Ippen-Investigativ-Team veröffentlicht Reichelt-Recherche beim "Spiegel"

 

Ihre Recherchen zu Julian Reichelt blieben zunächst unveröffentlicht, führten aber mittelbar zu dessen Abberufung. Beim "Spiegel" kann man nun nachlesen, was das Team von Ippen Investigativ um Daniel Drepper über den  "Bild"-Chefredakteur herausgefunden hat.

Ihr eigener Verleger Dirk Ippen hat sie ausgebremst, doch nun haben die Reporter von Ippen Investigativ ein anderes Medium gefunden, das einige ihrer Recherchen zu Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt dankbar veröffentlicht: Unter der Überschrift "Warum Julian Reichelt gehen musste" berichtet der "Spiegel" seit Montagabend online über den Fall. Marcus Engert, Katrin Langhans, Juliane Löffler und Daniel Drepper vom Ippen-Team firmieren neben gleich vier "Spiegel"-Leuten als Autoren der Geschichte.

Der Bericht enthält weitere Details und Informationen zu Reichelts Umgang mit jungen Kolleginnen und zu den Gründen für seine Abberufung am Montag: Demnach hat er auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr noch eine sexuelle Beziehung zu einer ihm unterstellten Mitarbeiterin gehabt. "Bei Springer heißt es, es habe klare Hinweise und Beweise gegeben, dass Reichelt bereits in dem Verfahren die Unwahrheit über die Beziehung gesagt habe", schreibt der "Spiegel". "Reichelt wurde dem Vernehmen nach direkt vom Vorstand konfrontiert und von seinen Aufgaben entbunden." In den weiteren Wochen werde nun eine arbeitsrechtliche Lösung gefunden. Reichelt selbst habe sich auf Anfrage nicht zu den neuen Anschuldigungen äußern wollen.

Was Reichelts frühere Verfehlungen angeht, stützt sich der "Spiegel" weitgehend auf die Rechercheergebnisse von Ippen Investigativ. Tenor: "Die Recherchen zeichnen das Bild eines Chefredakteurs, der mit Mitarbeiterinnen, die eigentlich unter seinem Schutz stehen, mitunter so umging, dass man sie eher vor ihm schützen müsste. Es geht um das Machtgefälle zwischen jungen Frauen und Deutschlands lange Zeit mächtigstem Boulevardjournalisten, um Sex, der zwar einvernehmlich war, aber augenscheinlich mit beruflichen Vor- und Nachteilen verbunden, um drängende Nachrichten mitten in der Nacht."

Der "Spiegel" belegt das unter anderem mit Gesprächsprotokollen einer Aussage, die eine junge "Bild"-Volontärin während des Compliance-Verfahrens gegenüber der von Springer beauftragten Wirtschaftskanzlei Freshfields machte: "Ob Reichelt Jobs davon abhängig mache, dass man mit ihm schlafe, wollte die Untersuchungsleiterin wissen, so steht es in einem Protokoll des Gesprächs, das dem Spiegel über Dritte zukam. Die Frau antwortete demnach: Dafür sei sie ja wohl das beste Beispiel." Reichelt soll ihr einen prestigeträchtigen Job bei "Bild" gegeben haben, der sie überforderte. Dass das Verhältnis für ihn problematisch werden könnte, soll Reichelt laut "Spiegel" damals schon gewusst haben. Er habe die junge Frau nach deren Angaben damals aufgefordert, ihren kompletten Nachrichtenverlauf zu löschen: "Wenn jemand rauskriege, was zwischen ihnen laufe, hätten sie 'ganz großen Ärger'."

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