FAZ-Medienkritik zur Bundestagswahl: Jetzt wieder Journalismus statt Aktivismus

27.09.2021
 

Viele klassische Medien sind mit ihrem Grünen-"Aktivismus" gescheitert, meint Frank Lübberding in seiner Kritik in der FAZ zur Bundestagswahl.

Frank Lübberding schreibt in seiner Kritik in der FAZ zur Bundestagswahl von einem "desillusionierenden Fernsehabend". Der gut gestartet war:

"Dieser Wahltag begann für die Fernsehsender vielversprechend. Schließlich war es Armin Laschet (CDU) in Aachen gelungen, einen korrekt gefalteten Stimmzettel gewissermaßen auf links gedreht in die Wahlurne zu werfen. Das ermöglichte die Verifizierung seiner Stimmabgabe durch anwesende Medienvertreter. Dass es seine Ehefrau Susanne genauso praktizierte, war leider keine Entschuldigung, sondern warf nur weitere Fragen hinsichtlich des Motivs auf. Auf jeden Fall entdeckten die Kollegen der Bild-Zeitung die Aufhebung des Wahlgeheimnisses zuerst, womit deren Nachmittag in der Wahlberichterstattung gerettet war: Mussten sie doch wie alle anderen Kollegen die vielen Sendestunden bis zur Schließung der Wahllokale überbrücken."

Für Lübberding waren die Demoskopen zunächst die einzigen Wahlsieger. Die Forschungsgruppe Wahlen (im Auftrag des ZDF) hatte die genaueste Prognose. Infratest Dimap (ARD) sagte ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Kanzelerkandidaten Laschet und Scholz voraus, was schließlich nicht so eintrat.   

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bescheinigt Lübberding in der FAZ "in Verbindung mit einer grotesken Zuspitzung des Klimathemas eine historisch einzigartig gute Ausgangslage in ein Desaster verwandelt" zu haben. Anders könne man das nicht nennen, wenn die Grünen mit einer Kanzlerkandidatur Führungsansprüche anmelden, um am Ende zehn Punkte hinter der Konkurrenz zu landen.

An der fehlenden Unterstützung in vielen klassischen Medien für Baerbock sei es nicht gelegen, findet Lübberding. "Deren Einfluss auf die Meinungsbildung der Wähler ist ab heute als zu vernachlässigende Größe zu betrachten. Insofern könnten sie es jetzt wieder mit Journalismus statt mit Aktivismus versuchen."

Die stärkste Partei bei den Erstwählern sei die FDP geworden, noch vor den Grünen, merkt Lüberding an: "Es handelte sich in Wirklichkeit um eine Medienkampagne alter Männer und Frauen aus den Netzwerken der Grünen, die ein Zukunftsthema bedenkenlos instrumentalisiert hatten. Den enttäuschten Aktivisten aus dieser Generation müssen die Grünen ab heute die Wirklichkeit erklären, statt von der Ankündigung des Weltuntergangs profitieren zu wollen."

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