Debatte: Statt Baerbock-Interview veröffentlicht die Bild am Sonntag eine leere Seite

06.09.2021
 

"Das ist Ihre Seite, Frau Baerbock!" stand am Wochenende über einer weitgehend leeren Seiten in der Bild am Sonntag. Eigentlich hätte dort ein Interview mit Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock auftauchen sollen. Was passiert ist - und was Medienprofis zu dem ungewöhnlichen Vorfall sagen.

Die Bild am Sonntag schrieb auf der Seite weiter: "Die Kanzlerkandidatin der Grünen hätte hier erklären können, wie sie nach der Bundestagswahl regieren will, wie sie tickt, welche Werte sie prägen." Nach wochenlangem Zögern habe Baerbock ein Interview abgelehnt, weil sich kein Termin habe finden lassen.

Eine Grünen-Sprecherin teilte dazu der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mit: "Es gibt eine Vielzahl von Anfragen. Leider lassen sich aus Termingründen nicht alle bedienen."

Als Fußnote schrieb die Bild am Sonntag auf den unteren Rand der Seite, dass Baerbock die erste Grünen-Spitzenkandidatin sei, die vor einer Bundestagswahl keine Zeit für ein Interview mit der Zeitung habe.

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Digital-Berater Thomas Knüwer twitterte dazu: "Gegnern der Demokratie gibt man keine Interviews. Respekt und Danke, @ABaerboch." Im weiteren Verlauf erklärte er seine harten Worte.

Agentur-Manager Axel Wallrabenstein gab zu: "Ich wähle ⁦@ABaerbock⁩ nicht, aber das gefällt mir."

Für SZ-Kolumnistin Jagoda Marinic ist das "nach Jahrzehnten, in denen auch die solidesten Politiker ihre News über die BILD am Sonntag verbreiten ließen, ein interessantes Vorgehen von @ABaerbock. Nächste Woche kommt übrigens ein ausführliches Interview mit ihr an anderer Stelle, mehr Infos bald."

Zeit-Autorin Jana Hensel erinnerte: "Twitter kann ja mitunter sehr geschichtsvergessen sein: aber Annalena #Baerbock hat ihre Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur im vergangenen Jahr übrigens zuerst der BILD am Sonntag mitgeteilt. Ich fand das für eine Feministin ja schon damals, nun ja, komisch."

Bild-Vize Paul Ronzheimer twitterte: "Der erneute Beweis, dass es längst kein Triell mehr ist, sondern ein Duell zwischen Laschet und Scholz. Baerbock weiß, dass sie nicht mehr gewinnen kann, sondern irgendwie durchkommen muss - und will ihre Grünen-Basis nicht verärgern."

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