Plakat-Kampagne gegen Grüne: Wie t-online-Chefredakteur Florian Harms jetzt Ströer verteidigt

13.08.2021
 

Die Plakat-Kampagne "Grüner Mist" sorgt weiter für Wirbel. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) setzt den Außerwerber Ströer unter Druck, über den die Aktion platziert wurde. Ströer selbst sagt, man habe einige Motive abgelehnt. Auch Florian Harms vom Ströer-Nachrichtenangebot t-online schaltet sich in die Debatte ein.

Florian Harms, Chefredakteur von t-Online, das zur Ströer Content Group gehört, hat sich in seinem Tagesanbruch-Newsletter vom Freitag meinungsstark in die Debatte um die Negativ-Kampagne gegen die Grünen eingebracht: 

"Besonders hohe Wellen schlägt in diesen Tagen eine gegen die Grünen gerichtete Plakatkampagne, die von einem dubiosen Verein initiiert worden ist. Auf den in zahlreichen Städten ausgehängten Plakaten wird den Grünen unter dem Motto "Grüner Mist" allerhand vorgeworfen: "Klimasozialismus", "Ökodiktatur", "Enteignungsterror" und andere Untaten. Manches Kompositum klingt so schräg, dass es fast schon wieder witzig wäre, aber dafür ist die Aktion dann doch zu schäbig. Man fühlt sich an Diffamierungskampagnen in amerikanischen Wahlkämpfen erinnert - entsprechend groß ist die Empörung bei den Grünen, aber auch bei vielen Anhängern anderer Parteien", schreibt Harms.

Die Generalsektretäre von CDU und SPD haben sich am Donnerstag mit den Grünen solidarisiert. Harms weist darauf hin, dass sich im Internet derweil die linksliberale Twitter-Schickeria echauffiere, und es würden allerhand Theorien gesponnen, wer da mit wem unter einer Decke stecken könnte. Der Brass richte sich jedoch nicht allein gegen die Kampagne oder deren Initiatoren, sondern auch gegen die Betreiber von Plakatwänden, auf denen die Motive ausgehängt sind.

Harms meint damit Deutschlands größte Außenwerbefirma, den Ströer-Konzern, zu dem neben anderen Medien auch t-online gehört. Dass Ströer als Vermarkter der Plakatflächen nicht für die Inhalte und die Gestaltung der Werbung verantwortlich sei, sondern sich politisch, weltanschaulich und religiös neutral verhalte, also alles aushänge, was nicht gegen Gesetze und Branchenregeln verstoße, werde in der aktuellen Debatte geflissentlich ignoriert, findet Harms.

"Viele der Empörten, die da gerade in der Netzwelt herumblubbern, haben offenbar Scheuklappen auf und wollen immer genau das verboten sehen, was ihnen persönlich missfällt. [...] Einige versteigen sich dabei selbst in Hetzreden: Es geht ums Draufhauen und Anschreien statt ums Argumentieren, so wird die gesellschaftliche Polarisierung immer weiter verschärft. Dabei ist die Lage nüchtern betrachtet klar: Werden keine Gesetze verletzt, kann es nicht die Aufgabe einer privatwirtschaftlichen Werbefirma sein, in einem Wahlkampf darüber zu entscheiden, welche politische Partei oder Organisation mit ihren Botschaften im öffentlichen Raum werben darf und welche nicht."

Anders sieht es bei journalistischen Medien aus, schreibt Harms in seinem Morgen-Newsletter. Medien könnten im Rahmen einer publizistischen Leitlinie festlegen, dass sie keinerlei politische Werbung und dementsprechend auch keine Schmähkampagnen als Anzeigen veröffentlichten. So halte es auch die Redaktion von t-online, weshalb man beispielsweise ein gegen Annalena Baerbock gerichtetes Anzeigenmotiv abgelehnt haben (kress.de berichtete). Auch jetzt bleibe es dabei: "Die redaktionelle Berichterstattung auf t-online wird nicht von Wahlkampfanzeigen umgeben. Und das ist gut so", betont Harms.

Hintergrund: Schleswig-Holsteins Umweltminister und Vizeministerpräsident Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat das Unternehmen Ströer aufgefordert, die Auftraggeber der Kampagne zu nennen, und droht andernfalls mit einem Entzug öffentlicher Werbeaufträge. "Wenn Ströer nicht offenlegt, wer die von ihnen veröffentlichte Hetzkampagne gegen Grüne finanziert hat, sollte dies in jeder Kommune und jedem kommunalen Unternehmen zum Anlass genommen werden, dieser Firma keine weiteren Aufträge mehr zu erteilen“, schrieb der Grünen-Politiker diese Woche auf Twitter.

Als Plakatflächenvermieter sei Ströer nicht für die Inhalte und Gestaltung der Werbung verantwortlich, so ein Sprecher des Unternehmens gegenüber tageschau.de. Zudem könne es "keine Werbung ablehnen, die nicht gegen Gesetze oder freiwillige Selbstbeschränkungen verstößt". Weiter erklärte der Sprecher aber, das Unternehmen habe mehrere Motive der Kampagne abgelehnt, da diese nicht rechtskonform gewesen seien.

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