Köpfe-Gespräch: Wie 1-2-3.tv-Geschäftsführer Jörg Simon jüngere Käufer fürs Teleshopping gewinnt

 

Weg vom verstaubten Heizdecken-Fernsehen, ran an die konsumfreudigen App-Generation: Im kressköpfe-Interview berichtet der Verkaufssenderchef Jörg Simon, wie die Pandemie seine Geschäfte bei 1-2-3.tv beflügelte und welche deutschen Ideen der neue US-Eigner international kopieren möchte.

kress.de: Herr Simon, ohne zynisch klingen zu wollen: Wie sehr waren trotz aller Einschränkungen und auch der Sorgen ums eigene Team die harten Lockdown-Phasen eine Art Sonderkonjunktur für Ihr Haus?

Jörg Simon: Die Pandemie war sowohl für 1-2-3.tv als auch für viele andere Unternehmen aus der Branche eine neue Herausforderung. Wir senden täglich live und können daher nicht aus bestehenden Inhalten schöpfen. Um mögliche coronabedingte Ausfälle entgegenzuwirken und den Fortlauf des Produktionsbetriebs zu gewährleisten, haben wir zu Beginn der Pandemie in ein umfangreichen Hygienekonzept investiert. Gleichzeitig haben wir uns in der Zwischenzeit moderne Produktionseinheiten aufgebaut, die uns erlauben mit nur zwei bis drei Personen Shows zu produzieren. Das hat es uns ermöglicht, die Sonderkonjunktur mitzunehmen und auch während der Pandemie weiter zu wachen.

kress.de: Natürlich hat auch E-Commerce einen starke Zusatzschub erfahren: In wieweit konnten Sie den auch auf Ihre eigenen digitalen Kanäle mit umleiten, oder war es eher ein erbitterter Kopf-an-Kopf-Verdrängungswettbewerb der Medienwege TV und Netz?

Jörg Simon: Wir sprechen mit unseren bestehenden Kanälen in Web, App und TV unterschiedliche Kundengruppen an. Viele unserer Kunden schätzen nach wie vor unsere Liveshows über das klassische TV. Mit neuen digitalen Auktionsmodellen über unser Live-Shopping-Angebot 1-2-3.tv+ und unserer App, konnten wir weitere Zielgruppen erschließen und damit unsere digitale Reichweite massiv ausbauen.

kress.de: Ausgerechnet in unruhigen, herausfordernden Zeiten hat sich der Eignerkreis bei 1-2-3.tv geändert: Was bedeutet das für die etablierten Abläufe, und wie groß war die Aufgabe, Unruhe in der Mannschaft zu verhindern?

Jörg Simon: Das gesamte Management hat in den vergangenen Monaten Enormes geleistet. Schließlich musste neben den Verkaufsgesprächen auch das Tagesgeschäft aufrechterhalten werden. Die gemeinsame Vision und der kontinuierliche Austausch haben uns dabei motiviert. Das restliche Team haben wir zu gegebener Zeit über die Entwicklungen transparent informiert - so konnten wir Rückhalt und Sicherheit signalisieren.

"Gerade in den Bereichen Internationalisierung unseres Auktionsmodells und in der Entwicklung von Over-the-top-Inhalte ergeben sich neue Impulse."

kress.de: Welche Impulse darf man sich von dem Neu-Investor konkret erwarten?

Jörg Simon: Wir werden gemeinsam die erfolgreiche Entwicklung von 1-2-3.tv vorantreiben. iMedia Brands ist ein führendes US-amerikanisches Medienunternehmen (NASDAQ-börsennotiert), das ein wachsendes Portfolio von TV-Sendern, Consumer Brands und digitalen Diensten besitzt. Zum Beispiel das Live-TV-Programm des iMedia Telshopping-Senders Shop HQ. Von dieser Expertise und dem Netzwerk können wir profitieren. Hieraus ergeben sich gerade in den Bereichen Internationalisierung unseres Auktionsmodells und in der Entwicklung von Over-the-top Inhalte neue Impulse, die außerhalb der klassischen TV-Infrastruktur laufen.

kress.de: Homeshopping wurde ja schon öfter belächelt. Wie gut tut es dem Management und dem Team, wenn sich die Akzeptanzfrage aktuell gelöst zu haben scheint?

