"Es ist die Hölle los": Wie Döpfners Facebook-Deal die Verleger entzweit

 

Nach dem Millionen-Deal von Axel Springer mit Facebook gibt es böses Blut im BDZV, dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger. Zwischen großen und kleineren Häusern tut sich ein tiefer Graben auf, sogar eine Spaltung erscheint möglich, schreibt kress pro. Und ist Mathias Döpfner als Präsident noch tragbar?

Aus dem Editorial des neuen "kress pro" 5/2021:

Normalerweise geht es bei den Recherchen für dieses Magazin ziemlich gesittet zu. Wirklich emotional werden Gesprächspartner nur selten. Das war in den vergangenen Wochen ganz anders. Nachdem die millionenschwere Vereinbarung von Axel Springer mit Facebook bekannt wurde, schlugen die Wogen ungewöhnlich hoch. "Es ist die Hölle los", sagte ein sonst eher besonnener Vertreter der Zunft während der "kress pro"-Recherche zur Titelgeschichte dieser Ausgabe. Wie die Kesselflicker schimpften führende Vertreter (in dieser Reihenfolge) über ihren Verbandschef und Springer-Verleger Mathias Döpfner, den BDZV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger) im Allgemeinen und Facebook und Google im Speziellen. Was heißt das Ganze jetzt für wen?

1. Mathias Döpfner

Das Ansehen Döpfners ist beschädigt, keine Frage. Das Vertrauen einiger in ihren Präsidenten ist arg angeknackst. Viele sind jetzt zwar sauer, aber dennoch möchte ihn an der Spitze des BDZV kaum einer verlieren. Vor allem die Kleinen hofften lange, dass der gewandte Döpfner auch ihre Interessen beim Leistungsschutzrecht und der Presseförderung mit durchdrücken würde, und möchten diese Hoffnung nicht aufgeben.

Eigentlich hat der Facebook-Deal einen Interessenkonflikt offengelegt, der schon länger unter der Oberfläche wabert. Döpfner präsidiert einen Verband, dessen Mitgliedsunternehmen völlig anders aufgestellt sind als sein eigenes. Springer ist: digital, international, reichweitenstark und hat sich den kurzfristigen Renditezielen des Finanzinvestors KKR als Anteilseigner unterworfen. Die BDZV-Mitglieder sind: noch nicht digital, national, vertriebsorientiert und haben oft den Stolz und den langen Atem von Familienunternehmen.

2. Der BDZV

Wie selten zuvor sind auch die Interessengegensätze im Verband aufgebrochen. Die großen nationalen Marken sind für die Plattformen attraktiv, die kleineren Häuser eher weniger. Es stellt sich die Frage, wie lange der Spagat noch gelingt. Einige führende Köpfe im Verband sehen inzwischen die Gefahr einer Spaltung.

Nach "kress pro"-Recherchen gibt es beispielsweise erste Gespräche von führenden Regionalmedienhäusern darüber, eine eigene Verwertungsgesellschaft zu gründen.

3. Facebook und Google

Das Geschäftsmodell der großen Plattformen ist nicht durch die Konkurrenz gefährdet, sondern durch staatliche Regulierung. Um ihren Sinn für das gesellschaftliche große Ganze unter Beweis zu stellen, verteilen Facebook und Google seit Jahren milde Gaben in der Branche und fördern Journalismus.

Mit der Einführung des Leistungsschutzrechts ist dennoch jetzt eine erste Regulierung gekommen, die unangenehm teuer werden kann. Auch wenn die Einzelvereinbarungen vieler Medienhäuser rechtlich nicht bindend sind, haben es die Plattformen bisher strategisch geschafft, eher niedrige Preispunkte zu setzen. Dabei hat ihnen geholfen, dass sich die Branche nicht abgestimmt hat.

Viele Führungskräfte kennen die Preise nicht, die die Tech-Firmen anbieten. Wenn Sie das ändern möchten, lesen Sie unsere Titelgeschichte in kress pro. Falls Sie Hinweise für den Umgang mit Facebook und Google haben, freue ich mich über einen Zuruf an: markus.wiegand(at)kresspro.de. (Es stört mich nicht, wenn Sie Ihren Emotionen freien Lauf lassen).

Weitere Top-Themen in kress pro 5/2021:

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