Wie Politiker und Journalistenkollegen auf den Tod von Reporter Peter R. de Vries reagieren

16.07.2021
 
 

Der prominente niederländische Kriminal-Reporter Peter R. de Vries ist knapp zehn Tage nach dem Mordanschlag auf ihn in Amsterdam seinen schweren Verletzungen erlegen. Das teilte die Familie des 64-Jährigen am Donnerstag in Amsterdam mit. Die Bestürzung in der Branche ist groß.

"Peter hat gekämpft bis zum Ende, aber er konnte den Kampf nicht gewinnen", heißt es in der Erklärung der Familie, die die "dpa" zitiert. Kollegen und Politiker reagierten bestürzt auf den Tod des bekannten Reporters.

Ein Mann hatte auf den Reporter auf offener Straße mehrere Schüsse abgegeben, als er ein TV-Studio verlassen hatte. Der Mordanschlag hat die Niederlande zutiefst geschockt und war auch international mit Entsetzen aufgenommen worden. Der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, schrieb auf Twitter: "Sein Mut, das organisierte Verbrechen zu entblößen und die dunkelsten Teile unserer Gesellschaften zu beleuchten, wird uns immer in Erinnerung bleiben."

Der Journalismus verliere "einen engagierten, mutigen Kollegen, der Licht ins Dunkel krimineller Machenschaften gebracht hat und dafür mit dem Leben bezahlen musste", schreibt der Deutsche Journalistenverband.

Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju/ver.di), Monique Hofmann, sagte: "Dieser Anschlag hat den unabhängigen Journalismus und die Pressefreiheit bis ins Mark getroffen."

Reporter ohne Grenzen forderte eine lückenlose Aufklärung. "Die Behörden müssen prüfen, ob de Vries wegen seiner kritischen und furchtlosen journalistischen Tätigkeit zum Opfer organisierter Kriminalität wurde", gab Geschäftsführer Christian Mihr zu Protokoll.

De Vries war aktuell Vertrauensperson des Kronzeugen eines großen Strafprozesses gegen eine Drogenbande. Der Bruder des Kronzeugen sowie auch sein Verteidiger waren bereits 2019 ermordet worden. Auch der Reporter war bedroht worden. Doch er hatte Personenschutz abgelehnt, wie die "dpa" schreibt.

Hintergrund: De Vries war fast 30 Jahre lang der führende Kriminalreporter der Niederlande und war oft auch als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen aufgetreten. Regelmäßig war er Gast bei TV-Talkshows. International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. 2008 gewann er einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf Aruba verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden.​

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