Das sind die Top-Talente im deutschen Journalismus

 

Zum 16. Mal hat sich das medium magazin auf die Suche nach den spannendsten jungen Medienprofis gemacht. Das Ergebnis: Die "Top 30 bis 30" des Jahres 2021 – vollgepackt mit journalistischer Expertise, Kreativität, Innovationsfreude und Mut.

Auszug aus der Talente-Titelgeschichte des aktuellen medium magazins:

Man kann bekanntlich über wenig so gut streiten wie über Rankings oder Bestenlisten. Der größte Popsong aller Zeiten, Europas Fußballer des Jahres - für jeden und jede gäbe es eigentlich immer bessere, größere Alternativen, die eine Erwähnung oder Auszeichnung verdient hätten. Das liegt schlicht in der Natur der Sache, letztlich sind das nun mal subjektive Bewertungen. Objektive und zugleich allgemeingültige Kriterien für all diese Kategorien gibt es kaum.

Unsere "Top 30 bis 30" ist deshalb bewusst keine klassische Bestenliste im Sinne einer qualitativen Abfolge. Es ist vielmehr ein Schaufenster, in dem die unterschiedlichsten Facetten exzellenter junger Arbeit im Journalismus ausgestellt werden. Annette Milz, Herausgeberin des "medium magazins" und Erfinderin dieses Formats, hat das perfekt auf den Punkt gebracht: "Wir verstehen unsere Auszeichnung nicht als Ranking, sondern als Kaleidoskop der nächsten Generation. Die Auswahl soll die Vielfalt unseres Berufs und unserer Branche widerspiegeln."

Wir glauben, das ist uns wieder einmal gelungen. Fast 500 Nominierungen haben uns erreicht, dazu kamen noch Vorschläge aus der Redaktion. Wir recherchieren und diskutieren dann lange und intensiv, bevor wir uns für eine oder einen der Nominierten entscheiden. Manchmal streiten wir auch. Und oft entscheiden nur Kleinigkeiten, wer es in die Auswahl schafft und wer nicht. Das tut angesichts der Fülle herausragender junger Journalistinnen und Journalisten oft weh. Gleichzeitig heißt es aber auch, dass sich eine wiederholte Nominierung definitiv lohnt. Sollte es Ihr Lieblingskandidat diesmal nicht gepackt haben, schlagen Sie ihn oder sie doch einfach 2022 noch einmal vor. Auch in diesem Top-30-Jahrgang sind wieder Talente, die in den vorhergehenden Jahren schon einmal sehr nahe dran waren.

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Die 30 jungen Journalistinnen und Journalisten, die wir Ihnen auf den folgenden Seiten vorstellen möchten, stehen für einen Teil der Branche, der sich nicht in Pessimismus und Zukunftsangst suhlt. Sie stehen für einen Journalismus der Zukunft - mutig, kreativ, innovativ und handwerklich exzellent. Und sie stehen zunehmend auch für eine Vielfalt in unserem Beruf, deren dringende Notwendigkeit mittlerweile nicht mehr zur Diskussion stehen dürfte.

Hinter diesen Talenten stehen aber auch Menschen, die diese Potenziale erkannt und gefördert haben. Ihnen möchte ich ganz besonders danken - und andere ermutigen, es ihnen gleichzutun. Mentorinnen und Mentoren können ganze Biografien prägen. Immer wieder höre ich in Gesprächen, wie wichtig diese Redakteurin oder jener Volo-Ausbilder für das eigene Selbstbewusstsein und die Überzeugung für diesen Beruf gewesen ist.

Allen Top30ern dieses Jahrgangs 2021 gratuliere ich ganz herzlich. Dank der freundlichen Unterstützung der Commerzbank dürfen sie sich am 29. Oktober bei der Top30-Konferenz in Frankfurt feiern. Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich viel Spaß beim Entdecken des Journalismus von morgen.

Alexander Graf, Chefredakteur medium magazin

Top 30 bis 30. Jahrgang 2021 (alphabetische Reihenfolge, Auszug)

Annika Brockschmidt, 29, Freie Journalistin @ardenthistorian

Sie sei ein "Nachrichten-Junkie", sagt Brockschmidt über sich. Ein Glück für uns - denn so tiefe politische Analysen wie ihre findet man auf Twitter nur selten. Nach Germanistik, Geschichte und "War and Conflict Studies", Praktika, ZDFHauptstadtstudio-Job baute sie sich ihr eigenes Geschäftsmodell auf: mit Exklusivinhalten im Netz. Im Herbst erscheint ihr Buch "Amerikas Gotteskrieger". Sie zeigt, wie Fachkompetenz sich durchsetzt. Stolz auf: "Die Geschichte über Donald Trumps ,Hofmaler' für Zeit Online: Ich wollte zeigen, dass wir es mit einer neuen, extremen Form politischer Ikonographie zu tun haben." Ein guter Rat war: "Maja Weber (ZDF) hat mir nach Ende meines ZDF-Vertrags, als ich nicht wirklich weiter wusste, Mut gemacht, nicht aufzugeben." Gefördert von: Johannes Schneider (Zeit Online), Winnie Heescher, Andreas Huppert (ZDF). Ihr Antrieb? "Neugier, Wissensdurst und Leidenschaft für Themen, die es nicht oft in deutsche Berichterstattung schaffen."

