Wie G+J mit Service-Apps Millionenumsätze macht

 

Mit den kostenpflichtigen Service-Apps Balloon, Hirschhausen-Diät und 7Schläfer macht Gruner + Jahr Millionenumsätze. Im kress pro-Case berichten die App-Entwickler von MissionMe, was sie in den vergangenen vier Jahren gelernt haben und was sie noch vorhaben.

Ein Auszug aus einem Case in der aktuellen kress pro-Ausgabe 7/2021:

Gruner + Jahrs App-Werkstatt MissionMe hat im Greenhouse ihren Ursprung, dem unternehmenseigenen Entwicklungslabor: Ende 2017 begann dort die Entwicklung von Balloon, im Juni 2018 ging die Meditations-App live. Mittlerweile ist ein Dutzend fester Mitarbeiter bei der Einheit beschäftigt, sie hat das Labor längst verlassen, und ihr Portfolio ist auf drei Produkte angewachsen. Auf Balloon folgte im März 2019 die Hirschhausen- Diät, ein Programm fürs Intervallfasten, und im Dezember 2020 7Schläfer für Menschen mit Schlafproblemen.

Die drei Apps haben viele Gemeinsamkeiten
: Sie beschäftigen sich mit Gesundheit, Wohlbefinden oder Achtsamkeit und ihre Kerninhalte sind Audio-Kurse oder -Übungen, gesprochen von wissenschaftlich kompetenten Protagonisten, dem Arzt Eckart von Hirschhausen, dem Psychologen und Neurowissenschaftler Boris Bornemann (Balloon) sowie dem Biologen und Schlafforscher Albrecht Vorster (7Schläfer). Auch das Geschäftsmodell ist ähnlich: Die Apps sind kostenpflichtig und basieren auf einem Freemium-Ansatz.

Gruner + Jahr macht mit dem Trio mittlerweile einen Millionenumsatz pro Jahr. Für die Hirschhausen- Diät-App, bestimmt für die einmalige Nutzung in einem Zeitraum von sieben Wochen, konnten sich laut MissionMe-Chef Steffen Horstmannshoff rund 60.000 zahlende Nutzer erwärmen – bei einem Preis von immerhin 39,99 Euro. Und für Balloon und 7Schläfer hat das Unternehmen nach eigenen Angaben insgesamt 40.000 Abonnenten gewonnen. Bei Balloon hätten 55 Prozent der Kunden ein Jahresabo (regulärer Preis: 79,99 Euro), 30 Prozent ein Monatsabo (11,99 Euro) und 15 Prozent ein Lebensabo (199,99 Euro) abgeschlossen.

Die Nutzer sind laut Horstmannshoff erfreulich loyal: Von den Jahresabonnenten verlängerten rund 60 Prozent ihr Abo nach Ablauf der ersten zwölf Monate. Gut 50 Prozent der Kunden haben ihr Abo für Balloon oder 7Schläfer über eine G+J-Website abgeschlossen, so dass die Gebühr für In-App-Käufe im Google Play Store oder im App Store von Apple nicht anfällt. MissionMe arbeitet mit dem Zahlungsdienstleister Stripe zusammen.

Dass die Kundenbeziehung überwiegend bei den App-Machern selbst liegt, verschafft ihnen einen weiteren Vorteil: Sie können mit ihren Kunden kommunizieren und auf deren Wünsche und Bedürfnisse eingehen. "Nach der Registrierung in einer unserer Apps können wir Nutzerinnen und Nutzer per E-Mail kontaktieren und sie über Aktionen oder Rabattangebote informieren, die zu ihrem Nutzungsverhalten passen", sagt Horstmannshoff. Der direkte Kundenkontakt sei "essenziell" für den Erfolg der Apps.

MissionMe ist aus dem Greenhouse hervorgegangen und nutzt viele der im Entwicklungslabor gebräuchlichen Arbeitsweisen. In der Entwicklung einer Idee zum marktfähigen Produkt spielen dort vor allem qualitative Interviews mit Nutzern und der frühe Test einfacher Prototypen eine große Rolle. "Wir arbeiten immer in den drei Phasen Erforschen, Experimentieren, Entwickeln", sagt Horstmannshoff. Ist ein interessantes potenzielles Thema gefunden und erforscht, testet sein Team unterschiedliche Lösungsansätze in kleinen Experimenten. "Erst wenn wir sicher sind, eine Lösung gefunden zu haben, gehen wir in die Produktentwicklung – andernfalls startet der Zyklus wieder von vorne."

Ausgangspunkt der Entwicklung der drei Apps war jeweils etwas, was Horstmannshoff auch einen "Funken" nennt: die Vermutung oder Hypothese, dass Nutzer ein Problem oder Bedürfnis haben, das sie wirklich beschäftigt. Im Fall von Balloon war der Funke die später bestätigte Vermutung, dass vielen Nutzern die bereits vorhandenen Meditations-Apps zu esoterisch waren und sie ein wissenschaftliches Fundament vermissten. Die Hirschhausen-Diät hat ihren Ursprung in der hohen verkauften Auflage einer Ausgabe des "Stern"-Ablegers "Dr. v. Hirschhausens Stern gesund leben" zum Thema Intervallfasten, und die Idee zu 7Schläfer rührt aus der Analyse bestehender Produkte. MissionMe stellte fest, dass Balloon zu nachtschlafender Zeit stark genutzt wird und sich Schlafmeditationen und -kurse dort großer Beliebtheit erfreuen.

Ob dahinter ein so drückendes Problem oder ein derartig gravierender Wunsch steckt, dass eine eigene App funktionieren könnte, war dann Gegenstand von Befragungen von Nutzern der beiden schon vorhandenen Apps. Die MissionMe-Leute baten sie zum Beispiel darum, das Problem Schlaflosigkeit gegenüber anderen Themen wie Nikotinentwöhnung zu priorisieren, um seine Relevanz einschätzen zu können.

Haben insbesondere qualitative Interviews mit Nutzern ergeben, dass aus einem Funken womöglich ein Feuer werden könnte, macht Horstmannshoffs Team das Konzept für die App und beginnt mit der Arbeit an Design und Inhalten. Für Layoutentwürfe, unterschiedliche Stimmen und erste Inhalte holt MissionMe dabei immer wieder mit einfachen Mitteln User-Feedback ein. Für schnelle Design-Tests ist vor allem das Tool Usabilityhub das Mittel der Wahl. Dort gibt es die Möglichkeit sogenannter 5-Sekunden-Tests, die das Verständnis und die Präferenzen der Nutzer abfragen. Für tiefer gehende Befragungen und komplexer angelegte Fragebögen haben sich bei MissionMe Tools wie Appinio und Surveymonkey bewährt. Impulse von Nutzern bleiben auch wichtig, wenn eine App schon in Betrieb ist. "Daher ist der Customer-Support für uns auch von zentraler Bedeutung und auch fester Teil des MissionMe-Teams", so Horstmannshoff.

Wie MissionMe die Apps als Produkte einführt und weiterentwickelt können sie im vollständigen Case in der kress pro-Ausgabe 7/2021 nachlesen. Hier geht es zur Heft-Bestellung und zum Abo.

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