Die neuen Alleineigentümer von Funke über ihre Pläne: "Finalisierung einer Mission"

 

Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke, die neuen Alleineigentümer der Funke Mediengruppe, haben sich in einem "WamS"-Interview zu ihren Plänen geäußert. Sie bekräftigen das Ziel, die Zahl der Abos für die Regionalmedien auf eine Million aufzustocken, und wollen neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Data, Content Marketing und Event etablieren.

Nach vollzogener Komplettübernahme der Funke Mediengruppe habe er geweint und sei "vor Glück und Freude in den Pool gesprungen", verrät Niklas Wilcke, 53, in dem "WamS"-Interview, das er zusammen mit seinen Geschwistern Julia Becker, 48, und Nora Marx, 44, gegeben hat. Die drei Kinder von Petra Grotkamp und Enkel von Unternehmensmitgründer Jakob Funke haben im Juni für 280 Millionen Euro das fehlende Drittel an der Gruppe gekauft und sich ihre missliebigen Mitgesellschafter Renate Schubries und Stephan Holthoff-Pförtner vom Hals geschafft. Im Interview mit Klaus Boldt geben sie jetzt einen Einblick in ihr Gefühlsleben, deuten das ein oder andere Zukunftsvorhaben an und plaudern ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Zu den emotionalen Momenten der Übernahme: Die Übernahme des letzten Drittels an der Funke Mediengruppe sei die "Finalisierung eines klaren Plans, einer Mission, die in unserer Familie, seitdem wir denken können, vorgelebt wird", sagt Julia Becker. "Wir glauben zutiefst an die wirtschaftliche und publizistische Zukunft unseres Unternehmens und an die Zukunft von Zeitungen und Zeitschriften und an Qualitätsjournalismus als wichtige Säule unserer Demokratie". Der Kaufprozess habe sie und ihre beiden Geschwister "unendlich zusammengeschweißt".

Zu ihrer Rollenverteilung: Die drei Geschwister werden jeweils 33 Prozent am Unternehmen halten, ein Prozent bleibt bei ihrer Mutter Petra Grotkamp. Julia Becker hat aber wie bisher eine herausgehobene Position als Verlegerin und Aufsichtsratschefin, ihre beiden Geschwister beschränken sich auf die Rolle als Gesellschafter. "Ich habe wirklich andere Stärken und mich nicht um diese Aufgabe gerissen", bekennt Nora Marx. Und Niklas Wilcke sagt: "Ich bin zuerst Rechtsanwalt und in mein Leben hätte die Rolle des Verlegers im Moment nicht gepasst. Ob sich das in ein paar Jahren ändert - keine Ahnung."

Zu ihren Plänen für die Mediengruppe: Nora Marx kündigt an, dass Funke in den kommenden zwei Jahren "wirklich transformiert" werden solle. Das beziehe sich auf die Digitalisierung und das ganze Unternehmen: "Unser Ziel ist es, die vorhandenen Geschäftsfelder zu optimieren und neue Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen." Ihr Bruder wird ein bisschen konkreter: Wilcke bekräftigt das Ziel, die Zahl der Abos für die Regionalmedien von derzeit rund 850.000 auf eine Million aufzustocken, davon die Hälfte digital. Neue Geschäftsmodelle sehe man vor allem in den Bereichen Data, Content Marketing und Event. Und Becker deutet eine grundlegende Änderung der Strategie im Zeitungsgeschäft an: Anders als noch 2018 strebe das Haus bei den Regionalmedien nicht mehr die "Konsolidierungsführerschaft" und die "Kostenführerschaft" an. Qualitätsjournalismus sei mit dieser Strategie "nur schwer vereinbar" gewesen.

Zur neuen Führungsstruktur: In Zukunft sollten bei Funke alle wichtigen Entscheidungen in den Sparten und in einem neuen Center of Excellence getroffen werden, kündigt Wilcke. Eine Holding solle sich hingegen auf die "Steuerung des Portfolios" beschränken, aber "keine Lenkungsfunktion ausüben": "Die vergangenen Jahre und Strukturen haben uns gezeigt, wie viele Eitelkeiten, Machtansprüche und Begehrlichkeiten doch allein der Titel CEO weckt", sagt Julia Becker. "Ich glaube, man ist auch hier gut beraten, von diesem traditionellen Management-Modell der 80er-Jahre mit Berichtslinien, Vorzimmerdamen und Fensterachsen wegzugehen."

Zur Kritik an Julia Becker: Becker geht auch auf die Kritik an ihr selbst ein, die im "Manager Magazin" zu lesen war - und verrät en passant, dass vor einiger Zeit ein Zeitungstitel zur Disposition stand: "Ich glaube schon, dass sich der eine oder andere auch intern mit mir und meiner Rolle anfänglich schwergetan hat, zumal wir den Empfehlungen unserer früheren Geschäftsführung nicht immer gefolgt sind und zum Beispiel die Schließung der 'Berliner Morgenpost' verhindert haben", sagt sie. "Das in Kombination mit mir als einer Frau diesseits der 60 halte ich für einen Grund, warum ich teilweise sehr emotional und testosterongesteuert beurteilt werde."

Hintergrund: Im Jahr 2012 hat Petra Grotkamp, assistiert von ihrem Mann, dem langjährigen Geschäftsführer Günther Grotkamp, dem Brost-Stamm, der zweiten Eigentümerfamilie, die Hälfte an der Unternehmensgruppe für 500 Millionen Euro abgekauft. Ihre Schwester Renate Schubries und ihr Neffe Stephan Holthoff-Pförtner, heute Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten in Nordrhein-Westfalen, blieben aber Minderheitsgesellschafter. Im Unternehmen kam es weiterhin zu Konflikten, ein Durchregieren der Grotkamp-Seite war nicht möglich. Die drei Kinder von Petra Grotkamp haben nun den Konzern ganz in ihren Besitz gebracht. Der Deal sieht vor, dass sie sofort die unternehmerische Führung übernehmen, die Anteile aber erst zum 2. Januar 2024 auf sie übertragen werden. Das Trio hat bereits einen grundlegenden Umbau des Konzerns angekündigt.

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