Wird Gruner + Jahr eine Schreibfiliale für RTL, Herr Tewes?

24.06.2021
 

Diese Frage stellt Michael Hanfeld in einem längeren FAZ-Interview Henning Tewes, der den Sender RTL und die Inhalte von TV Now verantwortet. Was Tewes darauf antwortet - und warum Florian Silbereisen, Hape Kerkeling und der Pumuckl im Programm eine Hauptrolle bekommen.

RTL gehört zur Bertelsmann Content Alliance, genauso wie die UFA, Random House und der Verlag Gruner + Jahr. "Über diesen hört man die Befürchtung, er werde eine Schreibfiliale für RTL Was kommt bei dieser Partnerschaft heraus", fragt Michael Hanfeld, Leiter des Medienressorts der FAZ, Henning Tewes. Der RTL-Television- und TV-Now-Geschäftsführer spricht in seiner Antwort zunächst über das große Ganze. "In einem gemeinsamen Auftritt liegt einfach eine große Kraft. Wir erreichen mit den Inhalten der Bertelsmann Content Alliance im Laufe eines Monats 99 Prozent der Menschen in diesem Land. Wenn wir mit den Kreativen sprechen, ist das schon mal ein gutes Argument." Dabei sei die Bertelsmann Content Alliance keine geschlossene Gesellschaft. Man suche immer Partner, bei der Wirecard-Story seien dies zum Beispiel Bettina Weiguny und Georg Meck von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als Autoren gewesen, erklärt Tewes im FAZ-Interview. "Das Ergebnis war für TVNow und für RTL ein toller Erfolg, und daran hatten Kolleginnen und Kollegen aus anderen Medienhäusern ihren Anteil", betont er.

Für Tewes ist die Bertelsmann Content Alliance sozusagen eine ausgestreckte Hand an die Journalisten und Kreativen des Landes: "Sie hilft." Der Verlag Gruner + Jahr habe seit Jahrzehnten eingeführte, starke Marken, "die ja vielleicht für ein Streaming- und Fernsehpublikum noch konsequent weiterentwickelt werden können". Und umgekehrt gebe es diese Marken auch bei RTL. "Da sehen wir sehr große Chancen", unterstreicht Tewes. "Wir sind von Partnerschaften fest überzeugt. Ob in der Content Alliance, ob mit Plattformpartnern wie der Telekom oder mit Sky. Die richtigen Partnerschaften tragen wesentlich dazu bei, dass wir erfolgreich wirtschaften."

Die engere Zusammenarbeit von der Mediengruppe RTL und Gruner + Jahr wird in der Branche mit Spannung erwartet. Zuletzt hat sich Bertelsmann-Chef Thomas Rabe Ende März dazu geäußert.

Henning Tewes verriet im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstagsausgabe) auch, wer bei "DSDS" die Jury in der Ära nach Dieter Bohlen bildet: der Showmaster, Schlagersänger und Schauspieler Florian Silbereisen, die Musikerin Ilse DeLange, und der deutsche Musikproduzent Toby Gad.

"Florian Silbereisen steht für bunte Familienunterhaltung. Jung wie Alt singen und lieben Schlager. Und sie lieben Florian Silbereisen. Er ist gegenwärtig der wohl größte deutsche Entertainer, und wir freuen uns enorm, ihn bei RTL zu haben", sagt Tewes im Gespräch mit der FAZ. Mit Toby Gad habe man "den weltweit erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten in der Jury, den aber in Deutschland nur wenige kennen, weil er seit fast 30 Jahren in den USA lebt". Gad habe "Welthits für John Legend oder Beyoncé geschrieben und produziert". Bei RTL sei er "erstmals seit über 20 Jahren wieder im Fernsehen und für uns ein richtiges Geschenk." Die Musikerin Ilse DeLange, die für die Niederlande beim Eurovision Song Contest den zweiten Platz geholt habe, erfreue sich "bei unserem Publikum großer Beliebtheit", was man bei "Sing meinen Song" bei Vox und bei "Let's Dance" gesehen habe, "wo sie leider verletzungsbedingt aussteigen musste".

Zudem verfolgt RTL verschiedene Projekte mit Hape Kerkeling, sowohl für das Streamingangebot TVNow wie für die linearen Sender. "Hape Kerkeling bei RTL", sagte Tewes, stehe "für zweierlei: die enorme Breite seiner Ansprache und die Gabe, alle Menschen abzuholen. Gleichzeitig steht er auch für das Freche, Überraschende und zugleich Menschenfreundliche. Dadurch ist er bekannt geworden und hat ein großes Publikum für sich gewonnen. Beide Eigenschaften passen sehr gut zu RTL."

Gesichert  hat sich RTL die Wiederverfilmungsrechte an "Pumuckl". Der "Pumuckl" sei nicht ursprünglich eine RTL-Marke. "Aber er passt zu uns", so Tewes zur FAZ. "Er steht für heile Welt und Heimat, für die breite Ansprache verschiedener Generationen. Gleichzeitig aber für das Freche und Aufmüpfige." Die Rechte habe sich die Produktionsfirma "NeueSuper" aus München gesichert, die das Format "Neue Geschichten vom Pumuckl" für RTL produziere. Regie führe Marcus H. Rosenmüller. Das Programm läuft zuerst bei TVNow (demnächst unter dem Namen RTL+) und dann bei RTL. "Von Hape Kerkeling über den Pumuckl oder das neue DSDS: Wir wollen die Breite, aber wir bleiben auch dem Frechen und Überraschenden treu", so die Strategie des Geschäftsführers.

Zur allgemeinen Programmentwicklung sagt Tewes in der FAZ: "Die Videonutzung explodiert durch die technologische Entwicklung. Gleichzeitig ist die Welt mehr in Bewegung denn je, zuletzt durch Corona. Die Bedürfnisse der Menschen verändern sich und damit auch ihre Mediennutzung. Die Pandemie hat diese Entwicklung nochmals beschleunigt." Das lineare Fernsehen gerate aber nicht ins Hintertreffen: "Die TV-Nutzung bleibt stark, insbesondere in der Information und auch in weiten Teilen der Unterhaltung. Die Menschen wollen wissen, was los ist und sich dann auch einfach mal ablenken und entspannen. Gleichzeitig wächst die Nutzung im Streaming schnell."

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