Wie Medien-Manager ihren Führungsstil neu austarieren müssen - und warum Vortänzer nicht gefragt sind

 

Gestärkt aus der Krise: Elton Schwerzel, Managing Director DACH von Talentsoft, eines europäischen Anbieters von SaaS-Anwendungen im Bereich HR- und Talentmanagement, erläutert im kressköpfe-Interview, was bei Mitarbeiterführung in der digitale Transformation zu beachten ist - gerade in Redaktionen und Agenturen.

kress.de: Herr Schwerzel, die Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate dürften die Arbeits- und Bürowelten so dramatisch verändert haben, wie das schon lange nicht mehr zu erleben war. Wie sehr herrscht Ihrer Ansicht nach aktuell Verunsicherung gerade in Branchen wie den Medien vor, die üblicherweise von engen Kontakten und viel Austausch geprägt sind?

Elton Schwerzel: Es war in der Tat ein bisschen wie Achterbahn fahren. Nach dem ersten Lockdown war die Erwartungshaltung im Sommer 2020 sehr groß, im Frühjahr 2021 wieder zur Normalität zurückzukehren. Im Englischen sagt man "Little did we know". Heute, nach zwei Jahren mit Corona, wissen wir, dass es ein Leben ohne Corona nicht mehr geben wird. Mit dieser neuen Normalität bewegen wir uns jetzt in das Jahr 2022. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass es keine Verunsicherung mehr gibt. Die Menschen haben sich mit diesen neuen Rahmenbedingungen arrangiert.

"Man muss wirklich eine Lanze für deutsche Unternehmen und Führungskräfte brechen, die Mitarbeiter zum Teil weit über den professionellen Bereich hinaus auch im privaten Umfeld unterstützt haben."

kress.de: Ihr Unternehmen engagiert sich in Führungsfragen und in der Entwicklung von Talenten: In wie weit herrscht für Sie aktuell eine Art Sonderkonjunktur?

Elton Schwerzel: Ich würde die aktuelle Situation nicht in dieser Form beschreiben. Aber was wir gesehen haben ist, dass Führungskräfte in unserer Region einen guten Job gemacht haben. In der breiten Fläche wurden Mitarbeiter in diesen schwierigen Zeiten unterstützt. Dabei sind die Werkzeuge und Ideen, die wir bei Talentsoft unseren Kunden liefern, sicher eine große Stütze gewesen. Hier muss man wirklich eine Lanze für deutsche Unternehmen und Führungskräfte brechen, die Mitarbeiter zum Teil weit über den professionellen Bereich hinaus auch im privaten Umfeld unterstützt haben.

kress.de: Wie lässt sich knapp beschreiben, was Ihr Haus auszeichnet?

Elton Schwerzel: Wir sind Technologie-Anbieter und liefern Cloud-Software, die alle Personal- und Recruiting-Prozesse abbildet. Das heißt, wir digitalisieren den Einstellungsprozess, das klassische Recruiting, genauso wie die Personalplanung, die Stammdatenverwaltung oder die Jahres- und Entwicklungsgespräche. Ein zusätzlicher Fokus liegt auf digitalem Lernen über unsere Trainings- und Lernplattform. Dies treiben wir sehr erfolgreich seit sechs Jahren voran - in der DACH-Region von Köln aus und seit 15 Jahren international aus unserem Headquarter in Paris. Wir sind damit Marktführer in Europa.

kress.de: In wie weit können Methoden und Anwendungen, die Sie vorhalten, in Redaktionen oder Agenturen zum Einsatz kommen?

Elton Schwerzel: Wir unterstützen alle relevanten HR-Prozesse, selbstverständlich auch in Redaktionen oder Agenturen. Wir fokussieren uns also ausdrücklich nicht auf einzelne Branchen.

"Die Zeiten des durchsetzungsstarken Vortänzers sind vorbei. Jeder im Team sollte die Chance zu einem Solo haben."

kress.de: Versetzen Sie sich doch einmal kurz in Chefredakteure oder Verlagsleiter: Was zeichnet aktuell für Sie gute Führung aus und wo liegen die Herausforderung, Teams an neue Kooperationsformen zu gewöhnen?

