Regenbogen-Debatte: Diese Medienhäuser zeigen Flagge gegen die UEFA

23.06.2021
 

Nach dem Verbot der Regenbogenbeleuchtung an der Münchner EM-Arena durch die UEFA haben Zeitungen und TV-Sender mit Aktionen selbst Farbe bekannt. Wie Führungskräfte wie Marco Fenske, Friedrich Roeingh, Daniel Rosemann und Paul Ronzheimer ihre Haltung begründen - und in welchem Medienhaus auch pro UEFA argumentiert wird. 

Die "Bild" zeigte am Mittwoch auf einer ganzen Seite die Regenbogenfahne, die in der Mitte in die Farben der Deutschlandflagge übergeht.

"Die Uefa redet viel von Toleranz und Weltoffenheit, aber wenn es darauf ankommt, geht es dem Verband nicht um Werte, sondern alleine ums Geschäft", kommentiert Paul Ronzheimer, Stellvertretender Chefredakteur der Bild. Ein Stadion, dass in Regenbogen-Farben erleuchtet, so wie von der Stadt München geplant, werde verboten, aber mit Sponsoren wie "Qatar Airways" und "Gazprom", die auf den Werbebanden IM Stadion leuchten, habe die Uefa kein Problem. Beide Unternehmen finanzierten Regime in Katar und Russland, die Homosexuelle unterdrückten, so Ronzheimer. Der "Bild"-Mann glaubt, dass die Entscheidung der UEFA Regime bestärken wird, die Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender verfolgen.

Die Europäische Fußball-Union UEFA hatte am Dienstag entschieden, dass das Stadion in München beim Gruppenfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen darf. Die Stadt hatte einen offiziellen Antrag für die Regenbogenbeleuchtung gestellt. Hintergrund ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transidentität in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament gebilligt worden war.

Paul Ronzheimer schreibt in seinem Kommentar weiter:

"Es geht bei der Frage, ob das Stadion in München in Regenbogen-Fahnen beleuchtet werden darf, längst nicht mehr ausschließlich um Orbans Politik. Es geht darum, ob wir uns trauen, für unsere Werte wie Toleranz und Weltoffenheit auch wirklich einzustehen. Und es geht darum, was für ein Zeichen wir damit an die Menschen senden, die im Iran oder anderen Ländern verfolgt, gefoltert und getötet werden, weil sie so leben und lieben wollen wie sie fühlen."

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) der Madsack Mediengruppe hat in seinem Logo und den Profilen auf den Sozialen Netzwerken die Regenbogenfarben integriert.

RND-Chefredakteur Marco Fenske begründet den Schritt so:

"Heute trägt unser Logo auf RND.de und unseren Profilen in den sozialen Medien die Farben des Regenbogens. Natürlich sind auch wir als Medium 'politisch und religiös' neutral – jedoch nicht, wenn es um Freiheit, Vielfalt und Gleichberechtigung geht. Dann möchten wir nicht neutral sein, sondern ganz klar auf der Seite derjenigen, die dafür sind, alle Menschen gleich zu behandeln und ihnen dieselben Rechte zu geben. Genau dafür steht die Regenbogenfahne. Sie soll heute besonders deutlich auf dieses Ziel hinweisen."

Fenskes RND-Kollege Andreas Niesmann kann die Entscheidung der UEFA dagegen nachvollziehen. Seine Argumentation: Die Lokalpolitiker in München hatten das bunte Symbol ausdrücklich als Missbilligung der als homophob empfundenen Reformen in Ungarn genannt – und damit sei es politisch geworden.

Auch Niesmanns Meinungsbeitrag ist auf RND.de veröffentlicht; gedruckt ist er in den Netzwerktiteln "Leipziger Volkszeitung" und "Hannoversche Allgemeine Zeitung" erschienen. "Gelebte und selbstverständliche Meinungsvielfalt im RedaktionsNetzwerk Deutschland" ist das für Chefredakteur Fenske.

Das Logo der "Lübecker Nachrichten"  auf der Titelseite ist in Regenbogenfarben getaucht. Die "Hamburger Morgenpost" zeigt in ihrem Sportteil eine ganze Seite mit Regenbogenfarben. Das ZDF postete am Dienstagabend ein Mainzelmännchen, das einen Regenbogen an eine Fensterscheibe malt. Zuvor hatte der Sender ProSieben angekündigt, sein Logo in den Regenbogenfarben strahlen zu lassen.

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ProSieben-Chef Daniel Rosemann twitterte: "Wenn die #AllianzArena schon nicht darf - wir dürfen. Und wir WOLLEN. Morgen ändern wir unser Senderlogo für ein wichtiges Zeichen."

Friedrich Roeingh, Chefredakteur "Allgemeine Zeitung" findet es eine "wahrlich armselige Entscheidung der UEFA". Wohlfeil sind die "Respect"-Botschaften der UEFA, meint Roeingh. Denn wenn es drauf ankomme, kusche der Verband vor Machthabern, die Menschenrechte mit Füßen treten.

Roeingh erklärt: "Auch die Nachrichtenportale der VRM setzen heute ein solches Zeichen. Den ganzen Tag über prangt der Regenbogen am Kopf unserer Seiten. Nicht weil unsere Aufgabe politischer Aktionismus wäre. Das ist sie nicht. In der Auseinandersetzung aber geht es um Grundrechte wie Menschenwürde, Minderheitenschutz, Selbstbestimmung und Freiheit. Werte, die für die Medienmacher der VRM unteilbar und unverhandelbar sind."

Hintergrund: Die Regenbogenfahne steht als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

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