Exklusiv: Wie der European Publishing Award die "Einfach los"-Macherinnen zusätzlich beflügelt

 

Einfach unbekümmert: Mit der Burda-Neuentwicklung "Einfach los" traf das Redaktions- und Gründungstrio aus Michaela Seide, Anne Gutacker und Katja Schenk einen Nerv. Auch die Jury des European Publishing Awards war begeistert. Ein Rückblick - rund ein halbes Jahr nach der Auszeichnung als "Newcomer des Jahres".

kress.de: Liebe Kolleginnen, liebe Frau Seide, Ihr noch vergleichsweise junges Magazin steht ja schon im Namen für Aufbruchsgeist, Neugierde, auch Mut. Wie einfach war es denn eigentlich, im Verlag einfach mal mit Ihrer Grundidee loslegen zu dürfen?

Michaela Seide: Auf der einen Seite hatten wir den großen Vorteil, dass wir auf die bestehenden Strukturen und Vernetzungen, über die ein so großer Verlag wie Burda verfügt, zurückgreifen konnten. Von dieser Warte aus wurde uns der Start leicht gemacht. Was uns aber auch von Beginn an klar war: So ein Projekt muss wirtschaftlich rentabel sein – wir haben also die Situation auf dem Zeitschriften- und Campingmarkt genau beobachtet und analysiert, bevor wir den Schritt gewagt haben und unser Projekt zuerst unserer Chefredakteurin und schließlich der Geschäftsführung vorgestellt haben.

kress.de: Üblicherweise hätte man anführen können, dass sowohl das Reise- als auch das Mobilitätssegment im Zeitschriftenmarkt durchaus üppig besetzt ist. Wie knifflig war es, sich von derlei Bedenken nicht gleich wieder ausbremsen zu lassen?

Michaela Seide: Sie haben Recht: Es gibt viele gute Camper- und Reise-Fachzeitschriften auf dem Markt. Wir haben die Lücke aber woanders gesehen und erkannt: Es gab bisher nämlich kein Livestyle-Magazin, das die Themen Vanlife und Outdoor miteinander kombiniert. Zudem sind fast alle Hefte, die thematisch in diese Richtung gehen, eher für die männliche Zielgruppe ausgelegt. Und genau diese Lücke haben wir mit "Einfach los" gefüllt. Unser Ziel war es, ein Heft zu entwickeln, das wir selbst gern kaufen würden – weil es den Zeitgeist trifft, authentisch ist, inspiriert, informiert und dazu noch frisch und mit viel Liebe zum Detail gestaltet ist

kress.de: Der Anklang für "Einfach los" ist groß: Auf welche Leser-Reaktionen sind Sie besonders stolz, wo kommen Anregungen, die Sie gerne auch beim Nachbessern aufgreifen?

Michaela Seide: Über Mails oder unsere Social Media Kanäle erreichen uns quasi täglich Leser-Reaktionen und wir freuen uns über jede einzelne. Wir haben wirklich eine unglaublich aufgeschlossene und engagierte "Einfach los"-Community, die tolles Lob, Themenvorschläge aber auch konstruktive Kritik einbringt. Und da wir unser Heft immer besser machen wollen, sind diese Rückmeldungen für uns natürlich Gold wert. Es macht uns wahnsinnig stolz, wenn Leser uns schreiben, dass unser Heft und unsere Geschichten sie inspirieren, loszufahren und neues auszuprobieren. Neulich hat eine Leserin uns sehr gerührt, als sie schrieb, dass "Einfach los" das erste Heft sei, bei dem sie schon die Stunden zähle, bis die neue Ausgabe endlich an den Kiosk kommt.  

"Die Sehnsucht nach individuellem Reisen war schon vor der Pandemie sehr stark."

kress.de: Es ist naheliegend, dass unter Pandemiebedingungen das sehr individuelle, oft rein familiäre Reisen im Wohnmobil besonderen Rückenwind bekam. Wie groß ist Ihre Sorge, dass der nun wieder abflauen könnte?

Michaela Seide: Unsere erste Ausgabe kam am 4. März 2020 auf den Markt, da gab es Begriffe wie Community-Maske oder 3G-Regel noch gar nicht. Zwei Wochen später steckten wir im ersten Lockdown. Auch wenn es immer heißt, dass die Pandemie die Sehnsucht nach individuellen Reiseformen befeuert, uns hat sie ziemlich ausgebremst. Wir mussten ein Jahr warten, bis wir die zweite Ausgabe nachlegen konnten. Als wir die Idee und das Konzept zu "Einfach los" entwickelt haben, hat noch niemand an eine weltweite Pandemie gedacht. Fest steht aber: Ja, Corona hat den Trend befeuert. Aber: Die Sehnsucht nach individuellem Reisen war schon vor der Pandemie sehr stark. Der Campingmarkt verzeichnete schon vorher ein Rekordjahr nach dem anderen. Sicher kann es sein, dass der Trend nach Corona ein klein wenig zurückgeht, aber er wird insgesamt auf einem hohen Niveau bleiben.

kress.de: Lange haftete dem Wohnwagen- und Camping-Urlaub ein eher biederes Image an: Wie viel Herzblut mussten Sie in die Versuche stecken, einen klobigen Van zum Kultobjekt und Stau-Gezockel zu einem Abenteuer zu machen?

