Coronakrise: 5 Themen, die Medienprofis jetzt beschäftigen

 

Zwei Jahre Corona-Krise, aber kein Ende in Sicht. Einige Medienprofis fühlen sich psychisch stark belastet, aber erstaunlich viele gehen ihren Alltag und die Zukunft zuversichtlich an. Mediencoach Attila Albert über fünf Themen, die Medienprofis jetzt besonders beschäftigen.

Auch das zweite Jahr der Coronakrise nähert sich bereits seinem Ende, ohne dass eine Rückkehr zur Normalität absehbar wäre. Manche erwarten entscheidende Verbesserungen inzwischen erst für das Frühjahr 2023, ohne dass es eine Garantie dafür geben würde. Angesichts der fortlaufenden Aufregung - oft fast Panikstimmung - in der Berichterstattung erstaunt es mich, wie gefasst fast alle Medienprofis, mit denen ich in meinen Coachings zusammenarbeite, ihren beruflichen und persönlichen Alltag angehen und bewältigen. 

Vielfach gibt es praktische Herausforderungen, vor allem in Bezug auf die weiterhin (zu) hohe Arbeitsbelastung, die Kinderbetreuung und für Singles bei der Partnersuche. Aber ich erlebe gleichzeitig mehrheitlich Pragmatismus und Zuversicht, manchmal auch einfach Galgenhumor. Erstaunlich viele Medienprofis haben gerade in der Krise den Mut gefunden, bestimmte Dinge endlich anders anzugehen. Beispielsweise einen längst überfälligen Wechsel des Arbeitgebers oder eine Selbstständigkeit voranzutreiben. Fünf Themen sind besonders präsent.

Psychische Belastungen: Raus aus den Extremen

Die erbitterte Diskussion um die staatlichen Maßnahmen, vor allem um die faktisch schon verdeckte und eventuell bald offene Impfpflicht, spaltet auch die Medienprofis. Befürworter wie Gegner finden sich auch in den Redaktionen, und beide Seiten sind psychisch ähnlich stark belastet. Wie bei allen Herausforderungen sind zwei Reaktionsmuster typisch: Angst und Hilflosigkeit - oder Wut und Schuldzuweisungen. Ersteres führt oft zum stillen Rückzug, zweiteres zu unzähligen Konflikten (z. B. Wutbriefe auf Social Media, Streit mit anderen). Egal, wie sehr man sich im Recht fühlt, ist beides auf Dauer erschöpfend.

Empfehlung: Achten Sie darauf, welches Gefühl Ihre Wahrnehmung und damit aktuelle Kommunikation vor allen prägt - und wie hilfreich das für Sie ist. Denn am Ende beeinflusst das vor allem Ihr Leben und Ihre Beziehungen. Bemühen Sie sich bei aller Anspannung, offen für andere Ansichten, positiv in Ihren Beiträgen und optimistisch für die Zukunft zu bleiben. Sie ersparen Sie damit einen verengten Blick, der Sie zu für Sie selbst ungünstigen Entscheidungen treibt. Ein psychologisches Assessment kann Ihnen helfen, die Stärken Ihrer bisherigen Perspektive zu erkennen und auszubauen, negative Aspekte zu reduzieren.

Blick auf eigene Zukunft: Risiken begrenzen

Wer die Wirtschaftsnachrichten mitverfolgt, dem ist klar, dass die Rahmenbedingungen für Unternehmen schwieriger werden (u.a. durch die staatlich getriebenen Kostensteigerungen). Für Angestellte ist der Homeoffice-Trend auch eine potenzielle Gefahr. Das "Outsourcing" von Aufgaben aus den eigenen Büros macht es den Arbeitgebern leichter, diese auch einmal ganz extern zu vergeben, an Subunternehmer (Agenturen) oder freie Mitarbeiter. Niemand muss deswegen in Panik verfallen. Aber es empfiehlt sich, die eigenen Risiken zu begrenzen - nicht abwarten, sondern die eigene Zukunft planen.

Empfehlung: Denken Sie bereits jetzt über die Coronakrise hinaus, auch wenn noch unklar ist, wie lange sie andauern wird. Wie soll es für Sie in den nächsten zwei bis fünf Jahren weitergehen und mit welchen konkreten Schritten könnten Sie jetzt (in den nächsten ein bis zwei Wochen) beginnen? Setzen Sie sich möglichst genaue Ziele. Beispiel: Sie wollen 120 000 Euro im Jahr verdienen - welche Branchen und Jobs bzw. Geschäftsideen führen Sie dahin? Oder Ihr Ziel ist, vom Journalismus in die PR zu wechseln - in welchen Bereich genau, welches Fachwissen und welche Kontakte müssen Sie dazu noch aufbauen?

