Mathias Döpfner und der gewagte Böhmermann-Vergleich

05.11.2021
 

Mathias Döpfners SMS über den "neuen DDR-Obrigkeitsstaat" und Journalisten als "Propaganda-Assistenten" erhitzt weiter die Gemüter in der Branche. Beim Jahreskongress der Zeitschriftenverleger verteidigt ein Springer-Manager seinen CEO. Und auch Jan Böhmermann muss jetzt herhalten.

Für Axel-Springer-Manager Christian Nienhaus ist Mathias Döpfner ein "überzeugter Streiter" für die Freiheit des Journalismus. Der Geschäftsführer von WeltN24 sagte am Donnerstag beim Jahreskongress des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) "Publishers' Summit 21" in Berlin, Döpfner vergleiche weder den deutschen Staat mit der DDR, noch habe er die Absicht gehabt, die Journalistinnen und Journalisten in Deutschland zu beleidigen. Dies berichten FAZ und epd medien.

Zur Erinnerung: Döpfner hatte in einer privaten, später geleakten SMS an den Publizisten Benjamin von Stuckrad-Barre über den inzwischen entlassenen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und dessen journalistisches Wirken in der Corona-Pandemie gesagt, er sei "der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden."

Aus der Sicht von Christian Nienhaus hat Döpfner die umstrittene SMS an einen engen persönlichen Freund in einer hitzigen Debatte geschrieben mit der Vorbemerkung: um mal Stimmung in die Runde zu bringen. Er habe dabei einen Journalisten verteidigt, dessen Rauswurf der Gesprächspartner gefordert habe. "Das war sozusagen eher ein Böhmermann-Zitat", wird Nienhaus von FAZ und epd Medien zitiert. "Das war Ironie, das war übertrieben, das war spitzfindig." Nienhaus räumte zugleich ein: "Wie er es formuliert hat, war natürlich Mist." Aber es sei nicht für die Öffentlichkeit gedacht gewesen.

Mit Blick auf Döpfners Rolle als Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) betonte Nienhaus demnach, man sollte Ehrenämter nicht dadurch erschweren, dass man sagt, "alles was du je am Tisch sagst oder mit dem Patenonkel deines Sohnes oder deines Kindes besprichst oder schreibst, kann jeweils öffentlich ausgenommen werden".

 

Das Wichtigste aus den Medien - einmal am Tag: Jetzt den kressexpress bestellen

 

Der Vizepräsident des Zeitschriftenverlegerverbands, Philipp Welte, wollte auf dem Jahreskongress indes nicht beurteilen, ob Döpfner noch als BDZV-Präsident haltbar sei. Das seien Angelegenheiten des Springer-Konzerns und des BDZV.

Das BDZV-Präsidium will sich in einer Präsenzsitzung am 24. November mit der Angelegenheit befassen (kress.de berichtete).

Döpfner erklärte jüngst in einer Mitteilung des BDZV: "Seit dreißig Jahren setze ich mich täglich für kritischen, unabhängigen Journalismus ein. Es wäre bitter, wenn das durch eine aus der Emotion heraus entstandene private Nachricht an einen Freund ins Gegenteil verkehrt würde. Bei allen, die sich dadurch verletzt fühlen, möchte ich mich entschuldigen. So wie meine Äußerungen in der SMS jetzt interpretiert werden, waren sie nie gemeint."

Sie möchten exklusive Medienstorys, spannende Debatten und Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Jean Pierre Hintze

Jean Pierre Hintze

Code Red. GmbH
Editor

05.11.2021
!

Viel skandalöser als Döpfners bewusst überspitzte private Satire ist die Tatsache, dass nicht-öffentliche Inhalte, die aus Verrat und anderen persönlichen Unzulänglichkeiten resultieren, ohne Konsequenzen als Gegenstände öffentlicher Meinungsbildung instrumentalisiert werden dürfen. Das ist "DDR"2.0.
Offensichtlich ist Döpfners Einschätzung treffender, als man sich eingestehen will, bzw. darf.


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Inhalt konnte nicht geladen werden.