Exklusiv: Die Staatsanwaltschaft in München will Ex-Score-Chef Heiko Genzlinger anklagen

 

Heiko Genzlinger musste vor drei Jahren den Zeitungsvermarkter Score Media verlassen. Seither ist der ehemalige CEO abgetaucht. Wie kress pro in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, kommt nun Bewegung in den rätselhaften Fall.

Aus der Kolumne "Wiegands Notizen" in der neuen kress pro-Ausgabe 8/2021:

Wird Ex-Score-Media-Chef Heiko Genzlinger angeklagt?

Es sieht ganz danach aus. Die Staatsanwaltschaft in München hat ihre Ermittlungen abgeschlossen und Anklage gegen den ehemaligen Chef des Zeitungsvermarkters erhoben. "Über die Eröffnung des Hauptverfahrens ist noch nicht entschieden", teilt die Staatsanwaltschaft in München auf "kress"-Anfrage mit. Alles andere wäre allerdings eine Überraschung.

Laut Quellen bei Score soll Genzlinger, der sich 2018 aus dem Unternehmen verabschiedet hat, Gelder veruntreut haben. Seither ist der ehemalige Vermarktungsprofi abgetaucht.

In der Münchner Medienszene hatte es Gerüchte gegeben, dass auch eine weitere ehemalige Führungskraft von Score in den Fall verwickelt sein soll. Jetzt ist klar: Da ist nichts dran. Genzlinger sei der einzige Beschuldigte, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.

Bei Score war sauer aufgestoßen, dass Genzlinger einer Vertrauten bei ihrem Abschied von Score eine hohe Abfindung gewährt haben soll.

Hintergrund: Wo steckt Heiko Genzlinger? 2016 war diese Frage eines der Klatschthemen des Sommers. Heiko Genzlinger sollte damals den neuen Zeitungsvermarkter Score aufbauen und kaum jemand hatte ihn schon zu Gesicht bekommen. Mehr als ein halbes Jahr nach seinem unfreiwilligen Abgang bei Score stellte sich die Frage wieder neu. Die Staatsanwaltschaft in München ermittelte gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue. Auf Anfragen dazu antwortete er nicht. Auch gegen einen Beitrag in der "Abendzeitung", der die Grenzen der Verdachtsberichterstattung vermutlich deutlich überschritt, unternahm er nichts. Aus den Score-Reihen wurden dann die Vorwürfe konkreter. Sein Ex-Arbeitgeber warf ihm demnach vor, einen sechsstelligen Betrag für private Zwecke eingesetzt zu haben. Genzlinger antwortete auch dazu 2019 auf "kress"-­Anfrage nicht. Auf den sozialen Medien war ebenfalls Funkstille. Als Motto findet sich auf Genzlingers Linked­in-Profil ein Zitat des Rennfahrers Mario Andretti: "Wenn alles unter Kon­trolle zu sein scheint, bist du nicht schnell genug."

Zur Person: Vor seinem Wechsel zur Score Media Group, der Vermarktungsallianz der regionalen Tageszeitungsverlage, war Heiko Genzlinger CEO der Trademob GmbH (2014 bis 2016), einem Tech-Start-up für Mobile App Marketing mit Sitz in Berlin. Zuvor war er in verschiedenen Führungspositionen bei Yahoo Deutschland (2003 bis 2014) in München tätig, zuletzt als Managing Director & Vice President Sales. Zu den weiteren Stationen des studierten Betriebswirts zählen die United Internet Media AG, die wallstreet:online AG sowie CNBC Europe. Seine Karriere startete Heiko Genzlinger bei tv.münchen.

In seiner aktuellen kress pro-Kolumne widmet sich Chefredakteur Markus Wiegand auch folgenden Fragen: Warum geht Stefan Hilscher bei der SZ? Was wollen die Belgier mit der Aachener Zeitung? Warum bringt die Welt-Gruppe keine Reichenliste mehr? Warum hat Bild TV bei ARD/ZDF Bilder geklaut? Bestellen Sie jetzt das neue kress pro in unserem Shop.

Weitere Top-Themen in kress pro 8/2021:

Das einzigartige Datenprojekt Drive: Einer neuer Ansatz, um Digitalabos zu verkaufen.

Die 25 Newcomer des Jahres: Welche Führungstalente gibt es in den Medien?

SMS-Dienste: Wie US-Verlage eine überraschende Erlösquelle erschließen.

Das Wichtigste aus den Medien - einmal am Tag: Jetzt den kressexpress bestellen

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.