Entschluss zu Veränderungen: Mutiger planen

Zu Beginn der Coronakrise entschieden sich die meisten für die vorsichtigste Strategie: Abwarten und nichts riskieren. Sie verschoben Wechsel des Arbeitgebers oder die geplante Selbstständigkeit wegen weniger Angebote und der allgemeinen Unklarheit. Schon nach einigen Monaten wurden Unternehmen wie individuelle Medienprofis aber (teilweise gezwungenermaßen) entschlußfreudiger. So arbeite ich derzeit mit vielen Journalisten und PR-Experten, die neue Stellen angetreten haben oder sich eine Selbstständigkeit aufbauen und damit privat nur noch begrenzt mit den Corona-Nachrichten befassen können.

Empfehlung: Gehen Sie davon aus, dass die Umstände noch mehrere Jahre lang schwierig bleiben, sehen Sie aber gleichzeitig optimistisch in die Zukunft. Es braucht keine perfekten Umstände, um einen Plan umzusetzen. Lenken Sie möglichst viel Ihrer Aufmerksamkeit, Zeit und Kraft von kurzlebigen Aufregungen (z. B. ständig die aktuellen Corona-Lage diskutieren) und von Ihren Alltagsaufgaben hin zu langfristigen Vorhaben. Am besten, Sie planen sich feste Zeiten im Kalender dafür ein, um sich aktiver zu bewerben oder eine Geschäftsidee zu konkretisieren. Dreimal 30 Minuten pro Woche dafür wären ein guter Richtwert.

Neubewertung des Homeoffices: Kosten prüfen

Zumindest tageweises Homeoffice scheint sich als Dauerzustand etabliert zu haben. Wegen der aktuell hohen Inflation, getrieben vor allem durch die Energiepreise, rechnen manche Medienprofis aber inzwischen: Was bedeutet es für die eigenen Strom- und Nebenkosten, wenn nun den ganzen Tag daheim das Licht brennt, mehrere Computer (Partner, Kinder) und die Heizung laufen, mehr gekocht wird? Wer bisher täglich in einer subventionierten Kantine essen konnte, zahlt möglicherweise auch mehr für Lebensmittel. Dafür spart er eventuell an den Kosten für den Arbeitsweg, an Ausgaben für Kleidung und Schuhe.

Empfehlung: Schätzen Sie möglichst genau ab, welcher finanzielle Effekt für Sie überwiegt und überprüfen Sie, wo Kostensenkungen notwendig und möglich sind (z. B. Abos für den Nahverkehr anpassen). Eventuell können Sie ein Arbeitszimmer steuerlich absetzen oder ein Gäste- oder Kinderzimmer dazu umgestalten, um es bei der Steuererklärung als solches geltend zu machen. Geplante beruflich bedingte Investitionen sollten Sie am besten bis zum 31. Dezember vornehmen, um sie noch für das laufende Jahr absetzen zu können. Typisch dafür: Möbel fürs Arbeitszimmer, neuer Drucker, Weiterbildung, Coaching, Büromaterial.

Gegen die innere Unruhe: Gezielt engagieren

Krisenzeiten, generell Umbrüche, führen bei den meisten zu einer großen inneren Unruhe. Die Umstände sind unklar, vieles ist nicht zu beeinflussen, aber trotzdem folgenreich. An einigen Ihrer Mitmenschen konnten Sie sicher schon beobachten, wozu das führen kann. Zu abseitigen, manchmal geradezu wahnhaften Ansichten, politischer Radikalisierung, der obsessiven Fixierung auf bestimmte Themen und auch zur Flucht ins Religiöse (Esoterik, New Age). Dagegen schützt gezieltes Engagement, um die empfundene Selbstbestimmung wieder zu stärken, sich selbst vor gedanklicher Isolation zu bewahren.

Empfehlung: Achten Sie auf Alarmzeichen, dass Sie z. B. serienweise Tweets zum immer gleichen Thema verfassen, zunehmend verbittert oder aggressiv werden oder Ansichten vertreten, die nur noch eine immer kleinere Gruppe teilt. Wenn Sie der Meinung sind, dass sich "dringend etwas ändern" müsse, lenken Sie diese Energie in konstruktive Bahnen. Beteiligen Sie sich beispielsweise an einer Initiative, bei einer Partei, im Verein oder in der Kirchgemeinde. Pflegen Sie zudem, soweit es geht, weiterhin Hobbies, Sport und soziale Kontakte. Vermeiden Sie lange Zeiten allein im Internet, vor allem abends und nachts.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

Sind Sie zufrieden mit ihrem Arbeitgeber?

Wir recherchieren Woche für Woche alle Jobangebote aus der Branche und machen daraus einen Newsletter. Ein Blick auf Ihren Marktwert lohnt sich immer. Vielleicht stimmt ja der Job, nicht aber das Geld.

Sie stellen ein? Hier können Sie Ihre Stellenanzeige aufgeben.

Sie möchten exklusive Medienstorys, spannende Debatten und Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.