Schicksalstag als Verlegerpräsident: Muss Döpfner heute zurücktreten?

24.11.2021
 

Das BDVZ-Präsidium beschäftigt sich an diesem Mittwoch mit den umstrittenen Äußerungen von Mathias Döpfner. Der Unmut ist immer noch groß, wie kress weiß. Wie eng wird es heute für den Springer-Chef?

In diesen Stunden tagt das Präsidium des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Die Sitzung wird mit Spannung erwartet, weil sich das Gremium mit den umstrittenen Äußerungen des BDZV-Präsidenten Mathias Döpfner beschäftigt

Der Springer-Chef hatte in einer privaten SMS, die im Zuge der Reichelt-Affäre geleakt wurde, einen Vergleich mit dem "DDR-Obrigkeitsstaat" gezogen und Journalistinnen und Journalisten als "Propaganda-Assistenten" bezeichnet. Dies hatte zu ungewöhnlich deutlicher Kritik in den Verlagshäusern und Medien geführt. So sagte etwa Madsack-Chef und BDZV-Vize Thomas Düffert: "Die aus einem privaten Umfeld heraus nun öffentlich gewordenen Aussagen von Herrn Döpfner sind für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung."

Mit Funke-Chef Christoph Rüth kritisierte ein weiteres Schwergewicht die Äußerungen Döpfners. Einzelne Stimmen wie Carsten Lohmann, Verlagsleiter des "Mindener Tagblatts", forderten gar den Rücktritt des BDZV-Chefs. 

Döpfner selbst sagte in einem Interview mit der FAZ: "Aber wenn eine Mehrheit der Mitglieder findet, dass ich durch eine sehr unglückliche Formulierung in einem privaten Meinungsaustausch zur Belastung für den Verband geworden bin, dann werde ich das selbstverständlich akzeptieren."

Inzwischen haben sich die Wogen nur wenig geglättet. Trotz eines Schreibens, in dem er sein Bedauern ausdrückte, fehle vielen Mitgliedern noch immer ein klare Entschuldigung Döpfners, sagte ein bekannter Zeitungsmanager zu kress.

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Für die "Süddeutsche Zeitung" fasste Nils Minkmar die Lage vor der entscheidenen Sitzung des BDZV-Präsidiums so zusammen: "Die deutschen Zeitungsverleger entscheiden über die Zukunft ihres Präsidenten Mathias Döpfner. Dabei geht es um weit mehr als um den Springer-Chef, es geht um das Bild, das die Presse in diesem Land von sich selbst hat.

"Muss Döpfner zurücktreten? Mit dieser Frage befasst sich Chefredakteur Markus Wiegand in der aktuellen "kress"-pro-Ausgabe:

"Wir sind in der Vergangenheit vermutlich nicht unbedingt als entschiedener Verteidiger von Springer-Chef Mathias Döpfner aufgefallen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Verleger in seinen Reden als Chef des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) gerne eine Art von Journalismus fordert, der er sich selbst in Sachen Transparenz bei Boni und Gehalt lieber nicht unterwerfen möchte.

Jetzt ist der Springer-Chef unter Druck geraten, weil eine private SMS geleakt wurde. Böse Worte über einen 'neuen DDR-Obrigkeitsstaat' und Journalisten als 'Propaganda-Assistenten' erhitzen seither die Gemüter.

Ganz ehrlich: Die Aufregung wirkt mächtig übertrieben. Denn in der Vergangenheit ist Döpfner nun wirklich nicht durch die Art von Gedankengut aufgefallen, die ihm jetzt von Kritikern unterstellt wird.

Führende Vertreter des BDZV allerdings sehen den Fall längst nicht so milde. Der BDZV-Chef solle sich in der nächsten Sitzung des Präsidiums im November erklären, hieß es kühl mehrfach hinter den Kulissen. Das Argument, dass die SMS nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen sei, wollte ein wichtiger Kopf im BDZV nicht gelten lassen: Schließlich verdiene Springer mit Bild genau an derartigen Indiskretionen sein Geld.

Dass Döpfner zum Rücktritt aufgefordert wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Dazu gibt es im BDZV einfach zu wenig Revolutionäre oder wie es der Vertreter eines bedeutenden Mitglieds vor Monaten einmal ausdrückte, als Döpfners Facebook-Deal Wellen schlug: 'Wir sind eine feige Truppe.'"

Tipp: Jetzt in kress pro, dem Magazin für Führungskräfte in Medien: Reichelts Fall: Acht brisante Fragen und Antworten zum Medienthema des Jahres.

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