Elton Schwerzel: Entscheidend sind hier Vertrauen, eine offene Kultur und der angstfreie Dialog. Das sind gemeinhin die Zutaten für gutes Teamwork. In der Umsetzung gibt es allerdings zahlreiche Strategien. Ich glaube, dass gutes Team-Work sich vor allem durch gute Führung und durch sehr gute Kommunikation auszeichnet. Dazu braucht es vor allem den Mut der Führungskraft, sich in ihrer Rolle zurückzunehmen. Die Zeiten des durchsetzungsstarken Vortänzers sind vorbei. Jeder im Team sollte die Chance zu einem Solo haben – natürlich in Abhängigkeit von Aufgabe und Kompetenz.

kress.de: In wie weit lassen sich anspruchsvolle Coaching-Themen eigentlich digital abbilden, wie wichtig ist trotz allem das Element persönlicher Anleitung?

Elton Schwerzel: Das ist ein sehr komplexes Thema. Wie wir alle wissen, sind Präsenzschulungen oder Coachings immer sehr abhängig von der Qualität des Trainers oder der Energie des Coaches. Emotionale Intelligenz lässt digital nun mal nicht transportieren. Dadurch gehen viele Impulse verloren. Trotzdem ist die größte Lernplattform der Welt YouTube. Sobald eine Waschmaschine kaputt geht, wartet Google – zum Beispiel in Form des Videos "Waschmaschine leuchtet rot, wie reparieren?" – mit der Problemlösung. Um es kurz zu machen: Im beruflichen Umfeld gibt sehr gute Lernangebote. Dabei kommt es zwingend auf den "digitalen Content" an. Das ist auch bei YouTube so. Weil nun viele User erfolgreich bei ihrer Suche waren und die Waschmaschine reparieren konnten, verwandelt sich das ursprüngliche Problem in eine grandiose Erfolgsstory. Und genauso muss digitales Coaching sein. Es braucht ein Erfolgserlebnis.

kress.de: Viele Medienhäuser stellen ihren Mitarbeitenden Weiterbildungs- und Coaching-Angebote zur Verfügung. Was muss geschehen, dass diese auch mehr als nur halbherzig wahrgenommen werden und tatsächlich zu Veränderungen führen?

Elton Schwerzel: Ich sagte es bereits: Entscheidend ist die Erfolgstory und eine Anpassung des Angebots, des Contents an konkrete Anforderungen. Dabei muss immer die User Experience im Fokus stehen.

kress.de: Wie tanken Sie denn Ihre Batterien wieder auf?

Elton Schwerzel: Mit meiner Familie, mit Freunden und viel Sport.

"Vom Sport kann man sich tatsächlich viel für die Arbeitswelt abschauen. Arbeiten ist gewissermaßen ein fortwährendes Training, gepaart mit Schweiß, Erfolgen, aber auch Niederlagen bzw. Rückschlägen."

kress.de: Wenn man stark vom Sport geprägt ist: Was sind für Sie die zentralen "Tugenden", die sich auch gut auf die Arbeitswelt übertragen lassen?

Elton Schwerzel: Vom Sport kann man sich tatsächlich viel für die Arbeitswelt abschauen. Arbeiten ist gewissermaßen ein fortwährendes Training, gepaart mit Schweiß, Erfolgen, aber auch Niederlagen bzw. Rückschlägen. Aber: In der Summe baut sich daraus ein individueller Erfahrungsschatz auf, aus dem Menschen schöpfen können. Und das bereichert Geist und Körper, macht Menschen besser und stärker. Meine Erfahrung hat gezeigt, folgen Menschen dieser Denkweise, dann stellt sich der Erfolg früher oder später zwangsläufig ein. Das Schönste ist, wenn man einen Sieg vielleicht sogar im Team einfährt. Das pusht Menschen ungemein – im Job wie im Sport.

kress.de: Zu welchem Sport raten Sie Ihren Mitarbeitern?

Elton Schwerzel: Die Wahl überlasse ich da besser den Kolleginnen und Kollegen. Wichtig ist nur: Nicht zögern, aufstehen und nie Snooze benutzen.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Elton Schwerzel: Eine gute Mütze Schlaf.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und kress pro?

Elton Schwerzel: Als führende Plattform in der Medien-Branche fühle ich mich von kress grundsätzlich immer bestens mit aktuellen Informationen versorgt. kress.de und kress pro liefern mir interessante und vielfältige Einblicke in die Medienwelt, von denen ich auch in meinem Berufsleben auf die eine oder andere Art und Weise profitiere. Und als Nutzer eines kressköpfe-Profils spielt natürlich auch das Netzwerken eine ganz entscheiden Rolle für mich.

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