Flurbereinigung in Mittelhessen: VRM verkauft Gießener Anzeiger und weitere Titel

 

Die Mediengruppe VRM verkauft den "Gießener Anzeiger" an die Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft und weitere Zeitungen sowie Anzeigenblätter an die Zeitungsholding Hessen, die mehrheitlich dem Verleger Dirk Ippen gehört. Im Gegenzug will die VRM von ihm die "Nassauische Neue Presse" erwerben.

Die Mediengruppe VRM, ehemals Verlagsgruppe Rhein-Main, aus Mainz, die  Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft und die Zeitungsholding Hessen (ZHH), Kassel, stecken ihre Reviere in Mittelhessen ab: Frühstens zum 1. Oktober verkauft die VRM ihre Tageszeitung "Gießener Anzeiger" an die Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft.

Die Mainzer trennen sich zudem von der im Raum Wetterau und Vogelsberg erscheinenden Tageszeitung "Kreis-Anzeiger" (9.798 verkaufte Exemplare), dem Anzeigenblatt "Sonntag-Anzeiger" sowie von der Tageszeitung "Usinger Anzeiger" (4.379) und dem "Usinger Anzeigenblatt am Wochenende". Diese Titel gehen an die ZHH. Der ebenfalls in dieser Region erscheinende "Camberger Anzeiger", ein Anzeigenblatt, bleibt hingegen bei der VRM.

Im Gegenzug will die VRM aber auch einen Titel von der ZHH kaufen: Sie strebt laut Mitteilung den Erwerb der "Nassauischen Neuen Presse" (14.103 verkaufte Exemplare) an, "um ihr Angebotsprofil und ihre Marktaktivität im Raum Limburg-Weilburg produktseitig abzurunden". Dieser Deal bedarf noch der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.

Die VRM gehört zu den größten deutschen Tageszeitungsgruppen, sie gibt unter anderem die "Allgemeine Zeitung" (Mainz), das "Darmstädter Echo" und den "Wiesbadener Kurier" heraus. Zur Zeitungsholding Hessen gehören bereits die "Frankfurter Rundschau", die "Frankfurter Neue Presse", die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" und die "Gießener Allgemeine". Eigentümer der ZHH sind die Ippen-Gruppe (80 Prozent) und die Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft (20 Prozent), die wiederum der Gießener Verlegerfamilie Rempel gehört. Sie hat in der Vergangenheit auch die "Gießener Allgemeine" verlegt, den Titel aber 2017 in die ZHH eingebracht.

In Mittelhessen will sich die VRM jetzt auf die das Print-Geschäft und die digitale Entwicklung der "Wetzlarer Neuen Zeitung" und ihrer Lokalausgaben konzentrieren. Den Verkauf der übrigen Titel aus der Region begründet sie damit, dass sie "unter Konzernbetrachtungen nicht mehr die erforderlichen Synergie- und Transformationspotenziale" böten, "um sie künftig - auch im Kontext des herausfordernden Strukturwandels in der Medienbranche - nachthaltig sichern zu können". Sie würden nun in Verlage integriert, deren Strategie und Portfolio dafür ein "besseres Umfeld" böten. Joachim Liebler, Sprecher der VRM-Geschäftsführung, beteuert, dass Verkäufer und Käufer in den jeweiligen Gebieten ein "weiterhin hochwertiges und unabhängiges Medienangebot für den Leser- und Werbemarkt" bereitstellen wollten. Die Transaktion habe für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen Nachteil, weil der Wechsel via Betriebsübergang erfolge.

Korrektur: In einer ursprünglichen Fassung dieser Meldung war fälschlicherweise vom Mittelhessischen Druck- und Verlagshaus, einer 100-prozentigen Tochter der Zeitungsholding Hessen, als Käuferin des "Gießener Anzeigers" die Rede. In diesem Unternehmen erscheint bereits die "Gießener Allgemeine", die größte Tageszeitung in Gießen. Diese Angabe basierte auf einer fehlerhaften Angabe in der Pressemitteilung der VRM. Richtig ist, dass die Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft die Zeitung erworben hat, die nicht zur ZHH gehört.

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