Ranking: Die Frauenmachtanteile bei deutschen Leitmedien 2021

04.08.2021
 

Wie hoch ist der weibliche Führungsanteil in den Redaktionen? Nach der neuen "Leitmedienzählung" von ProQuote Medien erreicht die taz einen "Frauenmachtanteil" von 56,3% und ist damit spitze. Wie es hinsichtlich der Beteiligung von Frauen an der redaktionellen Verantwortung bei stern, Zeit, SZ, Spiegel, Bild, Focus, Welt und FAZ aussieht. Wer sich verbessert, wer verliert.

Mit einer weiblichen Chefredaktion (Barbara Junge, Ulrike Winkelmann, Katrin Gottschalk) und vielen geschlechterparitätisch besetzten Ressortleitungen schafft die taz den Spitzenplatz im ProQuote-Medien-Ranking. Damit erfüllt die tageseitung derzeit als einziges von neun untersuchten Medien (siehe Tabelle) die ProQuote-Forderung nach der Hälfte der redaktionellen Macht für Frauen.

Erstmals nach zwei Jahren bleibt der Stern (mit Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier) wieder unterhalb der 50%-Marke, behauptet mit 47 Prozent aber den zweiten Platz im Ranking. Leichte Verluste der weiblichen Redaktionsmacht verzeichnet auch der Spiegel (minus 2,2 Prozentpunkte im Vergleich zu Januar 2021 auf jetzt 37,8 Prozent. Das Nachrichtenmagazin, bei dem Chefredakteurin Barbara Hans das Haus verließ, fällt von Platz 3 auf Platz 5.

Alle weiteren betrachteten Redaktionen haben ihre innerredaktionelle Gleichstellung verbessert, wenn auch zum Teil nur leicht. Den höchsten Zuwachs verzeichnet Focus: Aufgrund der Berufung einiger neuer Ressortleiterinnen steigt das Magazin um 5,5 Prozentpunkte auf und reicht die rote Laterne an die FAZ. Dort ist das Ungleichgewicht mit einem Frauenmachtanteil von nur 20,7 Prozent nach wie vor stark ausgeprägt. Im Durchschnitt erreichten die neun untersuchten Medien einen Wert von 34,1 Prozent.

Edith Heitkämper, Vorsitzende von ProQuote Medien, stellt klar: "Unsere Analysen zeigen zwar, dass der durchschnittliche weibliche Führungsanteil in den Redaktionen langsam ansteigt - doch immer noch sind Frauen in den Chefetagen der Medien klar unterrepräsentiert. Das kann und darf nicht so bleiben."

Ranking: Frauenmachteile in deutschen Leitmedien (Veränderung zu Januar 2021 in Prozentpunkten)

1. taz 56,3% (minus 0,1)

2. stern 47,0% (minus 4,1)

3. Zeit 38,3% (minus 0,3)

4. SZ 37,9% (plus 3,6)

5. Spiegel 37,8% (minus 2,2)

6. Bild 24,2% (plus 2,1)

7. Focus 22,9% (plus 5,5)

8. Welt 21,7% (plus 0,4)

9. FAZ 20,7% (plus 1,3)

Hintergrund: Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen "Bild", "Spiegel", "Focus", "Stern", "Zeit", "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Welt" - und seit Januar 2021 die "tageszeitung". Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Print- und Online-Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen.

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