Mögliche Zusammenführung von G+J und RTL: Was der ProSiebenSat.1-Chef dazu für eine Meinung hat

03.08.2021
 

Rainer Beaujean, Vorstandssprecher von ProSiebenSat.1, hat sich im Spiegel-Interview zum möglichen Zusammenschluss von G+J und RTL klar geäußert. Beaujean spricht auch über Linda Zervakis, die von der Tagesschau zu ProSieben gewechselt ist, und den Wettbewerb mit Netflix und Amazon Prime.

"Es ist nicht meine Aufgabe, die Strategie von RTL zu beurteilen. Aber das wird mit Sicherheit ein sehr schwieriges Unterfangen. Was man für eine Zeitung oder Zeitschrift aufbereitet, lässt sich nicht einfach so ins Fernsehen oder in die digitale Welt übertragen. Es ist nicht die Entscheidung, die wir treffen würden. Ich möchte keine Zeitungen kaufen, diese Strategie passt nicht zu uns", sagt ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean im Interview mit Alexander Kühn und Anton Rainer im aktuellen Spiegel.

Hintergrund ist der mögliche Zusammenschluss von G+J und RTL, der in der Medienbranche mit Spannung erwartet wird (kress.de berichtete).

Rainer Beujean spricht im Spiegel auch über eine Zusammenarbeit zwischen RTL und ProSiebenSat1. bei ihren Streamingplattformen Joyn und TV Now. ProSiebenSat.1 habe die Arme immer sehr weit aufgemacht und würde RTL gern mit auf der Joyn-Plattform aufnehmen. "So, wie wir heute mit mit Discovery 50:50 machen, könnten wir es auch dritteln", schlägt Beujean vor. Es sei immer sinnvoll, Technologie zu teilen. Bislang sei RTL aber nicht bereit gewesen, mit ProSiebenSat.1 an dem Thema zu arbeiten. 

Beaujean unterstreicht im Spiegel, dass für die klassischen ProSiebenSat.1-Sender amerikanische Serien nicht mehr so relevant seien. "Muss Fernsehen unbedingt aus US-Serien bestehen, wenn es dafür Netflix und Co. gibt?", fragt der Medienmanager. Man setze lieber auf lokale und Live-Inhalte. Man könne es sich nicht leisten, eine Serie zu produzieren, die pro Folge mehrere Millionen kostet. Beujean nennt als Beispiel "The Crown". Das lasse sich unmöglich refinanzieren.

Im Spiegel-Interview sagt Rainer Beujean, wofür ProSiebenSat.1 steht: "Wir wissen gut, wie man die junge Zielgruppe erreicht. Wir setzen auf Digitalisierung und ein Geschäftsmodell, das uns unabhängiger von TV-Werbung macht. Deshalb gehört zu ProSiebenSat.1 auch ein großes Dating-Segment, mit Parship und Elitepartner sowie Lovoo, das eher einen unterhaltenden Ansatz hat. Man kann sich dort beispielsweise virtuelle Einhörner schenken - gegen Geld. Wir haben diese Unternehmen durch Werbung groß gemacht und bekommen gleichzeitig neue Umsatzquellen. Im kommenden Jahr denken wir einen Teil-Börsengang an."

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