David Gutensohn, 27, Redakteur, Zeit Online @DavidGutensohn

In der "Top 30 bis 30"- Geschichte ist das selten: 15 Nominierungen aus zig Redaktionen - da wird einer gesehen. Sein Handwerk ist die Recherche, sein Thema Gesundheit, Pflege, und zwar international gedacht. Er hat Sozialwissenschaften studiert, war auf der DJS, ist jetzt Redakteur für Arbeit und Soziales bei Zeit Online und geht dank Recherchestipendien weiter in die Tiefe. "Pflege in der Krise" heißt sein neues Buch, in dem er Missstände weithin sichtbar macht. Stolz auf: "Das Projekt 'Hört uns zu', das ich konzipierte und verantwortete: auf Basis von 50 Sprachnachrichten von Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten von Intensivstationen." Ein guter Rat war: "'Nichtstun heißt, es tut sich nichts' - ein Satz eines Protagonisten. In unsicheren Momenten denke ich daran." Gefördert von: Leonie Seifert (Zeit Online), Felix Zimmermann (taz). Ihr Antrieb? "Ich lerne täglich etwas Neues hinzu und kann Teile davon weitergeben - nichts könnte mich mehr begeistern."

Salwa Houmsi, 25, Freie Journalistin @salwahoumsi

Bei WDR-Cosmo ist sie Co-Host des Macchiavelli-Podcasts, macht mit Jo Schück das ZDFDebattenformat "13 Fragen", arbeitete für Radio Fritz, war das Gesicht von "Jäger und Sammler" bei Funk, legt als DJ "Salwa Benz" auf: Houmsi ist überall. Ihre musikalische Expertise und ihr Talent, Gespräche zu führen, sind bemerkenswert. Eine Nominierung erklärt sie zur "neuen Geheimwaffe im Öffentlich-Rechtlichen". Stolz auf: "Die Podcastfolge zu 'Ein Jahr Hanau' (mit Jan Kawelke): ein Gespräch mit Abdullah Unvar, Cousin des am 19. Februar 2020 ermordeten Ferhat Unvar." Ein guter Rat war: "Mein Vater sagt immer zu mir: 'Salwa, manchmal kommt der Wind nicht so, wie die Schiffe es wollen.' Das hilft eigentlich immer." Ihr Antrieb? "Soziale Ungerechtigkeiten aufdecken, Stimmen in unserer Gesellschaft Gehör verschaffen, die zu oft vergessen werden, junge Menschen zur politischen Meinungsbildung anzuregen."

Felix Huesmann, 29, Redakteur, RND @felixhuesmann

Er sei unerschrocken, ein "selten guter Teamplayer", denke schnell, lobt eine Nominierung. Huesmann startete 2014 als Freier für Vice, Bento, Correctiv u. a., war Redakteur bei Watson: dank seiner Recherchequalitäten, seinem branchenweit geschätzten Wissen über rechtsextreme Netzwerke. Seit März ist er Reporter im RND-Hauptstadtbüro. Sein Wunsch: die Faktenskeptischen erreichen, noch mehr investigativ arbeiten, in einer Branche, die sich das leisten will. Er ist es wert. Stolz auf: ",Das rechte Geschäft mit der Angst': über rechte 'Alternativmedien', die Ängste von Verschwörungsgläubigen auf dreiste Art und Weise zu Geld machen." Ein guter Rat war: ",Die anderen kochen auch nur mit Wasser!', von guten Freundinnen und Freunden in Phasen des Selbstzweifels." Gefördert von: Matern Boeselager (Vice), Marco Fenske, Eva Quadbeck (beide RND). Ihr Antrieb? "Themen zu beleuchten, die sonst zu wenig - oder zu sorglos - beachtet werden."

Merve Kayikci, 27, Moderatorin, Innovationsmanagerin, SWR @primamuslima

Viele kennen sie auch unter ihrem Alias "Primamuslima". Das Studium in Dänemark hat sie stark geprägt, eröffnete ihr neue Perspektiven, auch auf Deutschland. Seit einigen Monaten mischt sie als Innovationsmanagerin und Host verschiedener neuer (Podcast-)Formate den ÖR auf. Ihre Zukunftsvisionen für die Medien bringt sie mit Nachdruck und Sachverstand ein. Wir sind sicher: Man wird noch viel von ihr hören. Stolz auf: "Alle meine Podcasts und auf ein Meinungsstück im 'Spiegel' zum Kopftuchverbot an Schulen - für mich der wichtigste Artikel, den ich bisher geschrieben habe." Ein guter Rat war: "Der Rat meiner Mutter: 'Du musst lernen, richtig gut zuzuhören.'" Gefördert von: Vanessa Wormer (SWR), Torsten Beeck (Facebook), Thilo Kasper (Zeit Online). Ihr Antrieb? "Ich setze mich dafür ein, dass sich in der Medienlandschaft etwas verändert. Ich möchte Haltung aussenden, ohne Meinung zu machen, und informieren, ohne langweilig zu sein."

Texte und Mitarbeit: Anne Haeming, Inge Seibel, Annette Milz, Alexander Graf

Die große Talente-Ausgabe des medium magazin mit den kompletten Top 30 bis 30 können Sie in unserem Shop bestellen. Das medium magazin erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer.

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