Kann Bild TV jemals Geld verdienen?

 

Kritiker rümpfen die Nase, der durchschnittliche Marktanteil ist zum Start minimal: kress pro hat analysiert, warum Bild TV sich für Axel Springer dennoch wirtschaftlich auszahlen und eine auskömmliche Lücke im Nachrichtenfernsehen füllen könnte.

Auszug aus der Kolumne "Aus unseren Kreisen" in kress pro 7/2021:

Na klar. Es könnte in Deutschland noch eine kleine, aber auskömmliche Lücke im Nachrichtenfernsehen geben. Im Jahr 2019 erzielte Welt (ehemals N24), das ebenfalls bei Axel Springer beheimatet ist, Werbeerlöse von 38,8 Millionen Euro (2018: rund 40,4 Mio. Euro). Der Marktanteil in der Altersgruppe 14 bis 49 Jahre: 1,3 Prozent.

Nun ist die Marke (mit den Sendern Welt und N24 Doku) eingeführt, auf vielen Fernbedienungen fest programmiert und holt abends Quote mit Doku-Stoff. Dennoch könnte es auch Neuling Bild TV gelingen, bald deutlich zweistellige Millionenumsätze zu erzielen. Entscheidend ist, wie schnell "Bild" es schafft, die Reichweite zu erhöhen. Mit der Marketingpower der Boulevardmarke wird allen Nutzern gerade gebetsmühlenartig erklärt, wie sie Bild TV in der Glotze finden.

Obwohl Axel Springer dabei erst am Anfang stehen dürfte, erreichte Bild TV in der ersten Woche laut Unternehmensangaben bereits einen durchschnittlichen Marktanteil von 0,2 Prozent (14 bis 49 Jahre). Die Spitzenwerte: Das Interview mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit einem Marktanteil von 1,0 Prozent und das Fußballformat Bayern Insider (mit Infos über Bayern München) mit 1,3 Prozent. Bei Springer ist man mit dem Start zufrieden, verweist aber auch darauf, dass "die Aussagekraft in den ersten Wochen noch gering" sei.

Legt man die Welt/N24 Doku-TV- Zahlen zugrunde, lassen sich mit einem Marktanteil von 0,6 Prozent schon 20 Millionen Euro an Werbeerlösen über lineares Fernsehen einspielen. Plus die Erlöse aus dem wachsenden Bewegtbildgeschäft im Netz. Es gilt die alte Formel: Viel Quote gleich viel Kohle.

Die TV-Kritiker rümpfen natürlich die Nase, wenn sie das populäre oder wahlweise auch populistische Programm von Bild TV bewerten sollen. Tatsache ist aber auch, dass das bestehende Nachrichtenfernsehen in Deutschland genauso weit von vielen Menschen entfernt ist wie etliche Politiker in ihrer Blase in Berlin. Da liegt abseits des Krawalls die Chance für Bild TV. Eines sollte man dabei nicht vergessen: Wegen der sinkenden Vertriebserlöse und ebenfalls sinkender Werbeeinnahmen ist die Bewegtbild-Strategie die Flucht nach vorn. Denn die steigenden Digitalerlöse können die wegbrechenden Erlöse im alten Printgeschäft nicht kompensieren, zeigt eine Analyse der Rechnungsprüfer von Ernst & Young aus dem vergangenen Jahr.

Die komplette "Aus unseren Kreisen"-Kolumne mit weiteren spannenden Themen können Sie in kress pro lesen.

Die Top-Themen im neuen kress pro: Warum der Kicker den Chef abgeschafft hat. Wer die besten Digitalagenturen für Publisher sind. Und warum Verlegerin Simone Tucci-Diekmann aus Passau so unbeliebt ist.

Ihre Kommentare
Kopf
Kress Pro Magazin
2021/#07

Beim „Kicker“ trifft ein Team alle Entscheidungen. Karin Seidl und Martin Schumacher sagen, wie sie damit vor allem im Digitalgeschäft hocherfolgreich sind.

Inhalt konnte nicht geladen werden.