Ex-Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer: Welche Titelgeschichte er heute bereut

28.06.2021
 

Seine Personalie sorgte für großes Aufsehen: Klaus Brinkbäumer ist seit Januar Programmdirektor des MDR in Leipzig. Im Interview mit der Leipziger Volkszeitung spricht Brinkbäumer über sein Ankommen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Was ihn bei der ARD überrascht und welche Titelgeschichte der ehemalige Spiegel-Chefredakteur heute bereut.

"Ich kannte vorher den WDR und den NDR ganz gut. Nun, mit dem Blick von innen, überrascht mich die gesamte ARD, weil sie sehr präzise arbeitet, schnell zu mutigen Beschlüssen kommt und sich dann daran hält", sagt Klaus Brinkbäumer im Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Natürlich sei das öffentlich-rechtliche System manchmal bürokratisch, aber Sorgfalt sei wichtig, weil es um das Beitragsgeld der Bürgerinnen und Bürger gehe, betont Brinkbäumer im Gespräch mit Hannah Suppa.

"Wir haben den Anspruch, jede Zuschrift einer Zuschauerin oder eines Zuschauers zu beantworten, denn diese sind Beitragszahler und wir schulden ihnen Antworten - und dieser Prozess ist eben zuweilen anstrengend. Wichtiger aber: Hier sind so viele Menschen, die mit Leidenschaft für Inhalte und Programm arbeiten, das beeindruckt mich jeden Tag. Ich habe das ganze System der ARD längst besser verstanden - auch die Rolle der einzelnen Häuser", so Brinkbäumer weiter.

Zur Person: Klaus Brinkbäumer ist seit dem 15. Januar 2021 Programmdirektor des MDR in Leipzig - zu seinem Verantwortungsbereich gehören die Abteilungen Information, Nonfiktion, Fernsehfilm, Serie, Sport sowie die Federführung für den Kinderkanal von ARD und ZDF. Der geborene Münsteraner lebte in den vergangenen Jahren an der amerikanischen Ostküste und war dort "Zeit"-Autor, "Tagesspiegel"-Kolumnist, Podcaster ("Ok, America?" für die "Zeit"), Filmemacher und Buchautor.

Hannah Suppa, seit Dezember 2020 Chefredakteurin der Leipzeiger Volkszeitung, fragt Brinkbäumer auch, wie man sich ein besonderes ostdeutsches Sendergefühl erarbeitet. Die MDR-Top-Führungskraft gibt an, dass ihm das durch sein Handwerk, die Recherche, gelinge: "Lesen, Gespräche führen, wach sein, verstehen wollen - und alles anschauen, was ich in die Finger kriegen kann, Spielfilme, Dokumentationen, Sendungen aller Art. Ich war in den vergangenen drei Jahrzehnten ständig für Recherchen und Gespräche hier, und jetzt hierherzuziehen war eine bewusste Entscheidung, die auf dem Gefühl gründete: Ich möchte genau dies. Ich meine damit: modernes Programm, an genau diesem Ort machen." Natürlich habe er den MDR in den USA kaum verfolgt, gibt Brinkbäumer zu. Dort lag sein Schwerpunkt auf dem Wechselspiel zwischen amerikanischen Medien und amerikanischer Politik.

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Der Sprung vom klassischen Magazin- und Zeitungsjournalisten zum Programmchef einer Rundfunkanstalt hat Brinkbäumer nicht geschreckt: "Ich mache seit 30 Jahren nichts anderes, als Themen zu erkennen und zu entwickeln und große Stoffe in unterschiedlichen Darstellungsformen zu erzählen. Da fühle ich mich sicher. Und auch beim Spiegel war ich stets damit beschäftigt, Themen auf allen Kanälen zu durchdenken und aufzubereiten - Bewegtbild und Audio gehörten seit Jahren zum Alltag", erklärt Brinkbäumer gegenüber der LVZ. Weil er sich bei der Fiktionalisierung von Inhalten weniger auskennt, vertraut er aber "auf das beste Team, das ich mir vorstellen kann" - und meint Kolleginnen wie Johanna Kraus oder Jana Brandt. Es ist für Brinkbäumer "ein neues Abenteuer".

Zuvor war Brinkbäumer in seiner Laufbauhn 26 Jahre lang beim Spiegel. Als Redakteur und Reporter schrieb er Reportagen sowie Enthüllungsgeschichten und über 100 Titelstorys. Er wurde Amerika-Korrespondent, Textchef, stellvertretender Chefredakteur und "Spiegel"-Chefredakteur sowie Herausgeber von "Spiegel Online".

Eine Titelstory bereut er heute, wie er gegenüber Hannah Suppa im Interview offenbart. Brinkbäumer verantwortete als Spiegel-Chefredakteur einen Titel, auf dem "Sachsen" zur Hälfte in Runenschrift geschrieben war - es ging um Rechtsextremismus im Freistaat. "Dieses Cover ist zu plump und eindimensional. Ich glaube, dass es viele Menschen hier verärgert hat, und das kann ich nachvollziehen. Es gibt ein paar Titelbilder, die ich in der Rückschau nicht gelungen finde - und einige, auf die ich heute noch stolz bin."   

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