Plasberg, Will, Klaas & Co: Wie sich Fernsehprofis nach Publikum sehnen

18.06.2021
 

Das Medienmagazin Übermedien hat mit prominenten Fernsehleuten wie Frank Plasberg, Anne Will und Klaas Heufer-Umlauf über das Arbeiten ohne Studiopublikum gesprochen - und die Frage gestellt, wie es weitergehen wird.

Moderator Frank Plasberg plant, nach der Sommerpause am 23. August seine Sendung "Hart aber fair" wieder vor Zuschauern im Studio zu moderieren. "Wie viele, wissen wir noch nicht. Auch noch nicht, ob sie getestet, geimpft oder was auch immer sein müssen", sagt er gegenüber dem Medienmagazin Übermedien.de. "Ich freu mich jedenfalls sehr, dass wir unsere Arena wieder - zumindest ein wenig - füllen dürfen."

Seine Kollegin Anne Will hingegen will keine Prognose wagen: "Ob wir irgendwann wieder Publikum im Studio haben werden? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht."

Klaas Heufer-Umlauf, dessen Show "Late Night Berlin" im September wieder anfängt, äußert sich ebenfalls zurückhaltend. "Dann werden wir sehen, wie die Lage ist. Aber im Moment würde ich noch auf Publikum verzichten, das ist mir zu wacklig."

Übermedien hat mit Fernsehleuten darüber gesprochen, wie sie die Zeit erlebt haben, in der wegen der Corona-Beschränkungen kaum oder gar keine Zuschauer in ihren Studios sein durften

Sängerin und Moderatorin Ina Müller sagt über die erste Zeit in ihrer Show "Inas Nacht": "Wir durften einfach nichts - nur atmen und reden! Und selbst DAS wurde abgemessen und diskutiert. Ich hatte Angst, die Sendung so runterzurocken, dass sie nach Corona kaputt ist."

"Fernsehgarten"-Moderatorin Andrea Kiewel sagt: "Auf einmal war all die Schönheit des ZDF-'Fernsehgartens' nur noch Kulisse. Es fehlte das wichtigste: Leben. Lachen. Menschen. Ich musste mich völlig umgewöhnen, das gelang mir mehr schlecht als recht." 

Einige sehen auch Vorteile in der Abwesenheit von Publikum, ähnlich wie ZDF-Moderator Markus Lanz, der schon angekündigt hat, auch in Zukunft ohne Zuschauer talken zu wollen. Anne Will sagt, die Stille im Raum könne der Debatte gut tun; sie "lässt konzentriertere Gespräche zu, weil unsere Gäste sogar an sich selbst beobachten, dass sie weniger auf einen Effekt wie einen zustimmenden Applaus hin formulieren."

Klaas Heufer-Umlauf sieht positiv, "dass man vielleicht einer gewissen Intimität im Fernsehen wieder zu vertrauen lernt. Je mehr Publikum im Studio ist, umso mehr spielt man auch für diese Leute und vergisst unter Umständen die vorm Fernseher." Andererseits: "Man strengt sich anders an, wenn einen 1000 Leute angucken." 

Es überwiegt die Sehnsucht nach den Publikum: "Die Reaktion der Zuschauer, egal worauf, ist so wichtig", sagt Bettina Tietjen von der "NDR Talk Show". " So ein direktes Echo mögen auch die Gäste. Ich finde, das macht eine Talkshow wie unsere erst rund."

Andrea Kiewel erzählt, wie sehr es ihr schon geholfen habe, dass inzwischen immerhin 100 Zuschauer im "Fernsehgarten" sein dürfen: "Ich habe ein wenig geweint vor Glück, als wieder echte Menschen klatschten und tanzten und lachten und sich freuten."

Nach den Worten von Ina Müller wurde die Produktion der neuen Folgen von "Inas Nacht" extra vom Frühjahr in den Sommer verschoben. "Uns war es wichtig, jede Lockerung, die eine normale Sendung wahrscheinlicher macht, mitzunehmen. Ich hoffe, dass da täglich etwas dazu kommt. Vor allem: Publikum!"

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