Michaela Seide: Das hat uns gar keine Anstrengung gekostet, weil dieser Imagewandel tatsächlich schon vollzogen war. Das Bild vom Dauercamper mit Zäunchen vorm und Gartenzwerg auf dem Stellplatz ist schon längst überholt. Dabei geht es gar nicht vorranging um den Van. Der steht nur stellvertretend für ein Statussymbol, das mittlerweile wertvoller ist, als jeder Besitz. Das neue Statussymbol ist nämlich (Frei-)Zeit. Die ist in unserer Welt, die so auf Effizienz ausgelegt ist, wertvoller und wichtiger denn je. Und einfach mal stundenlang aufs Meer oder eine Bergkulisse zu blicken – das ist für die meisten wahrer Luxus.

"Es macht uns sehr stolz, von so fachkundigen Medienmachern nicht nur gesehen, sondern sogar ausgezeichnet zu werden."

kress.de: "Einfach los" wurde bei den European Publishing Awards ausgezeichnet: Wie wichtig ist es, nicht nur auf dem Leser- und Vertriebsmarkt, sondern auch von führenden Kollegen Zuspruch zu bekommen?

Michaela Seide: Diese Auszeichnung war eine großartige Bestärkung und Motivation für uns – und ist es noch immer. Es macht uns sehr stolz, von so fachkundigen Medienmachern nicht nur gesehen, sondern sogar ausgezeichnet zu werden.

kress.de: Wie sieht aktuell die wirtschaftliche Bilanz Ihres Titels aus und welche Schlüsse ergeben sich daraus für mögliche Frequenzumstellungen, neue Ableger oder neues Nebengeschäft?

Michaela Seide: Trotz des Hypes um dieses Thema, speziell im Social Media Bereich, darf man nicht vergessen, dass das Segment der Outdoor- und Vanlife Magazine im Zeitschriftenmarkt eine Nische ist. Umso mehr erfüllt es uns mit Stolz, dass wir ab der ersten Ausgabe ein wirtschaftlich rentables Produkt auf den Markt bringen konnten. Das Thema lebt ja von (gemeinsamen) Erlebnissen mit dem Van, dem Zelt, in der Natur, etc. Hier gibt es natürlich viele Ideen das Ganze auch für den Konsumenten noch erlebbarer zu machen. Zunächst konzentrieren wir uns aber auf die Weiterentwicklung des Printhefts und den Reichweitenausbau unserer Instagram Community. Was danach kommt wird die Zukunft zeigen.

"Wir sind überzeugt, dass die Lust aufs Reisen und die Neugierde Neues zu entdecken, unerschöpflich ist."

kress.de: Ist es schwer, thematisch in der Spur zu bleiben, und wie groß ist die Befürchtung, in der Nische vielleicht einmal alles Wissenswerte schon auserzählt zu haben?

Michaela Seide: Wir sind überzeugt, dass die Lust aufs Reisen und die Neugierde Neues zu entdecken, unerschöpflich ist. Es gibt so viele Geschichten und spannende Menschen, die sie erleben, dass wir eher Sorge haben, dass wir sie gar nicht alle erzählen können. Schon durch die Kombination aus Vanlife und Outdoor bietet sich für uns ein so breites Themenspektrum an, dass wir buchstäblich aus dem Vollen schöpfen können. Ob es nun das kleine Abenteuer vor der Haustür oder die große Auszeit ist. Und ganz ehrlich, wir können uns nicht vorstellen, dass es da draußen jemanden gibt, der sagt: Okay, jetzt bin ich aber viel gereist und habe alles gesehen – ich habe genug. ;-)

Hintergrund: Mit den European Publishing Awards werden journalistische Medienprodukte von Medienhäusern, Unternehmen und ihren Dienstleistern prämiert. Die Preise werden beim European Publishing Congress im Mai 2022 in Wien überreicht. Mit einer Auszeichnung bei den European Publishing Awards bekommen Medienprodukte Sichtbarkeit in ihren Nutzer- und Werbemärkten bzw. bei Auftraggebern. Am digitalen European Publishing Congress 2021 hatten rund 1.000 Gäste aus ganz Europa teilgenommen. Für den 11. bis 13. Mai 2022 ist die Veranstaltung erstmals seit zwei Jahren wieder live in Wien geplant.

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