Reichelt-Recherche: Ippen prüft Veröffentlichung

 

Die Ippen Mediengruppe prüft, die Recherchen ihres Investigativteams zu Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt doch noch zu veröffentlichen. Allerdings fühlen sich offenbar einige der Quellen vom Verlag im Stich gelassen. Das geht aus einem Gespräch des Teams mit der "Frankfurter Rundschau" hervor.

"Wir prüfen aktuell, welche Aspekte der Geschichte noch veröffentlichbar sind und wie die Quellenlage ist", sagte Chefredakteur Markus Knall der dpa. Die Veröffentlichung war ursprünglich für den vergangenen Sonntag vorgesehen, doch Verleger Dirk Ippen stoppte seine Rechercheure. Einige ihrer Ergebnisse fanden dennoch den Weg in die Öffentlichkeit, was am Montag mittelbar zur Abberufung des "Bild"-Chefredakteurs führte. Das Ippen-Investigativ-Team veröffentlichte einen Teil seiner Recherchen danach beim "Spiegel". Verleger Ippen wird nun wegen seines Eingriffs in die redaktionelle Unabhängigkeit massiv kritisiert und steht überdies blamiert da.

"Ob, wann und in welchem Umfang die Geschichte rausgeht, entscheiden wir rein redaktionell", sagte Chefredakteur Knall der dpa. Im "Spiegel" sei nicht das gesammelte Material erschienen, das sein Investigativ-Team gesammelt habe. Auf die Frage, ob die mögliche Veröffentlichung mit Verleger Ippen abgesprochen sei, sagte Knall: "Ich freue mich, dass wir Dr. Ippen überzeugen konnten, wie wichtig es ist, dass wir als Redaktion frei und unabhängig agieren können und dieses Thema es wert ist, publiziert zu werden."

Knall bescheinigte seinem Investigativ-Team "großartige Arbeit" geleistet zu haben. Er habe dessen Arbeit "immer unterstützt" und sich "von Anfang an klar für die Veröffentlichung der Reichelt-Recherche ausgesprochen".

"Massive Verunsicherung" der Recherche-Quellen

Dass es für die Veröffentlichung der Recherche jetzt allerdings noch andere Hemmnisse als den Verleger gibt, lässt sich einem Interview der "Frankfurter Rundschau" mit den Mitgliedern des Ippen-Investigativteams entnehmen. Die "FR" gehört zur Ippen Mediengruppe und hätte am Sonntag eigentlich die Reichelt-Geschichte veröffentlichen sollen. "Ich musste am Freitag Quellen anrufen und ihnen sagen, dass die Veröffentlichung abgesagt ist", beklagt Rechercheurin Juliane Löffler in dem Interview. "Das hat natürlich bei den Quellen massiv zu Verunsicherung und Bestürzung geführt. Manche waren extrem emotional. Die haben sich – nicht von mir persönlich, aber von dem Verlag – im Stich gelassen gefühlt und natürlich hat es dazu geführt, dass ich aktuell nicht mehr von allen Quellen den Rückhalt habe, in diesem Verlag zu veröffentlichen."

Das Investigativ-Team beantwortet auch die Frage, ob es Konsequenzen wegen der Veröffentlichung seiner Recherchen bei einem verlagsfremden Medium, dem "Spiegel", fürchte: "Für unser Team war es extrem wichtig, dass die Geschichten der Frauen gehört werden", sagt Daniel Drepper. "Welche Konsequenzen uns drohen, das können wir nicht abschätzen. Von Ippen gab es keine offizielle Freigabe für die Veröffentlichung bei einem anderen Verlag."

Ippen hatte seine Ablehnung der Veröffentlichung zunächst mit der Konkurrenzsituation gegenüber Springer begründet: "Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit Bild steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden."

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