Funke-Verlegerin Julia Becker fordert Verlage zur Kooperation auf

 

Julia Becker, Verlegerin der Funke Mediengruppe, hat die Verlage in einem Interview mit der "Zeit" zu einer stärkeren Kooperation aufgefordert, insbesondere bei Druck und IT. Und sie verrät, wo sie Potenzial für neue digitale Zeitungs-Abos sieht.

"Wir müs­sen uns ge­gen­sei­tig wirt­schaft­li­che Er­leich­te­rung schaf­fen, na­tür­lich im Rah­men der da­für ge­setz­lich ge­schaf­fe­nen Mög­lich­kei­ten", sagt Becker im Gespräch mit der "Zeit" an die Adresse anderer Medienhäuser. Die familiengeführten Verlage in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel könnten bei Druck oder IT eng zu­sam­men­ar­bei­ten, um im Re­dak­tio­nel­len un­ab­hän­gig zu blei­ben. Becker verweist in diesem Zusammenhang auf ein fürs eigene Haus geplante "Cen­ter of Ex­cel­lence": "In be­stimm­ten Be­rei­chen wol­len wir so gut wer­den, dass es sich für an­de­re Ver­la­ge lohnt, die Leis­tun­gen bei uns ein­zu­kau­fen." Umgekehrt könne man sich bei Funke aber auch vorstellen, die Dienstleistungen anderer Verlage in Anspruch zu nehmen.

Der von Julia Becker angeführte Familienstamm hat die Mediengruppe im Juni zu 100 Prozent übernommen, einen Umbau, insbesondere der Führungsspitze, angekündigt und ehrgeizige Ziele proklamiert. Im Interview mit der "Zeit" bekräftigt Becker das Vorhaben, die Zahl der Tageszeitungs-Abos binnen zwei Jahren von 850.000 auf eine Million zu erhöhen, davon die Hälfte Digital-Abos. Auf die Frage, wie sie das schaffen wolle, sagt sie: "Wir müs­sen noch viel stär­ker die heu­ti­ge Ge­sell­schaft ab­bil­den, al­so di­ver­ser wer­den, weib­li­cher, jün­ger – in un­se­ren Re­dak­tio­nen und In­hal­ten. Und wir be­nö­ti­gen ge­ra­de in ei­ner Re­gi­on wie dem Ruhr­ge­biet mehr Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Au­ßer­dem soll­te je­des Re­gio­nal­me­di­um den An­spruch ha­ben, sei­nen Le­se­rin­nen und Le­sern noch viel stär­ker Ser­vice­the­men aus ih­rer Le­bens­welt an­zu­bie­ten."

In dem Gespräch mit der "Zeit" verrät Becker auch, dass die Satzung des Unternehmens früher eine Ausschüttung von 80 Prozent der Gewinne an die Gesellschafter vorgesehen habe. Das habe man nun geändert. In der Vergangenheit sei bei Treffen der Gesellschafter "manch­mal sehr viel Tes­to­ste­ron" spürbar gewesen, klagt sie: "Es ging oft­mals dar­um, Füh­rungs­an­sprü­che durch­zu­set­zen." Es seien "vie­le Din­ge er­schwert wor­den, weil Egos im Weg stan­den": "Ich ha­be ge­lernt, dass ein ver­trau­ens­vol­les Mit­ein­an­der auch viel mit dem Los­las­sen von Macht zu tun hat."

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