Karriere, Selbstständigkeit: So starten Medienprofis etwas Neues, auch wenn die Zeiten nicht perfekt sind

 

Die Coronakrise geht weiter, zusätzliche aktuelle Herausforderungen sind dazu gekommen - Normalität nicht in Sicht. Aber das heißt nicht, dass die eigene Zukunft ewig warten muss. Mediencoach Attila Albert sagt, wie Sie etwas Neues starten können, auch wenn die Lage nicht perfekt ist.

Wer vor rund einem Jahr gehofft hatte, dass die Zeiten bald wieder normal würden, muss in diesen Tagen feststellen: Falsch gedacht. Zur Coronakrise, erneut aufgeflammt, sind wieder weiterer Herausforderungen dazugekommen. Ein Ende ist nicht absehbar, es könnte erst in einigen Jahre sein. Wie sollen Medienprofis damit umgehen? Das ist eine Frage, die über Nachrichten-Stress, Alltagsprobleme (z. B. Booster-Termin für die Eltern, Schulunterricht der Kinder) und erneut verschobene Reisepläne hinausgeht. Nämlich: Mit eigenen Vorhaben weiter warten und auf was - oder loslegen, auch wenn die Zeiten nicht perfekt sind?

Im Coaching erlebe ich jetzt Medienprofis, deren Antwort auf die allgemeine Wahrnehmung, dass es so nicht weitergehen könne, lautet: "Ich warte nicht länger, ich mach's jetzt einfach." Sie sehen die Schwierigkeiten der aktuellen Lage, aber auch die bestehenden Chancen, und nutzen sie für sich: Stellensuche oder eine Selbstständigkeit. Arbeit am Geschäftsmodell bei Freiberuflern, um den Umsatz zu steigern oder sich ein neues Gebiet zu eröffnen. Auch andere Träume erfüllen sich viele: Eine Weiterbildung (z. B. Online-Marketing, Projekt- und Projektmanagement, Psychologie), eine mehrmonatige Reise, den ersten Roman.

Auf weniges fokussieren, nicht zurückziehen

Keiner meiner Klienten tut das leichthin, jeder ist auf verschiedene Weise gebunden und zu einem gewisse Grad praktisch eingeschränkt. Die ganz normalen Dinge: Finanzielle Verpflichtungen (und auch Ängste), familiäre Aufgaben von Kindern bis pflegebedürftigen Eltern, anstrengende Berufe in schwierigen Umfelder, Erkrankung. Den Erfolgreichen erkennt man daran, dass er es trotzdem angeht - und so wenig wie möglich Energie anderweitig verschwendet, etwa ewig andere kritisiert, sich streitet oder selbst ablenkt. Hier einige Empfehlungen für Ihren persönlichen Neuanfang.

  • Lösen Sie sich von einer idealisierten Vorstellung, wie normale Zeiten angeblich sein müssten. Krisen (auch globale, existenzbedrohende) sind eher der Normalfall. Denken Sie an frühere Generationen, auch an andere Weltregionen. Im Vergleich geht es uns weiter sehr gut. Das bedeutet: Sie können auch jetzt viel erreichen.

  • Ziehen Sie sich angesichts der unbestreitbaren Belastungen nicht ganz zurück, indem Sie z. B. außer Arbeit und familiärem Alltag fast nichts mehr angehen. Versuchen Sie, trotzdem einige wenige Schritte für Ihre Zukunft einzuplanen. Das muss nicht viel sein, wöchentlich ein bis zwei Stunden pro Woche reichen.

  • Konzentrieren Sie sich auf das Naheliegende, also auf sich und Ihr Umfeld: Arbeit, Partner und Familie, körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden. Befassen Sie sich nicht ständig mit allen Krisen auf der Welt (z. B. auf Social Media), vor allem, wenn Sie praktisch nichts beitragen können oder wollen.

  • Entscheiden Sie sich, welche grundsätzliche Veränderung Ihnen wichtig wäre. Mehr Erfolg (z. B. Umsatz als Freiberufler), weniger Stress und Verpflichtungen (z. B. für Familie), ein genereller Neuanfang (z. B. neuer Job, Selbständigkeit)? Einen Überblick über typische Karriere- und Lebensphasen finden Sie hier.

  • Was bringt Sie in diese Richtung? Zerlegen Sie Ihren Weg in Zwischenschritte, die Sie langsam angehen. Beispiel Selbstständigkeit: Mini-Konzept (A4-Seite), Texte für eine Webseite vorschreiben, Liste der möglichen Kunden mit Ansprechpartnern erstellen, werbliches Anschreiben entwerfen. Je systematischer, desto effektiver.

  • Listen Sie konkret Ihre Ressourcen auf: Was haben Sie zur Verfügung? Geld (z. B. Einkommen und monatlicher Spielraum, Ersparnisse, Kreditrahmen), Zeit (z. B. durch pünktlichen Feierabend, geplante Zeitfenster), wertvolle Ideen und Kontakte. Dabei sehen Sie auch, wo Sie Ihren Spielraum vergrößern müssen.

  • Nutzen Sie möglichst einige Arbeitsmittel zur Planung und Organisation, wie sie es auch beruflich machen würden. Falls Sie ein Notizbuch bevorzugen, geht das auch. Aber langfristig besser mit Listen (z. B. Excel, Google Tabellen) für Zahlen und Auflistungen, Projekt- und Aufgabenplanung z. B. mit Trello oder Asana.

  • Reduzieren Sie privaten Fernseh- und Internetkonsum. Vor allem, wenn Sie sich danach müde, mutlos oder resigniert fühlen. Als Medienprofi sind Sie meist schon beruflich einem ständigen Nachrichtenfluss ausgesetzt. Gut zum Ausgleich: Zwei- bis dreimal wöchentlich leichten Sport und alles, was Ihnen Freude macht.

  • Setzen Sie sich realistische Zeithorizonte, im Normalfall für eine Veränderung ca. sechs bis zwölf Monate, maximal zwei Jahre. Nicht überlang planen, denn dann werden Sie nur sehr zögerlich und risikoscheu, geben bald wieder auf. Beispiel: Mit Anfang 50 an einen Zehn-Jahres-Plan für einen Branchenwechsel denken.

Wie ideal müssen die Rahmenbedingungen sein, um die eigene Lage zu verbessern? Die Erfahrung zeigt: Wer mutig ist, braucht gar nicht so viel, wie er anfangs gedacht hat, sondern erschließt sich neue Ressourcen unterwegs. Sie müssen selbst das genaue Ziel noch nicht kennen, wenn nur die ungefähr gewünschte Richtung. Sie werden sich später über alles klarer. Der berufliche und persönliche Alltag ist seit längerem nicht normal, aber heißt das nicht, dass Sie das ewig aufhalten muss.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

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