Kann ein freiwilliges Bezahlmodell eine Paywall überflüssig machen, Frau Hinterleitner?

 

Im Sonderheft zum 25. Geburtstag von kress.de begründet Gerlinde Hinterleitner vom österreichischen "Standard", warum das Nachrichtenportal an Alternativen zur Paywall festhält.

Kann ein Bezahlmodell, das auf Freiwilligkeit beruht, wirklich auf Dauer eine Paywall überflüssig machen, Frau Hinterleitner?

Wir wissen es nicht. Aber wir haben uns auf die Reise gemacht, das herauszufinden.

Der österreichische Medienmarkt weist einige Besonderheiten aus. Da ist einerseits eine reichweitenstarke kostenfreie Nachrichtenwebsite des gebührenfinanzierten ORFs und andererseits sind da zwei Gratis-Boulevardmedien ("Oe24" und "Heute"), die von der öffentlichen Hand finanziell üppig ausgestattet werden. Trotzdem ist es dem "Standard" online gelungen, das führende Medium mit einer enormen Reichweite zu werden. Daher liegt unser – noch immer wachsender – Marktanteil am Werbeumsatz der Onlinemedien bei über 20 Prozent. Wir finanzieren digitalen Journalismus schon seit vielen Jahren über das Reichweitenmodell. Das bedeutet, wir würden mit der Einführung einer Paywall doch einiges an Umsatz gefährden und unsere journalistische Marktposition schwächen. Deswegen haben wir uns die Frage gestellt, ob wir auch ohne Paywall digitale Bezahlprodukte anbieten können.

Gestartet sind wir mit einem digitalen Aboprodukt "Pur" – derstandard.at ohne Werbung und Tracking –, das mittlerweile auch in Deutschland viele Nachahmer gefunden hat. Der nächste Schritt war die Einführung des freiwilligen Bezahlmodells "Supporter", da wir erkannt haben, dass sehr viele regelmäßige User:innen fair sein und einen Beitrag zur Finanzierung des "Standards" leisten wollen. Ein solches Modell passt auch wunderbar zu unserer Vision, dass in einer Gesellschaft Qualitätsjournalismus so weit wie möglich für alle offen und zugänglich sein sollte. Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung, da es uns gleichzeitig auch gelungen ist, den Verkauf des E-Papers enorm zu steigern. Wir kratzen bereits mit allen drei digitalen Produkten an den 25 Prozent des digitalen Gesamtumsatzes.

Derzeit denken wir über neue digitale Bezahlprodukte nach, nicht aber über die Einführung einer Paywall. In 25 Jahren werden wir wissen, ob und wann wir diese Entscheidung revidiert haben.

Gerlinde Hinterleitner, Verlagsleiterin Online beim "Standard" aus Österreich

25 Jahre kress.de! In unserer 100 Seiten starken Jubiläumsausgabe (hier kostenlos als E-Paper) haben wir diesen klugen Köpfen eine Frage gestellt:

Tijen Onaran (Global Digital Women), Carsten Knop (FAZ), Sebastian Turner (Trafo MediaTech), Jan-Eric Peters (NZZ), Christof Ehrhart (Robert Bosch), Julia Bönisch (Stiftung Warentest), Gabor Steingart (Media Pioneer), Marco Fenske (RND), Ingo Kästner (PMG), Meinolf Ellers (dpa), Jochen Wegner ("Zeit"), Stefan Ottlitz ("Spiegel"), Kai Gniffke (SWR), Daniel Steil (Burda Forward), Lorenz Maroldt ("Tagesspiegel"), Steffi Dobmeier ("Schwäbische Zeitung"), Andreas Arntzen (Wort & Bild Verlag), Carina Laudage (G+J), Jan Ippen (Ippen Digital), Andreas Lenz ("t3n Magazin"), Gerlinde Hinterleitner ("Standard"), Philipp Westermeyer (OMR), Dietmar Wolff (BDZV), Steffi Czerny (DLD Media), Johannes Hauner (SZ), Christoph Bauer (DuMont), Peter Hogenkamp (Scope Content), Monika Schaller (Deutsche Post DHL Group), Johannes Sommer (Retresco), Richard Gutjahr (Journalist), Mirijam Trunk (Mediengruppe RTL), Jule Lumma (VRM), Matthias Bauer (Vogel Communications Group), Philipp J. Jacke (Melo Group).

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