Jens Spahn rechnet im Spiegel mit der Twitterblase ab

03.09.2021
 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht im Spiegel-Interview über seine 18 Monate als Corona-Krisenmanager, in denen er viel Prügel bezogen hat. Wie er mit Kritik aus den Medien umgeht und warum er mit der Kommunikationsplattform Twitter hart ins Gericht geht.

"Es gab natürlich Momente, wo ich dachte, diese fundamentale Kritik sei nicht ganz fair. Aber es hilft ja nichts. Auch andere Menschen mussten in den vergangenen Monaten durch harte Zeiten, vor allem Familien, Selbstständige und das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Außerdem habe ich für mich in dieser Krise eine innere Ruhe gefunden, weil ich gemerkt habe, dass aufgeregte Nachrichten oder irgendwelche Spiegel-Kommentare nicht mein Tun bestimmen dürfen. Am Ende geht es um Verlässlichkeit. Und darum, dieses Land gut durch die Krise zu führen", sagt Jens Spahn im Gespräch mit Cornelia Schmergal und Melanie Amann vom Spiegel.

Spahn ist der Meinung, dass sich die meisten Bürgerinnen und Bürger nicht von Schlagzeilen treiben lassen. "Das merke ich". Und dann geht der Bundesgesundheitsminister mit einer Kommunikationsplattform hart ins Gericht, auf der sich auch viele Journalisten tummeln.

"Wer glaubt, dass Twitter etwas mit der realen Welt zu tun hat, der ist schief gewickelt. Ich kann allen Wahlkämpfern und Spitzenkandidaten nur empfehlen, auf die Menschen im Land und nicht die Twitterblase zu achten - oder Twitter einfach wegzulassen."

So wie Jens Spahn selbst, der die Twitter-App von seinem privaten Handy gelöscht hat. Seitdem sei er innerlich viel ruhiger und fokussierter, sagt er im Spiegel-Interview.

"Sobald ich ins Auto oder in den Fahrstuhl stieg, habe ich früher schnell nachgeschaut, was bei Twitter los ist. Da ist immer schlechte Laune, bei Instagram gibt es wenigstens ab und zu ein paar positive Rückmeldungen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Shitstorms, die mir auf Twitter begegneten, nichts mit der Stimmung zu tun hatten, die ich in echten Diskussionen erfahren habe. Da habe ich die App einfach runtergenommen", erklärt Jens Spahn.

Spahn selbst ist immer wieder Trendthema in Twitter. Zuletzt wurde dort zum Beispiel seine Aussage "Impfen ist ein patriotischer Akt" heiß diskutiert, auch unter Medienprofis.

Spahn spricht im Spiegel über einen weiteren Grund, warum er Twitter und Onlinekommentare meidet: Dort sei oft ein schwulenfeindlicher Ton dabei. "Es gibt nun einmal Leute, die Schwule wie mich nicht nur nicht leiden können, sondern das Anderssein geradezu hassen."

In Bezug auf den Bundestagswahlkampf gibt sich der CDU-Politiker kämpferisch: "Wir haben bis jetzt nicht genug erklärt, warum wir eigentlich die Richtigen für die kommenden Jahre sind. Wir brauchen mehr Attacke und inhaltliche Aufladung."

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