Warum der Kauf der Mittelbayerischen Zeitung durch die PNP ein Mega-Mediendeal ist

02.08.2021
 

Mit dem Kauf der Mittelbayerischen Zeitung weitet die Verlagsgruppe der Passauer Neuen Presse ihr Einflussgebiet erheblich aus. Michael Busch, Vorsitzender des Bayerischen Journalisten-Verbandes, sieht das mit Sorge.

Mit dem Erwerb der Mittelbayerischen Zeitung (MZ) habe man sich zu einem der "auflagenstärksten Regionalzeitungs-Verlage in Bayern" entwickelt, hieß es am vergangenen Freitag in der Mitteilung der Verlagsgruppe Passau. Für den Bayerischen Journalistenverband (BJV) ist diese Aussage noch untertrieben.

"Wir haben auch lange hin und her gerechnet", wird der BJV-Vorsitzende Michael Busch in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Nach dem Kauf der MZ wäre die PNP "vermutlich nicht nur in Bayern, sondern deutschlandweit in den Top drei", sagt Busch. Er spricht von einem "Mega-Mediendeal".

Zusammen erreichen die Tageszeitungs-Titel von Passauer Neuen Presse, Donaukurier und Mittelbayerischen Zeitung im Schnitt eine tägliche verkaufte Auflage von rund 348.000 Stück (IVW: Stand 2020). Zugleich gibt das Passauer Medienhaus zahlreiche Anzeigenblatt-Titel mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von 1,7 Millionen Exemplaren heraus, die in einem zusammenhängenden Gebiet von Eichstätt über Ingolstadt, Regensburg, Straubing, Landshut, Passau bis nach Reichenhall verteilt werden.

"Schon damals, nach der Übernahme des Donaukurier, hatte die Branche gerätselt, welchen Plan PNP-Verlegerin Simone Tucci-Diekmann mit ihrer Expansion verfolgt. Bei ihrem Amtsantritt nannte sie vor allem ein Ziel: Wachstum", schreibt Andreas Glas in der Süddeutschen Zeitung. So gesehen passe es ins Bild, dass Tucci-Diekmann ihre Einkaufstour fortsetze, diesmal also in Regensburg.

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"Die Landkarte von Passau nach Ingolstadt, jetzt über Regensburg, ist PNP-Gebiet. Das hat natürlich mit Medienvielfalt nicht mehr viel zu tun", kommentiert BJV-Chef Busch in der SZ den Deal, dem das Kartellamt erst noch zustimmen muss. "Wir beobachten mit einer Grundskepsis, was da gerade passiert." Über die Details des Deals haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Im Dezember 2020 hatte die PNP-Verlagsgruppe vermeldet, dass sie ihre Anteile am polnischen Medienunternehmen Polska Press verkauft habe. "Unserer Verlagsgruppe ist es damit möglich, die in den letzten Jahren begonnene Wachstumsstrategie, insbesondere in Bayern, noch konsequenter umzusetzen", teilte Geschäftsführer Alexander Diekmann damals mit.

BJV-Chef Busch appelliert via SZ an die PNP, "einen Abbau von Stellen sowie eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in den Redaktionen zu unterlassen". "Aus der Erfahrung", sagt Busch weiter, "zeigt sich, dass bei solchen Käufen vor allem die Mitarbeiter leiden."

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