Das Funke-Beben: Was wird aus den Geschäftsführern?

16.06.2021
 

Bei der Funke Mediengruppe haben die Medienberichte über eine Neuordnung des Unternehmens große Aufregung ausgelöst. Die Funke-Belegschaft ist auch im Ungewissen darüber, wer sie künftig führen wird. Die Geschäftsführer Andreas Schoo und Michael Wüller sollen vor der Ablösung stehen. Christoph Rüth soll dagegen bleiben.

Das manager magazin berichtete am Montag von einem "Großdeal" in der Verlagsbranche. Unter der Überschrift Deutschlands neue Medienmächtige schrieben Christoph Neßhöver und Thomas Werres: "Jahrelang zofften sich die Eigner der mächtigen Funke Mediengruppe. Jetzt kauft Verlegerin Julia Becker die missliebige Verwandtschaft raus."

Laut dem manager magazin, das sich auf Familienkreise und Insider beruft, kauft Funke-Verlegerin Julia Becker mit ihren Geschwistern die restlichen Anteile der Verwandten auf, als Preis seien gut 250 Mio Euro verhandelt, so das manager magazin. Der Deal soll kurz vor dem Abschluss stehen, die Advokaten brüteten nur noch über Steuerfragen. Die Funke Mediengruppe selbst wollte sich laut manager magazin nicht zu dem Vorgang äußern.

Julia Funke werde als künftige Alleinherscherin auch im Management des Verlags "aufräumen", will das manager magazin erfahren haben. Bei Funke breche eine neue Ära an. Die Geschäftsführer Michael Wüller und Andreas Schoo sollen vor der Ablösung stehen. Bleiben soll laut mm Christoph Rüth.

Klaus Boldt, ehemals beim manager magazin, jetzt in der Chefredaktion der Welt, berichtet ebenfalls am Montag: Bei Funke übernimmt die Familie wieder die Kontrolle.

"Die Geschwister Julia Becker, Nora Marx, und Niklas Wilke - Nachkommen des Firmenmitgründers Jakob Funke und im Besitz von 66,67 Prozent der Firmenanteile - wollen das Unternehmen vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Dafür gilt es, die Anteile ihrer Mitgesellschafter Renate Schubris und Stephan Holthoff-Pörtner zu übernehmen. Die Verträge seien unterschriftsreif, heißt es in Verhandlungskreisen. Der Kaufpreis für die zweimal 16,67 Prozent betrage ungefähr 280 Millionen Euro."

Nach Informationen der Welt soll die Funke Mediengruppe sowohl eine neue Führung als auch eine neue Organisationsstruktur erhalten: "Von der jetzigen dreiköpfigen Geschäftsführung bleibe nur Christoph Rüth auf dem Posten, heißt es. Andreas Schoo, zurzeit Sprecher der Geschäftsführung, und Finanzchef Michael Wüller würden das Unternehmen verlassen. Anwälte seien bereits eingeschaltet", schreibt Klaus Boldt.

Auf Anfrage antwortete Funke nach Welt-Angaben, man gebe "keine Stellungnahme" (zu der angestrebten Veränderung der Gesellschafterverhältnisse) ab und nehme zu "Gerüchten und Spekulationen (die die Geschäftsführung betreffen) grundsätzlich keine Stellung".

Nach kress-Informationen sorgen die Medienmeldungen im Funke-Haus für große Aufregung. Die Mitarbeiter sind verunsichert, wie es weitergeht und wer sie künftig eigentlich führen wird.

Eine Funke-Verlagssprecherin erklärte am Mittwochmittag gegenüber kress.de: "Wir kommentieren die Vorgänge und Spekulationen derzeit nicht." 

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Verlegerin Julia Becker hat seit 1. Oktober 2020 auf ein neues Führungsmodell bei Funke gesetzt: Die Sprecherrolle innerhalb der Funke-Geschäftsführung wurde gleichberechtigt zwischen den drei Geschäftsführern in ein "rollierendes Modell" überführt.

Christoph Rüth kam zu dem Zeitpunkt von der Madsack Mediengruppe neu in die Geschäftsführung - Ove Saffe, der die Zeitungssparte managte, verließ das Unternehmen. Rüth war bei der Madsack Mediengruppe zuvor für das operative Geschäft zuständig. Davor lenkte er als Verlagsgeschäftsführer die Financial Times Deutschland und die Abozeitungen von Axel Springer. Die heutigen Funke-Zeitungen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt gehörten zu seinem Portfolio.

Als Geschäftsführer der Funke Mediengruppe verantwortet Rüth die Marken des Funke-Zeitungsbereiches über alle Distributionskanäle inklusive deren Vermarktung und der erforderlichen Units bei Funke Digital.

"Christoph Rüth kennt wie kein Zweiter die Potenziale, die in der digitalen Transformation des Zeitungsgeschäftes, in der Konsolidierung von Bereichen einerseits, aber auch in der dezentralen Stärkung unserer deutschlandweiten Standorte andererseits stecken", sagte Verlegerin Julia Becker bei Rüths Amtsantritt. Mit Rüth wolle man das Zeitungsgeschäft auch für die Zukunft solide und erlössicher aufstellen. "Regionale Tageszeitungen sind und bleiben Kerngeschäft und Kompetenz der Funke Mediengruppe", betonte Becker.

Andreas Schoo leitet den Zeitschriftenbereich und steuert bei Funke Digital zusätzlich das neu gegründete Digital Brands Network für bundesweite Themenportale, die Jobportale und Listings sowie die werbefinanzierten Reichweitenportale der Funke Mediengruppe, darunter derwesten.de und moin.de. Schoo startete im neuen Führungs-Modell von Julia Becker als Sprecher.

Seit April 2018 ist Schoo Geschäftsführer der Funke Mediengruppe. Zuvor war er über zehn Jahre Mitglied der Geschäftsleitung der Bauer Media Group und verantwortete dort u. a. die Zeitschriften- und Digitalaktivitäten. Andreas Schoo kümmerte sich zunächst hauptsächlich um die Geschäfte in Deutschland, später konzentrierte er sich vor allem auf die Märkte in den USA, Australien, England, Frankreich und Spanien. Er baute das Printgeschäft erfolgreich aus und das Digitalgeschäft wesentlich auf.

Michael Wüller ist im Funke-Führungsteam zuständig für Steuern, Finanzen, Recht, Personal sowie Logistik und Druck. Seit 2015 führt er die Geschäfte der Funke Mediengruppe. Vor seinem Wechsel in die operative Verantwortung war er Vorsitzender des Aufsichtsrates. Der Diplom-Finanzwirt kennt das Unternehmen seit vielen Jahren, gehörte dem Aufsichtsrat seit dessen Gründung an und hatte im Mai 2014 die Leitung des Gremiums übernommen. Gemeinsam mit der Funke-Geschäftsführung war er in dieser Phase maßgeblich an der Vorbereitung und Umsetzung des Erwerbs von Zeitungs- und Zeitschriften-Titeln des Axel Springer-Verlags beteiligt.

Tipp: Christoph Rüth, Geschäftsführer der Zeitungen bei Funke, hat kress pro gerade ein Titel-Interview gegeben, in dem er Einblick in seine großen Pläne gibt: Wie er bei den digitalen Abos radikal wachsen will, in der Vermarktung nichts verlieren und weg von der Konzerndenke will, lesen Sie im aktuellen kress pro 4/2021 - das sie im Oberauer-Shop bestellen können.

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