiswürdigen Journalismus. "Am Ende geht es für die Menschen immer um die gleiche Frage: Können wir dem, was uns gesagt wird, glauben? Das ist die große Verantwortung, in der jede seriöse journalistische Arbeit steht." Er sei froh über die vielen "Journalistinnen und Journalisten, Verlegerinnen und Verleger, die sich dieser Verantwortung mit Stolz und Ehrgeiz stellen".

Die Preisträgerinnen und Preisträger

In der Kategorie Meinung geht der Preis an Hatice Akyün (Der Tagesspiegel, Berlin) für "Raus aus der Manege". Die Jury würdigte Akyüns ebenso "klar wie emotional argumentierte Reflexion" über das Leben als "Vorzeigemigrantin". Die Autorin problematisiere klug am eigenen Beispiel Fragen der Identität und Gleichberechtigung, ohne schnelle Lösungen anzubieten.

In der Kategorie Reportage zeichnet die Jury Wolfgang Bauer (Zeit Magazin, Hamburg) aus. Sein Beitrag "Unter Taliban" eröffne als "klassische Auslandsreportage" ganz neue Blickwinkel auf Afghanistan. Der Text sei "hoch informativ". Obendrein gelinge es Bauer, die Taliban nicht nur als "selbsterklärte Tugendterroristen" zu porträtieren, sondern als "korrupte Warlords wie andere auch".

Die Würdigung in der Kategorie Bestes lokales Stück erkennt die Jury Anna Petersen (Landeszeitung für die Lüneburger Heide, Lüneburg) mit "Chaos im Kopf" zu. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau mit Fetalem Alkoholsyndrom, die ihr Leben in die eigenen Hände nehmen will. Petersens "respektvolle, empathische Annäherung" an die Protagonistin lobt die Jury ebenso wie die "beharrliche und präzise Verfolgung der Geschichte" über ein ganzes Jahr voller unvorhergesehener und dramaturgisch klug aufbereiteter Wendungen.

Erfolgreich in der Kategorie Bestes lokales Digitalprojekt sind Jeanne Jacobs, Sophie Anfang, Emily Engels, Felix Müller, Paul Nöllke und Lukas Schauer (Abendzeitung, München) mit "München hat die Wahl". Das Digitalangebot zur zurückliegenden Kommunalwahl in München sei "ein gutes Konzept für die Vorbereitung von Wahlen", "spielerisch und ideenreich", "zum Nachmachen einladend", heißt es dazu von der Jury.

Beim Thema des Jahres "Corona - Leben im Ausnahmezustand" vergibt die Jury den Preis an Elisa Schwarz (Süddeutsche Zeitung, München). Ihr Beitrag "Der Riss" beschreibt das Auseinanderbrechen einer Freundschaft. "Diese Geschichte weist in die Zukunft", urteilt die Jury. Die Problematik, dass "Wissenschaftsfragen im pandemiebedingten Ausnahmezustand zu Glaubensfragen" würden, werde die Gesellschaft noch lange begleiten. Hier spiegele der Konflikt engster Freundinnen über die Einschätzung der Virusgefahr "in der Nussschale die große Politik".

Mehr zu den Preisträgern und ihren Texten.

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