Leistungsschutzrecht: Warum Madsack jetzt die vorsorgliche Kündigung bei Corint Media zurückzieht

09.09.2021
 

Die Verwertungsgesellschaft Corint Media hat an diesem Donnerstag einen neuen Verteilungsplan für Presseverleger beschlossen. Die zentrale Neuerung stellt die Aufnahme von pressespezifischen Leistungskriterien in den Verteilungsschlüssel dar. Madsack-Chef Thomas Düffert begrüßt die neue Ausrichtung - und zieht die vorsorgliche Kündigung bei Corint Media zurück.

Thomas Düffert, CEO der Madsack Mediengruppe, sagte am Donnerstag gegenüber kress.de:

"Die Gesellschafter der Corint Media haben in den letzten Wochen intensiv um einen ausgewogenen und fairen Kompromiss in der Verteilung zukünftiger Verwertungserlöse gerungen. In der finalen Bewertung dieses Kompromisses begrüße ich insbesondere, dass auch diejenigen journalistischen Angebote vom gesetzlichen Leistungsschutz angemessen profitieren, die auf kostenintensive Recherche und Qualität setzen. Das ist nun zugunsten der vielen nationalen und regionalen Verlage, die sich gemeinsam intensiv für das Presseleistungsschutzrecht eingesetzt haben, sichergestellt worden. Madsack wird auf der Basis des nun getroffenen Kompromisses die vorsorglich ausgesprochene Kündigung zum 31. Dezember 2021 zurückziehen."

Anfang Juni berichtete kress.de von Madsacks vorsorglich ausgesprochener Kündigung bei Corint Media. Thomas Düffert betonte damals: "Unserer Auffassung nach sollten vor allem auch diejenigen journalistischen Angebote vom gesetzlichen Leistungsschutz profitieren, die auf kostenintensive Recherche und Qualität setzen und auf mitunter zweifelhafte Reichweitenmaximierung verzichten". Für Düffert ist das Leistungsschutzrecht ein Instrument, "das die gesellschaftlich wichtigen Aufgaben der Medien - und hier ganz besonders auch die der vielen lokalen und regionalen Publikationen - in unserer Demokratie stärkt". Düffert kündigte im Juni an, dass man "bis zum Jahresende unsere Rolle als Gesellschafter und Vertragspartner der Corint Media GmbH jedenfalls in diesem Sinne konstruktiv nutzen" wolle, um eine Neujustierung zu erreichen.

Dies ist nun gelungen: Die Gesellschafterversammlung von Corint Media beschloss an diesem Donnerstag einstimmig einen neuen Verteilungsplan der Erlöse aus dem Presseleistungsschutzrecht.

Die zentrale Neuerung stellt die Aufnahme von pressespezifischen Leistungskriterien in den Verteilungsschlüssel dar. Mit der stärkeren Berücksichtigung zertifizierter IVW-Kriterien werde der Bedeutung einer etablierten und schutzwürdigen pluralen Presselandschaft Rechnung getragen, heißt es bei Corint Media.

Der Verteilungsplan beinhaltet demnach künftig fünf Töpfe, von denen zwei nach der Online-Reichweite des jeweiligen Angebots ausgeschüttet werden und zwei nach einer Systematik aus verkaufter Auflage und dem Einzelverkaufspreis einer Ausgabe. Zusätzlich werden weiterhin 2 Prozent der erzielten Erlöse zu gleichen Teilen unter allen berechtigten Presseverlegern der Corint Media verteilt, die einen Wahrnehmungsvertrag abschließen.

Seit Inkrafttreten des neuen Presseleistungsschutzrechts hätten zudem zahlreiche Presseverleger ihr Interesse an der Wahrnehmung ihrer Rechte durch Corint Media bekundet, so die Verwertungsgesellschaft. Man sei zuversichtlich, künftig die Rechte von über 300 Angeboten und damit von einem überwiegenden Teil des Marktes wahrnehmen zu können.

Markus Runde und Christoph Schwennicke, Geschäftsführer von Corint Media, dazu: "Mit den neuen   Regelungen wurde nach intensiver Diskussion über die richtigen Parameter ein sehr guter Kompromiss gefunden, der dem Markt gerecht wird. Die Grundlage für eine faire Verteilung ist damit geschaffen. Neben dem Wahrnehmungsvertrag ist diese die Basis der Rechtewahrnehmung. Zusammen mit einem deutlich gestärkten Rechteportfolio werden wir nach dem Vertragsabschluss mit Europas größter News-App Upday auch die Verhandlungen mit den großen Plattformen Google, Facebook, Microsoft und den weiteren Verwertern über die Zahlung angemessener Vergütungen für die Nutzung der digitalen Verlagsinhalte fortsetzen."

Hintergrund: Corint Media Corint Media, mit Sitz in Berlin, ist ein europäisches Unternehmen der privaten Medienindustrie. Es vertritt die Urheber- und Leistungsschutzrechte nahezu aller deutschen und mehrerer internationaler privater Fernseh- und Radiosender sowie von zahlreichen Presseverlegern.

Zu den von Corint Media vertretenen Medienunternehmen zählen TV-Sender wie Sat.1, ProSieben, RTL, Welt, Sport1, CNBC, Eurosport, Vox, MTV und CNN, Radiosender wie Antenne Bayern, radio ffn, Klassik Radio, Radio Hamburg, Hit Radio-FFH, RPR1. und RTL Radio, sowie Presseverleger wie Axel Springer, die Verlagsgesellschaft Madsack, die DuMont Mediengruppe, die Augsburger Allgemeine, die Aschendorff Mediengruppe, die Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft und die Verlagsgruppe Ippen.

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