HR-Intendantensuche: Filmemacherin Ina Knobloch bewirbt sich mit Zukunftskonzept

 

Die Filmemacherin Ina Knobloch würde als Nachfolgerin von Manfred Krupp gerne Intendantin des Hessischen Rundfunks (HR) werden. In einem Interview mit der "FAZ" hat sie jetzt ihr Zukunftskonzept für den Sender vorgestellt und seinen aktuellen Kurs scharf kritisiert.

Die Filmemacherin Ina Knobloch ("Die Akte Oppenheimer") hat lange für den Hessischen Rundfunk (HR) Sendungen entwickelt und realisiert, doch sie hadert mit dem Sender, seitdem er fast ausschließlich mit Festangestellten und festen Freien arbeitet. Auf der Suche nach einem Nachfolger für Intendant Manfred Krupp hat die Findungskommission des HR-Rundfunkrats sie als mögliche Kandidatin angefragt, aber in die engere Auswahl für den Job kam sie nicht. Ein Zukunftskonzept für den Sender hat Knobloch dennoch entwickelt - und jetzt in einem großen Interview mit der "FAZ" vorgestellt.

Sie fordert darin eine "Qualitätsoffensive und Öffnung" des Senders sowie "Leuchtturmprojekte, die mit der Region verknüpft sind und über die Landesgrenzen hinaus strahlen": "Der Hessische Rundfunk ist hoch verschuldet, nach meiner Information mehr als alle anderen öffentlich-rechtlichen Sender", sagt sie. Die Fusion mit einem benachbarten Sender sei daher schon häufig im Gespräch gewesen. "Wenn die Spitze des Senders jetzt nicht glaubwürdig eine Zukunftsvision für den HR als essenziell notwendigen unabhängigen Sender innerhalb der ARD aufbaut, ist die Abwicklung und Fusion mit einem anderen ARD-Sender schon eingeläutet."

Knobloch geht vor allem mit der Ausgabenpolitik des HR hart ins Gericht: "Die Pensionsrückstellungen sind ein riesiges Problem, das über Jahre offensichtlich ignoriert wurde und beim HR durch die konsequente 'Inhouse-Politik' besonders groß ist", kritisiert sie. Beides führe nicht nur zu Personalverpflichtungen, sondern auch "zu einer teuren Peripherie, von der Tankstelle über den Fuhrpark bis zur Requisite". Der HR bewege sich "in einer Bubble, aus der er offensichtlich nicht mehr rauskommt, das betrifft die Finanzen, aber vor allem auch die Inhalte".

Auch den Vorschlag von Noch-Intendant Krupp, in der Mediathek Werbung zuzulassen, kommentiert Knobloch kritisch: "Den Medienstaatsvertrag zu ändern, um Werbegelder für die Mediathek einzutreiben, ist schlau, aber keine öffentlich-rechtliche Strategie, und die Glaubwürdigkeit der Sender steht auch auf dem Spiel. Unter Manfred Krupp hat der Hessische Rundfunk Jahr für Jahr zwei- bis dreistellige Millionenbeträge an Schulden angehäuft, und als 'Abschiedsgeschenk' hinterlässt er jetzt diese Forderung."

Die Findungskommission des Senders hat die HR-Betriebsdirektorin Stephanie Weber und den stellvertretenden ARD-Programmdirektor und Channel Manager der ARD-Mediathek Florian Hager für die Krupp-Nachfolge vorgeschlagen, doch Knobloch hat nach eigenen Angaben die Hoffnung auf das Amt noch nicht ganz aufgegeben: "Ich hoffe sehr, dass die Findungskommission noch einmal in sich geht und dem Rundfunkrat eine größere Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten ermöglicht, um nach eigenen Kriterien zu entscheiden."

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