ProQuote kritisiert Bertelsmann: Frauen bleiben bei Fusion von RTL und G+J auf der Strecke

01.09.2021
 

"Es ist eines der ambitioniertesten Medienprojekte der vergangenen Jahre, doch darüber entscheiden sollen wohl nur die Herren: Bei der Fusion von RTL und Gruner + Jahr (u.a. Stern, Geo, Brigitte) dürfen offenbar keine Frauen mitreden", heißt es in einer Mitteilung von ProQuote Medien - auch anlässlich des Führungswechsels bei RTL Deutschland. ProQuote Medien liegt ein Brandbrief von Journalistinnen vor.

ProQuote Medien fragt: "Soll die Fusion von RTL und G+J  im Jahr 2021 wirklich so unmodern und ohne jegliche Diversität stattfinden?" Der Verein berichtet von einem "Kahlschlag beim Führungspersonal", den es schon im Vorfeld der Fusion gegeben haben soll. Dieser soll bei RTL vor allem Frauen betroffen haben. Deshalb mache sich nun ein Klima der Angst breit, will ProQuote Medien wissen. Als Belieg dient ein Brandbrief ("dramatischer Hilferuf") von Journalistinnen, die vor allem aus Hamburg und Köln stammten, dort wo Gruner + Jahr und RTL ihren Sitz haben. Der Brief thematisiere, dass sowohl die Mediengruppe RTL als auch Gruner +Jahr einen gewaltigen Rückschritt in puncto "Frauen in Führung" gemacht hätten. "Es ist absurd, dass alle von mehr Frauen in Führung reden, dass es nicht schnell genug geht, dass Medien diverser gemacht werden müssen und nun (...) passiert im wahrscheinlich bald größten journalistischen Unternehmen Deutschlands das Gegenteil", zititert ProQuote Medien aus dem Brandbrief. Die Journalistinnen zählten dort auf, wessen Köpfe gerollt seien. Mehr als eine Handvoll weibliche Führungspositionen seien es schon jetzt vor der Fusion. In den Betriebsversammlungen in Hamburg und Köln sind die Einsparungen laut den Autorinnen des Briefs demnach damit erklärt worden, dass sich die Medienunternehmen neu aufstellen, schlanker sein wollten, dass es weniger Führungskräfte geben soll.

"Es ist typisch, dass diese Umstrukturierungen vor allem Frauen betreffen, während männliche Mitarbeiter von diesen profitieren", sagt Edith Heitkämper, Vorsitzende von ProQuote Medien. "Dies ist umso weniger hinnehmbar, als dass die betroffenen Medienunternehmen klar auf Frauen ausgerichtet sind und einen deutlich höheren Frauenanteil bei Zuschauer:innen und User:innen haben. Diesen Rollback kann sich Bertelsmann nicht leisten." Die Einsparungen müssten gleichermaßen Männer und Frauen treffen", so Heitkämper: "Ebenso muss gelten: In der neuen Führungsebene kann es nur so sein, dass die Chefposten paritätisch verteilt sind. Wir appellieren an die Spitze der Medienhäuser, im Besonderen an Thomas Rabe, dass er mit der Zeit und nicht rückwärts geht."

Hintergrund: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe setzt bei RTL Deutschland auf ein neues Führungsduo: Stephan Schäfer und Matthias Dang. Sie lösen ab sofort Bernd Reichart ab (kress.de berichtete).

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