Wird die Sächsische Zeitung jetzt verkauft?

 

Seit Monaten schon sorgt für Aufregung, dass Bertelsmann seine Tochter Gruner + Jahr neu ausrichtet. Zuletzt wurde das Frankreich-Geschäft verkauft, in Deutschland prüft man eine enge Verzahnung mit RTL. Wenig beachtet wurde bisher, dass auch die DDV Mediengruppe (u.a. mit der "Sächsischen Zeitung") nicht in die Strategie von G+J-Eigner Bertelsmann passt. Zur kress pro-Kolumne.

Eigentlich hat die DDV Mediengruppe noch nie so richtig gepasst, denn G+J hat sich immer als Zeitschriften-Publisher verstanden, nicht als Anbieter von regionalen Inhalten. Lange freute man sich bei Gruner aber über die mehr als soliden Ergebnisse aus Dresden und hielt die Mehrheit von 60 Prozent im Stil einer Finanzbeteiligung. Jetzt allerdings stellt sich die Frage, wie man das Geschäft weiterentwickeln kann, und damit rückt ein möglicher Verkauf in den Fokus. Erste informelle Gespräche dazu sollen bereits stattgefunden haben, berichtet eine Quelle.

Theoretisch sind die Schwergewichte in der Branche an Dresden interessiert. Drei Knackpunkte hat ein möglicher Deal aber. Nummer eins: der Kaufpreis. Ähnlich wie beim Bauer-Deal mit DuMont wollen potenzielle Käufer heute den Preis in vier, fünf Jahren amortisieren. Vor Corona erzielte die DDV Mediengruppe nach eigenen Angaben einen Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gingen Umsatz und Ergebnis jedoch zurück. Unterstellt man eine zweistellige Gewinnmarge, errechnet sich daraus ein Unternehmenswert von 80 bis 100 Millionen Euro. Der 60-Prozent-Anteil von G+J wäre also rund 50 bis 60 Millionen Euro wert. Die restlichen 40 Prozent liegen bei der SPD-Medienholding ddvg. Und damit kommen wir zum zweiten Knackpunkt. Eigentlich ist die Konstellation für einen möglichen Käufer nicht schlecht, denn man würde auch das Risiko teilen. Allerdings ist das Ganze nur dann attraktiv, wenn der neue Mehrheitseigentümer durchregieren kann. Verschiedene Quellen mutmaßen aber, dass sich die ddvg weitgehende Mitbestimmungsrechte gesichert hat. Selbst wird sie aus politischen und finanziellen Gründen wohl nicht die Mehrheit übernehmen. 

Der dritte Knackpunkt: Das Zeitungsgeschäft steuert in Dresden noch rund ein Drittel der Erlöse bei. Der Rest waren Umsätze aus anderen Geschäftsbereichen wie Logistik. Geschäftsführer Carsten Dietmann hat das Haus in den vergangenen Jahren konsequent diversifiziert. Die Nebenaktivitäten sind für mögliche Käufer nur dann interessant, wenn sich Synergien heben lassen. Das Zeitungsgeschäft allein wäre für manchen Interessenten also womöglich deutlich attraktiver als das Gesamtpaket.

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