Herausgeber Carsten Knop über einen Fehler, den die FAZ bis heute bitter bereut

22.07.2021
 

kress.de feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. In unserem großen Jubiläums-Sonderheft haben wir den wichtigsten und spannendsten Digital-Köpfen unserer Branche eine Frage gestellt. Nicht nur Carsten Knop, Herausgeber der FAZ, hat überraschend ehrlich geantwortet.

Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass die digitale Transformation zu radikalen Veränderungen führt - auch bei der FAZ, Herr Knop?

Dafür nenne ich gerne ein konkretes Jahr: 1998 saßen ehemalige Volontäre, also die zu der Zeit jüngsten Redakteure der FAZ, mit dem aktuellen Jahrgang der Volontäre zusammen und trafen sich mit dem damaligen Geschäftsführer in der sogenannten Pagode in unserem Frankfurter Redaktionsgebäude. Das Gespräch kam auf das Internet, konkret auf die Frage, ob der Stellenmarkt, der für die Zeitung damals von überragender wirtschaftlicher Bedeutung war, nicht vor der Gefahr stehe, vom Internet kannibalisiert zu werden. Der Geschäftsführer verneinte dies. Nur 3 Prozent der Leser der FAZ seien im Internet unterwegs, sagte er. Zudem wende sich der FAZ-Stellenmarkt an Fach- und Führungskräfte. Im Internet hingegen würden Stellen für Reinigungskräfte angeboten. Man mache sich doch nur seine Marke und seine Margen kaputt, wenn man einen Schritt auf dieses Onlinegeschäft zugehe. Mithin werde man es lassen.

An jenem Abend verließ ich das Haus konsterniert. Der Geschäftsführer ist schon lange nicht mehr da. Die grundsätzliche Herausforderung bleibt. Denn diesen Fehler kann man in unterschiedlichen Konstellationen und bei anderen Fragen der Digitalisierung immer wieder machen. Das gilt es gemeinsam zu verhindern. Denn immer gibt es etwas, das in einem Moment noch ganz wunderbar dazustehen scheint. Aber wird das auch noch in fünf Jahren so sein? Damals nicht, man hätte es vorher wissen können - und sogar müssen.

Carsten Knop, FAZ-Herausgeber

25 Jahre kress.de!

Neben Carsten Knop haben wir in unserer 100 Seiten starken Jubiläumsausgabe (hier kostenlos als E-Paper) auch diesen klugen Köpfen eine Frage gestellt:

Tijen Onaran (Global Digital Women), Sebastian Turner (Trafo MediaTech), Jan-Eric Peters (NZZ), Christof Ehrhart (Robert Bosch), Julia Bönisch (Stiftung Warentest), Gabor Steingart (Media Pioneer), Marco Fenske (RND), Ingo Kästner (PMG), Meinolf Ellers (dpa), Jochen Wegner ("Zeit"), Stefan Ottlitz ("Spiegel"), Kai Gniffke (SWR), Daniel Steil (Burda Forward), Lorenz Maroldt ("Tagesspiegel"), Steffi Dobmeier ("Schwäbische Zeitung"), Andreas Arntzen (Wort & Bild Verlag), Carina Laudage (G+J), Jan Ippen (Ippen Digital), Andreas Lenz ("t3n Magazin"), Gerlinde Hinterleitner ("Standard"), Philipp Westermeyer (OMR), Dietmar Wolff (BDZV), Steffi Czerny (DLD Media), Johannes Hauner (SZ), Christoph Bauer (DuMont), Peter Hogenkamp (Scope Content), Monika Schaller (Deutsche Post DHL Group), Johannes Sommer (Retresco), Richard Gutjahr (Journalist), Mirijam Trunk (Mediengruppe RTL), Jule Lumma (VRM), Matthias Bauer (Vogel Communications Group), Philipp J. Jacke (Melo Group).

Ebenfalls im großen 25 Jahre kress.de-Geburtstagsheft:

Entertainer Klaas Heufer-Umlauf gibt im Interview einen nachdenklichen Blick auf die Medien und digitale Trends.

FR-Chef und Digitalvordenker Thomas Kaspar schreibt, wo wir heute stehen und wo jetzt die größten Chancen liegen.

"Ich war nie digitalgläubig, du?": Im Gespräch zwischen Herausgeber Johann Oberauer und kress.de-Gründer Peter Turi war mächtig Feuer drin.

"Keiner verlässt den Raum, bis der Newsletter verschickt ist": kress.de-Chefredakteur Marc Bartl lüftet exklusiv fünf Geheimnisse.

Waren 18 Monate Pandemie eine Chance? Haben die Medien etwas gelernt? Neun Erkenntnisse von n-tv.de-Chef Tilman Aretz.

Lieblingsanekdoten: Woran sich die ehemaligen kress.de-Chefredakteure (u.a. Thomas Kemmerer und Stefan Winterbauer) gerne erinnern.

Wie wir morgen arbeiten werden Sechs Job-Trends, mit denen Medienprofis rechnen müssen, beschreibt Karrierecoach und kress.de-Kolumnist Attila Albert.

"Das Internet ist nichts Greifbares": "Kress"-Gründer Günther Kress über das Digitale – und alles andere.

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