Überraschende Job-Offensive: Axel Springer will mehr als 600 Journalisten einstellen

22.09.2021
 

"Die Trendwende ist geschafft", frohlockt Vorstand Jan Bayer im SZ-Interview. Axel Springer will die Zahl seiner Journalistinnen und Journalisten um mehrere Hundert aufstocken. Der Kauf von Politico ist in dieser Zahl noch nicht eingerechnet.

Jan Bayer, 51, ist im Vorstand von Axel Springer für den Bereich News Media zuständig, also für alle journalistischen Geschäfte von Bild und Welt bis zu Business Insider und Politico. Ein heikler Job, wird doch seit dem Einstieg des amerikanischen Finanzinvestors KKR bei Springer über die Zukunft des Bereichs spekuliert.

Im aktuellen Interview mit der Süddeutschen Zeitung hebt Jan Bayer den Wert des Mediengeschäfts hervor: "Dass unsere Eigentümer diese Transaktion unterstützen, zeigt, wie attraktiv das Mediengeschäft auch wirtschaftlich wieder ist", sagt er in Bezug auf den Kauf des US-Medienunternehmens Politico - die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte von Springer (kress.de berichtete).

Für Bayer ist die Trendwende geschafft: Journalismus sei als wachsendes Geschäftsmodell zurück. Axel Springer sei im ersten Halbjahr im Medienbereich gewachsen, obwohl man in Print marktbedingt verloren habe. "Wir können mit journalistischen Geschäftsmodellen wieder wachsen, obwohl wir im analogen Bereich verlieren. Wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht."

Einen weiteren Zukauf in der Größenordnung von Politico werde es in absehbarer Zeit wohl eher nicht geben, sagt Bayer im SZ-Gespräch mit Caspar Busse - kündigt zugleich aber eine überraschende Job-Offensive an:

"Wir haben die Möglichkeit, mit KKR und CPPIB in unsere bestehenden Geschäfte massiv und nachhaltig zu investieren. Das klingt nicht so sexy wie große Übernahmen, aber es ist mindestens genauso wichtig. Wir stecken einen dreistelligen Millionenbetrag alleine in den Ausbau unserer Geschäfte. Von den 16 000 Mitarbeitern bei Axel Springer arbeiten 9000 im Medienbereich, davon sind 2400 Journalistinnen und Journalisten, und das sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als 3000 werden, ein Viertel mehr. Politico ist hier noch nicht eingerechnet."  

In Deutschland hat Axel Springer zuletzt in Bild-TV investiert und 70 neue Stellen geschaffen. Für News Media-Vorstand Jan Bayer ist Bild Live, also das Bewegtbild-Angebot von Bild, ein Teil der Axel-Springer Digitalstrategie. Er kündigt im SZ-Interview an: "Mittelfristig wird Bild-Live ein wichtiger Teil unseres Bezahlangebots, also von Bild-plus. Denn wir sind überzeugt davon, dass herausragender Journalismus nicht kostenlos sein kann."

Daneben habe man Bild auch ins Fernsehen gebracht, weil dort die Monetarisierung derzeit noch attraktiver sei. Der Vorstand lobt: "Was Bild gerade in außergewöhnlichen Breaking-News-Situationen leisten kann, hat etwa die Berichterstattung zum Hochwasser oder aus Kabul gezeigt." Dass Bild-Chefredakteur Julian Reichelt die öffentlich-rechtlichen Sender hart angeht, stört Jan Bayer nicht: "Ich teile viel von der Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wir wollen Fernsehen anders machen. Ich glaube, es ist gut, wenn wir mehr Farbe bekommen, eingefahrene Muster verlassen. Bild ist anders, auch im Fernsehen."

Laut Jan Bayer hat Bild 560.000 Digitalabonnenten. Bei der gedruckten Bild sei die verkaufte Auflage im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gestiegen und liege bei rund 1,2 Millionen Expemplaren. 

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