Döpfner spricht über möglichen Rücktritt als Präsident der Zeitungsverleger

10.11.2021
 

Mathias Döpfner steht wegen einer Whatsapp-Nachricht und dem Umgang mit dem Fall Reichelt stark in der Kritik. Manche fordern seinen Rücktritt als Präsident der Zeitungsverleger. Im FAZ-Interview geht Döpfner offensiv mit dem Thema um - und weist manchen Vorwurf in der Causa Reichelt "in aller Schärfe" zurück.

"Ich fürchte, wer nicht über übermenschliche Kräfte verfügt, sagt [in privaten Chats] manchmal Dinge, die man besser nicht gesagt hätte, Dinge, die man wörtlich genommen so nicht meint, möglicherweise sogar Beleidigendes. Ich bin ein emotionaler Mensch und gestehe, mir unterläuft das in privaten Unterhaltungen."

Mathias Döpfner geht im FAZ-Interview mit Michael Hanfeld noch mal auf seine umstrittene Whatsapp-Nachricht ein. Darin schrieb Döpfner mit Blick auf den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, er sei "der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden“.

Für diese Formulierung hat sich Döpfner mehrmals entschuldigt. Jeder, der ihn kenne, wisse, dass er absolut nicht so denke. Natürlich sei die Bundesrepublik nicht mit der DDR vergleichbar: "Seit ich vor vierJahrzehnten in Ihrer Zeitung, der FAZ, meinen ersten Text geschrieben habe, setze ich mich für freien und unabhängigen, kritischen Journalismus ein. Was ich meinte: Ich würde mir einen kritischeren Journalismus zum Thema wünschen. Das ist die Botschaft. Das ist weder demokratiefeindlich noch journalistenverachtend. Niemals wollte ich Journalistinnen und Journalisten pauschal mangelnde Unabhängigkeit unterstellen", stellt Döpfner im Gespräch mit Hanfeld, verantwortlicher FAZ-Redakteur für Feuilleton Online und Medien, klar. 

In seiner Rolle als Präsident der Zeitungsverleger tritt Döpfner die Flucht nach vorne an - und spricht im FAZ-Interview über einen möglichen Rücktritt: "[...] Wenn eine Mehrheit der Mitglieder findet, dass ich durch eine sehr unglückliche Formulierung in einem privaten Meinungsaustausch zur Belastung für den Verband geworden bin, dann werde ich das selbstverständlich akzeptieren."

Am 24. November soll es zu einer Aussprache im BDZV kommen. Für Döpfner ist es wichtig, dass der Verband jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergeht. Es gehe schließlich um Grundsatzfragen. "Als Präsident habe ich Wert darauf gelegt, dass das Thema auf der nächsten Sitzung besprochen wird. Dann werden wir sehen", sagt Döpfner. Er berichtet zudem, dass er zurzeit auch viel Unterstützung von Mitgliedern und Landesverbänden bekomme.

Döpfner spricht in dem größeren FAZ-Interview zudem ausführlich über den Fall Julian Reichelt: Es sei nicht der Artikel der New York Times gewesen, der Axel Springer veranlasst habe, die Zusammenarbeit mit dem damaligen Bild-Chefredakteur zu beenden:

"Wir hatten neue Erkenntnisse, nur deshalb haben wir gehandelt. Es ist vielen direkt und indirekt Betroffenen, also am Ende auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Axel Springer viel zugemutet worden. Das tut mir leid. Ich hätte ihnen das gerne erspart. Jetzt müssen wir daraus unsere Lehren ziehen. Ich möchte, dass Axel Springer ein Unternehmen ist, in dem ohne Ausnahme überall ohne Angst und
mit Respekt voreinander gearbeitet wird", so Döpfner in der FAZ.

Der Vorwurf, dass er Reichelt von Anfang an habe halten wollen, sei grob falsch. Und Döpfner räumt auch noch mit einem anderen Gerücht auf: Nach Reichelts Kündigung habe Springer den Anwälten der betroffenen Frauen nicht gedroht, nichts zu sagen: "Wir haben nie gedroht. Diese Unterstellung weise ich in aller Schärfe zurück", sagt Döpfner deutlich. "Wir hatten deutliche Anhaltspunkte dafür, dass die Vertraulichkeit gebrochen wurde. [...] Wir fanden es insofern schon wichtig zu klären, wer diese Vertraulichkeitsvereinbarungen zum Schutz der Betroffenen verletzt hat."

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