Jörg Simon: 1-2-3.tv hat sich in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt. Wir haben ein neues Rebranding umgesetzt, unsere Studios modernisiert und unserem Online- Auftritt ein Facelift gegeben. Zudem sind wir von einem Auktionsmodell auf fünf verschiedenen gewachsen. Gleichzeitig haben wir unser Produktportfolio erweitert und in reichweitenstarke TV-Spots investiert. In den nächsten zwei Jahren wollen wir diese positive Entwicklung weiter vorantreiben. Diesen Wandel aktiv mitzugestalten und eigene Ideen einzubringen, beflügelt das gesamte Team.

"Wir sehen in der GenX noch großes Wachstumspotenzial. Mittlerweile stammen 16 Prozent unserer Kunden aus dieser Zielgruppe."

kress.de: Trotzdem: Wie viele andere Medienunternehmungen aus müssen Sie sich dem Kampf um die jungen Zielgruppen stellen. Wie kann man das Teleshopping da überhaupt zeitgemäß halten?

Jörg Simon: Wir sehen in der GenX noch großes Wachstumspotenzial. Mittlerweile stammen 16 Prozent unserer Kunden aus dieser Zielgruppe. Dieser Anteil soll perspektivisch weiterwachsen. Während der Pandemie haben wir über unsere digitalen Kanäle neue Einblicke in das Verhalten und die Ansprüche dieser Zielgruppe gewonnen. Mit diesem Wissen konnten wir unsere Strategie sinnvoll weiterentwickeln und Anpassungen bei Produkten und dem Kanal vornehmen.

kress.de: Welche Lehren hat ihr Haus eigentlich aus der beschleunigten New-Work- Diskussion und der Debatte um Homeoffice-Arbeitsplätze gezogen: Wie schwergängig ist da eigentlich ein Sender, kann man an gelernten Abläufen überhaupt etwas ändern?

Jörg Simon: Ich war selbst überrascht, wie schnell und reibungslos die Umstellung von der gewohnten Büroarbeit hin zum Homeoffice funktioniert hat. Innerhalb von vier Wochen arbeitete 80 Prozent unsere Mannschaft von Zuhause aus. Allgemein war Corona in vielen Bereichen ein zusätzlicher Treiber, der Entwicklungen und Abläufe im Unternehmen zum einen beschleunigt, aber auch nachhaltig digitalisiert hat. Wir haben erkannt, dass hybride Arbeitsweisen auch in unserer Branche gelingen können. Dazu haben wir mobile Studios geschaffen; auch unsere Supply Chain können wir nun digital steuern, und Collaboration Tools ermöglichen das digitale Onboarding.

kress.de: Wenn Sie auf frühere Stationen zurückblicken: Auf welchen Stationen haben Sie am meisten für Ihr aktuelles Tätigkeitsfeld gelernt?

Jörg Simon: In meinen drei Jahren als Geschäftsleitung bei HSE.

kress.de: Wie tanken Sie denn Ihre Batterien wieder auf, was bringt Sie auf die besten Ideen?

Jörg Simon: Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie und Freunden. Neue Ideen und Ansätze kommen mir häufig auf dem Rad, mit dem ich regelmäßig auch ins Büro fahre.

kress.de: Sie führen ein kressköpfe-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Jörg Simon: Ich schätze den persönlichen Austausch und die Impulse, die Business Netzwerke wie zum Bespiel LinkedIn bieten. Auch wenn ich im klassischen Netzwerken noch engagierter sein könnte, bietet es eine Möglichkeit, um neue Meinungen einzuholen, Einblicke in andere Sichtweisen zu gewinnen und diese mit den eigenen abzuwägen. Daraus können neue Denkanstöße resultieren.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Jörg Simon: kress.de mit seine verschiedenen Angebote begleiten mich auf meinem Weg durch die Branche schon viele Jahre und er ist immer ein verlässliches Medium, um auf dem Laufenden zu bleiben. Natürlich sind die großen Geschichten zur Branche und ihren Trends besonders spannend. Aber auch die Personalien verfolge ich genau, um zu wissen wer wohin geht und wer vielleicht zu uns passen könnte.

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