Neuer Bild-Chefredakteur Boie räumt ein: Kritik muss angemessen geübt werden

06.12.2021
 

Nach dem hitzigen Medien-Comeback von Ex-Bild-Chef Julian Reichelt stimmt sein Nachfolger versöhnliche Worte an. "Wir alle müssen gegen die Spaltung wirken", kommentiert Johannes Boie am Wochenende zur Corona-Lage - und nimmt dabei explizit auch Bild nicht aus. Stefan Niggemeier empfindet Boies Aussagen als "blanken Hohn".

Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier hat zuletzt schwere Vorwürfe gegen Bild erhoben: Der journalistische Kurs der Axel Springer-Zeitung habe auch dazu beigetragen, dass die Corona-Lage jetzt noch schlimmer sei, als sie sein müsste, schrieb Niggemeier in einem viel beachteten Beitrag (kress.de berichtete).

An diesem Sonntagnachmittag hat sich Niggemeier wieder über die Bild-Zeitung geärgert:

"Es ist blanker Hohn, wenn der @Bild-Chefredakteur jetzt von 'Zusammenhalt' spricht und 'Respekt voreinander' fordert. Und es nicht mal schafft, zu sagen, ob die Hetzschlagzeile gegen Wissenschaftler am Samstag nun 'angemessen' war oder nicht", schreibt Niggemeier auf Twitter.

Niggemeier spielt damit auf den aktuellen Bild-Kommentar von Chefredakteur Johannes Boie (Das Land zusammenhalten) an. Boie schreibt darin: "Wir alle müssen gegen die Spaltung wirken, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, reich oder arm, berühmt oder unbekannt. Wir gehören zusammen" - und gibt Tipps, wie es im Alltag gelingen kann: u.a. "Verständnis von uns allen - für uns alle", "Respekt voreinander", "Klarnamen-Pflicht im Netz", "Keine Regeln, die spalten", "Regeln für soziale Medien".

Vor allem Boies Punkt "Angemessene Kritik üben und aushalten" sorgt in der Medienszene für Diskussionen:

"Ohne Diskussion - keine Demokratie, keine Freiheit, kein Fortschritt. Wer dieses Land regiert, verändert, über das Leben der Menschen bestimmt, muss Kritik aushalten. Gerade auch von Journalisten. Umgekehrt muss Kritik angemessen geübt werden. Das gilt ausdrücklich auch für BILD."

Medienjournalist Daniel Bouhs fragt sich, ob das ein "Eingeständis" des neuen Bild-Chefredakteurs sei. "Wenn sich Johannes Boie damit im eigenen Haus durchsetzen würde, wäre jedenfalls schon etwas gewonnen", meint Bouhs auf Twitter.

In seinen Bild-Kommentar betont Johannes Boie auch, es sei keine Schande, wenn ein Politiker sage: "Ich weiß es nicht". Es sei aber unverständlich, wenn Politiker etwas versprechen würden ("Keine Impfpflicht", "nächstes Jahr ist alles vorbei"), und es dann genau anders komme.

Julian Reichelt, der Vorgänger von Boie auf dem Bild-Chefsessel, hat zu diesem Thema vor ein paar Tagen einen ganz anderen Ton angeschlagen: So ist die Impfpflicht, die nun kommen solle, für Reichelt gar "der größte politische Wortbruch in der Geschichte der Bundesrepublik" (kress.de berichtete).

Axel Springer hatte Julian Reichelt am Montag, den 18. Oktober, "mit sofortiger Wirkung" von seinen Aufgaben entbunden. Reichelts Entlassung ist das Medienthema des Jahres 2021.

Jetzt das neue kress pro lesen: Reichelts Fall. Acht brisante Fragen und Antworten zum Medienthema des Jahres:

Warum hat Axel Springer Julian Reichelt nicht schon früher gefeuert?

Wie genau wurde Julian Reichelt gefeuert?

Wie gut hat die Kanzlei Freshfields den Fall untersucht?

Warum schweigt Julian Reichelt?

Was ist zwischen den Frauen und Julian Reichelt wirklich vorgefallen?

Warum hat die "New York Times" sich Springer vorgenommen?

Warum hat Dirk Ippen die Reichelt-Story wirklich gestoppt?

Warum gab es nach dem Comeback Reichelts einen Machtkampf?

Dazu weitere Hintergründe: Julian wer? Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft tut sich schwer, über den Fall Reichelt zu reden. Ippen intern: So wurde die Story geknickt.

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Ihre Kommentare
Kopf
Karl Heinz Feuerlein
06.12.2021
!

ch empfehle das um 1908 erscheinen Buch des Gustave Le Bon: “Psychologie der Massen“ zu lesen. Danach wird jedem redlichen Jung-Journalisten klar, wie leicht er manipuliert werden kann, ohne sich dessen bewusst zu sein!


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