Auch Funke-Chef Christoph Rüth und Bernd Ziesemer greifen Döpfner hart an

 

Die Reaktionen auf das Krisen-Management von Springer beim Fall Reichelt fallen harsch aus. Der frühere Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer kritisiert, dass Döpfner keinen einzigen persönlichen Fehler einräumt. Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth betont die Vorbildfunktion eines BDZV-Präsidenten.

Der Versuch von Springer-CEO Mathias Döpfner, über das Mitarbeiter-Video für "Transparenz" zu sorgen und die Vorgänge rund um die Enthebung von Julian Reichelt von dessen Ämtern zu erklären, kommt in der Medien-Branche nicht überall gut an - im Gegenteil.

Als ein "Dokument der der völligen Empathielosigkeit" bezeichnet Bernd Ziesemer, früher langjähriger Handelsblatt-Chefredakteur, die Erklärungen von Mathias Döpfner. "Ich bin seit 42 Jahren Journalist, unterrichte seit Jahren junge Journalisten (unter anderem in journalistischer Ethik) und sage es nicht leichtfertig: Ich kann mich an keinen anderen Verleger erinnern, der sich rhetorisch so verbogen hat, um seine eigene Verantwortung für Vorgänge in der wichtigsten Redaktion seines Verlags wegzuschieben", wird Ziesemer im Online-Magazin Medieninsider zitiert.

Das harte Urteil des renommierten Wirtschaftsjournalisten lautet: "In jedem gut geführten Unternehmen würde der Aufsichtsrat seinen CEO ernsthaft ermahnen, künftig durchzugreifen oder seinen Hut zu nehmen. Springer ist kein gut geführtes Unternehmen."

Bei den Kollegen von Übermedien wird ebenfalls ein höchst prominenter Döpfner-Kritiker zitiert: Christoph Rüth, Geschäftsführer der Funke Mediengruppe. Er hebt vor allem auf die schwierige Doppelrolle Springer-Chef und Verleger-Präsident ab.

"Der Axel-Springer-Verlag hat die Aussagen von Mathias Döpfner heute ja eingeordnet und festgestellt, dass er die Bundesrepublik auch in Corona-Zeiten keineswegs für vergleichbar mit der DDR halte. Allem anderen hätten wir auch klar widersprochen", heißt es aus dem Mund von Rüth bei Übermedien.

"Die – wenn auch angeblich überspitzte – Formulierung 'Propaganda-Assistenten' für die Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten halten wir für völlig unpassend. So ein Gedanke und eine derartige Tonlage sind dem Amt eines BDZV-Präsidenten nicht angemessen. Die Journalistinnen und Journalisten in Deutschland sind nämlich ganz überwiegend ihrer Wächterfunktion nachgekommen und haben die Corona-Maßnahmen der Bundes- bzw. der Landesregierungen kritisch begleitet bzw. tun es noch", so Rüth.

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